International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa08272773 (FILE) - Sheikh Mohammed bin Rashid Al Maktoum (R), Vice President, Prime Minister of the UAE and Ruler of Dubai arrives with Princess Haya bint Al Hussein (L) during the World Government Summit 2017 at Madinat Jumeirah in Dubai, United Arab Emirates, 14 February 2017 (reissued 05 March 2020). According to media reports, Sheikh Mohammed bin Rashid Al Maktoum was found by a Britain court to have conducted a campaign of fear against his ex-wife and ordered the kidnap and torture of his two runaway daughters.  EPA/STR

Prinzessin Haya und Scheich Mohammed von Dubai. Bild: EPA

Wie der Emir von Dubai seine eigenen Kinder entführt und gefoltert hat

Schwere Vorwürfe gegen den Emir von Dubai: Das höchste Gericht in Grossbritannien wirft Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktum vor, seine zwei Töchter entführt und gefoltert zu haben. Mohammed kämpfte gegen die Veröffentlichung des Urteils – vergebens.



Entführung, erzwungene Rückkehr, Folter und eine Einschüchterungskampagne: Der oberste Gerichtshof Grossbritanniens veröffentlichte am Donnerstag eine Reihe von Urteilen, die den Emir von Dubai schwer belasten.

Scheich Mohammed versuchte vergebens, die Urteile aus der Öffentlichkeit fernzuhalten. Er bestand darauf, dass der Fall eine Privatangelegenheit sei. Das Gericht entschied jedoch, dass der Fall von öffentlichem Interesse sei. Ausserdem wurde dem Emir vorgeworfen, nicht «offen und ehrlich» gegenüber den Gericht gewesen zu sein.

Seine Ex-Frau, Prinzessin Haya, hat vor acht Monaten Anklage gegen ihn erhoben. Sie beantragte Schutz sowie das Sorgerecht ihrer zwei Kinder.

Wessen wurde er schuldig gesprochen?

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Scheich Mohammed für die Entführung und erzwungene Rückkehr zwei seiner Töchter aus einer anderen Ehe verantwortlich ist.

Wie kam es dazu?

Begonnen hat alles mit der Flucht seiner Tochter Schamsa im Jahre 2000. Schamsa soll damals aus dem 75 Millionen Pfund (umgerechnet knapp 94 Mio. CHF) teuren Anwesen der Familie bei Chobham in der englischen Grafschaft Surrey geflohen sein.

Der damals 18 Jahre alten Tochter gelang es, ihre Bewacher auszutricksen und das mit einem Sicherheitszaun und Überwachungskameras gesicherte Gelände zu verlassen. Trotz einer umfangreichen Suchaktion, bei der das Sicherheitspersonal in Autos und sogar hoch zu Ross nach der Prinzessin fahndete, entkam Schamsa.

Schamsa al Maktum

Schamsa al Maktum. Bild: Twitter

Doch nach einigen Wochen wurde sie offenbar im August desselben Jahres nach dem Besuch einer Bar in Cambridge entführt. Ein Auto mit vier Insassen habe neben ihr gehalten und sie sei zum Einsteigen gezwungen worden.

Die Männer, die zum persönlichen Stab des Scheichs gehörten, sollen sie zu seinem Anwesen in Newmarket gefahren haben; von dort sei sie dann am nächsten Tag per Helikopter zum Flughafen gebracht und über Frankreich nach Dubai ausgeflogen worden. Bis heute wird sie dort gefangen gehalten.

Was ist mit der anderen Tochter?

Prinzessin Latifa al Maktum versuchte ebenfalls, von ihrem Vater zu fliehen. Erstmals im Jahre 2002, dieser Versuch scheiterte jedoch und Latifa wurde für mehr als drei Jahre in ein Gefängnis in Dubai gesteckt.

Ihr zweiter Versuch folgte im Jahr 2018. Es hätte eine spektakuläre Flucht werden können – scheiterte jedoch ebenfalls. Die heute 33-jährige Latifa wurde im März 2018 vor der indischen Küste entführt und nach Dubai zurückgebracht. Auch sie verweilt bis heute unter Hausarrest.

Vor ihrer Flucht hat die Prinzessin ein 40-minütiges Video aufgenommen, in dem sie schwere Vorwürfe gegen ihren Vater erhebt.

Hier kannst du dir dieses Video anschauen:

abspielen

Video: YouTube/Free Latifa

In dem Video erklärt die Prinzessin, ihr Vater – der Scheich ist als Reformer bekannt, der den Golfstaat modernisiert hat – lege grossen Wert auf seine Reputation. Doch sein Image als Modernisierer sei nur Fassade; in Wahrheit handle es sich um einen skrupellosen Gewaltherrscher, der beispielsweise eine Ehefrau seines verstorbenen Bruders habe töten lassen, weil er sie nicht mochte und sie zu viel redete.

Anna Rothenfluh und Daniel Huber haben ihre zwei Fälle bereits in einem sehr lesenswerten Artikel zusammengefasst:

OK, aber was hat das mit Prinzessin Haya zu tun?

Scheich Mohammed vermochte es zunächst, seine Frau davon zu überzeugen, dass er die beiden Prinzessinnen nicht entführt, sondern gerettet hat und dass diese nun bei ihrer Familie in Sicherheit seien.

Anfang 2019 kamen Prinzessin Haya jedoch erste Zweifel. Sie äusserte ihre Bedenken auch. Wie die «BBC» berichtet, fing sie zudem eine Affäre mit ihrem britischen Bodyguard an.

Um Haya ruhig zu halten, sieht es der oberste Gerichtshof Grossbritanniens als erwiesen an, dass Agenten des Emirs damit begannen, die Prinzessin einzuschüchtern. Zweimal wurde ihr eine entsicherte Waffe auf das Kopfkissen gelegt. Sogar ein Hubschrauber soll vor ihrem Haus gelandet sein – die Piloten haben ihr gedroht, sie in ein abgelegenes Wüstengefängnis zu bringen.

FILE - In this Sunday, Jan 17, 2016 file photo, Princess Haya bint al-Hussein, the wife of the Prime Minister of the UAE and Ruler of Dubai, attends a press conference in Dubai, United Arab Emirates. A British court has found that the ruler of Dubai conducted a campaign of fear and intimidation against his estranged wife and ordered the abduction of two of his daughters, documents unsealed Thursday, March 5, 2020 show. (AP Photo/Martin Dokoupil, file)
Haya bint al-Hussein

Prinzessin Haya. Bild: AP

Der Richter entschied, dass «der Vater daher ab Ende 2018 in einer Weise gehandelt hat, die darauf abzielte, die Mutter einzuschüchtern und zu erschrecken, und dass er andere ermutigt hat, dies in seinem Namen zu tun».

Im April 2019 folgte die Flucht der Prinzessin nach England. Sie nahm ihre zwei Kinder mit sich und beantragte das Sorgerecht für die beiden.

Was sagte das Gericht?

Der oberste Gerichtshof hielt Hayas sowie die Geschichte der beiden Töchter Schamsa und Latifa für glaubwürdig. Auch hielt es das Gericht für wahrscheinlich, dass Scheich Mohammed die beiden Töchter, die sieben und elf Jahre alt sind, ebenfalls entführen und gewaltsam nach Dubai zurückbringen könnte.

Dabei hat der Emir mit einigen Aktionen seiner eigenen Glaubwürdigkeit keinen Gefallen getan. So hat er zum Beispiel ein Gedicht mit dem Titel «Du lebst, Du stirbst» auf Social Media veröffentlicht.

Was passiert nun mit Scheich Mohammed?

Wahrscheinlich nicht viel. Zumindest rechtlich hat Mohammed keine Auswirkungen zu befürchten. Als Emir von Dubai geniesst er Immunität vor Strafverfolgung. Ob seine Ex-Frau das Sorgerecht für die Kinder zugesprochen bekommen hat, ist nicht öffentlich geworden.

Britain's Queen Elizabeth II, right, greets Sheikh Mohammed Bin Rashid Al Maktoum, UAE Vice President and the Ruler of Dubai and his wife Princess Haya of Jordan in the royal box on the second day of the Royal Ascot horse race meeting at Ascot, England, Wednesday, June, 15, 2016. (AP Photo/Alastair Grant)

Bild: AP/AP

Das Urteil stellt jedoch einen herben Gesichtsverlust für Scheich Mohammed dar. Der Emir gilt als enger Freund der Queen. Auch ist er ein globales Aushängeschild für den Pferderennsport. Er ist der Besitzer und Gründer des Vollblut-Pferderennstalls «Godolphin Racing».

Das veröffentlichte Gerichtsurteil sorgte für Jubel bei Menschenrechtsorganisationen. Die Kampagne «Free Latifa» schrieb in einer Mitteilung:

«Die Kinder von Prinzessin Haya können ihre Kindheit jetzt ohne die bösartige Präsenz ihres Vaters fortsetzen.»

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

21 skurrile Dinge, die du so nur in Dubai zu sehen kriegst

Hält Prinzessin Latifas Vater sie gefangen?

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

37 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
TanookiStormtrooper
05.03.2020 23:29registriert August 2015
Ich kenne ja einige, die gerne mal nach Dubai fliegen. Wenn ich in Zukunft gefragt werde, warum mich da keine zehn Pferde hinkriegen werde ich diesen Artikel meiner Argumentation hinzufügen. Nie werde ich solch rückständige Barbaren unterstützen. 🤬🤮
67515
Melden
Zum Kommentar
Neruda
06.03.2020 01:05registriert September 2016
Das sind nun wirklich keine Neuigkeiten mehr. Der Emir ist ein brutaler, frauenverachtender Autokrat und jeder der da in die Ferien geht, unterstützt diese kruden Moralvorstellungen auch noch.
4429
Melden
Zum Kommentar
Aribruno
06.03.2020 00:30registriert November 2018
Diese Dubai Scheichs sind nun mal etwas komisches. Sie meinen sie haben alle Rechte. Dabei sind sie ein einzigartiger Sündenpful. Ich hoffe es geht ihnen das Öl aus, dann sind ihre besten Zeiten vorbei. Sie meinen sie können alles kaufen, sogar Gerichte. Jetzt haben sie sich selber ins Bein geschossen. Finde es einfach toll.
3186
Melden
Zum Kommentar
37

Vergiftete Böden und Kinderarbeit – was sich Schweizer Firmen im Ausland alles erlauben

Am 29. November stimmt die Schweiz über die Konzern-Initiative ab. Sie soll Schweizer Unternehmen bei Rechtsverstössen im Ausland stärker haftbar machen. Höchste Zeit also, um sich ein paar Beispiele von bis jetzt ungeahndeten Menschenrechts- und Umweltvergehen anzusehen.

Nach der Abstimmung ist vor der Abstimmung: Bereits am 29. November kann das Schweizer Stimmvolk erneut wählen gehen. Zum Beispiel über die Konzernverantwortungsintiative. Diese fordert, dass globale Konzerne mit Sitz in der Schweiz einem zwingenden Regelwerk unterstellt sind, wenn es um die Beachtung von Menschenrechten und Umweltschutz bei ihren weltweiten Tätigkeiten geht.

Oder einfach gesagt: Schweizer Unternehmen und ihre Tochterfirmen könnten für ihre Tätigkeiten im Ausland rechtlich …

Artikel lesen
Link zum Artikel