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Widerstand gegen Lukaschenko: Zehntausende bei Kundgebung von Oppositioneller in Belarus



epa08575317 People attend a campaign rally of Belarusian opposition presidential candidate Svetlana Tikhanovskaya in Minsk, Belarus, 30 July 2020. The presidential election in Belarus is scheduled to take place on 09 August 2020.  EPA/TATYANA ZENKOVICH

Zehntausende Lukaschenko-Gegner versammelten sich in Minsk. Bild: keystone

Rund eine Woche vor der Präsidentenwahl in Belarus (Weissrussland) sind Zehntausende Menschen zu einer Kundgebung der Opposition in Minsk gekommen. Die politisch unerfahrene Kandidatin Swetlana Tichanowskaja habe am Donnerstagabend rund 34 000 Menschen mobilisiert, teilte die Menschenrechtsorganisation Wesna mit. Es ist die grösste Aktion der Opposition in der Ex-Sowjetrepublik seit Jahren. Tichanowskaja will am 9. August den autoritären Präsidenten Alexander Lukaschenko herausfordern. Auf die 37 Jahre alte Ehefrau des prominenten inhaftierten Bloggers Sergej Tichanowski richten sich alle Hoffnungen der Lukaschenko-Gegner.

Lukaschenko, der als «letzter Diktator» Europas gilt, will sich für eine sechste Amtszeit bestätigen lassen. Er regiert die Ex-Sowjetrepublik seit 26 Jahren mit harter Hand. Um bessere Chancen bei der Abstimmung zu haben, schloss sich Tichanowskaja mit den Teams der von der Wahl ausgeschlossenen Bewerber Viktor Babariko und Waleri Zepkalo zu einem Bündnis zusammen.

Lukaschenko wirft den Oppositionellen immer wieder vor, Unruhen provozieren zu wollen und mit dem Ausland Umsturzversuche zu planen. Tichanowskaja wies die Vorwürfe bei der Kundgebung vehement zurück. Zuletzt wurden auch mutmassliche russische Söldner in der Nähe von Minsk festgenommen. Welchen Einfluss dies auf die Wahl haben wird, war bislang nicht absehbar.

Tichanowskaja will im Fall eines Sieges Neuwahlen ansetzen und alle politischen Gefangenen freilassen, darunter auch ihren Mann Sergej, wie sie bei der Veranstaltung sagte. «Ich bin müde, alles hinzunehmen, ich bin müde, zu schweigen, und ich bin müde, Angst zu haben.» Sie wolle das System ändern, aber nicht selbst an die Macht kommen.

Maria Kolesnikowa, Swetlana Tichanowskaja und Veronika Zepkalo stehen bei einem Wahlkampfauftritt in der belarussischen Hauptstadt Minsk zur Unterstützung von Tichanowskaja. Foto: Sergei Grits/AP/dpa

Tichanowskaja in der Mitte: «Ich bin müde, alles hinzunehmen.» Bild: sda

Experten gehen davon aus, dass es im Fall eines Sieges von Lukaschenko zu neuen Protesten kommt. Bisher wurden Präsidentenwahlen in Belarus nicht als demokratisch anerkannt. (cma/sda/dpa)

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4 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Dieter123
30.07.2020 22:45registriert March 2020
Hoffentlich lebt die gute Frau bis dann noch und wurde nicht Opfer eines tragischen Unfalls.
Lukaschenko, wir haben ein Auge darauf.
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MartinZH
30.07.2020 22:58registriert May 2019
Leider wird sich in Belarus nichts ändern. Die Wahlen sind eine Farce. Am Ende wird Lukaschenko erneut gewinnen, das ist klar. Es wird erst Änderungen geben, wenn der Diktator nicht mehr lebt. Und das dauert noch. 😔
Lukaschenko orientiert sich an Putins Strategie. Was auch passieren könnte, hat Lukaschenko in der Ukraine gesehen. Er tut alles dafür, dass es in Belarus nie so weit kommen wird. Dafür ist er schon viel zu lange an der Macht und der gesamte "Apparat" ist durch und durch "gesäubert". So wird der Diktator keine Überraschungen erleben, denn er hat für alle Eventualitäten vorgesorgt.
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