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Naked Hindu holy men gather to take holy dips in the Ganges River during Kumbh Mela, or pitcher festival, one of the most sacred pilgrimages in Hinduism, in Haridwar, northern state of Uttarakhand, India, Monday, April 12, 2021. Tens of thousands of Hindu devotees gathered by the Ganges River for special prayers Monday, many of them flouting social distancing practices as the coronavirus spreads in India with record speed. (AP Photo/Karma Sonam)

Am Ganges herrscht in diesen Tagen reges Treiben. Bild: keystone

Indiens Fallzahlen explodieren – währenddessen ist ein Mega-Festival im Gange(s)

Einen schlechteren Zeitpunkt hätte es nicht treffen können: Das grösste hinduistische Fest der Welt «Kumbh Mela» wird in Haridwar, Indien, nur alle 12 Jahre gefeiert – und just dieses Jahr ist es wieder so weit. Corona hin oder her.



Noch im Februar schien die Pandemie in Indien besiegt. Dank strenger Massnahmen flachte die Kurve seit ihrem Höhepunkt im letzten September immer mehr ab. «Indien hat die Pandemie erfolgreich eingedämmt», verkündete der Gesundheitsminister Harsh Vardhan am 2. Februar. Doch er freute sich zu früh. Die Fallzahlen sollten nur noch bis am 8. Februar sinken, bevor sie schliesslich explodierten.

Festival im Ganges

Als wäre diese Kurve, die steiler fast nicht sein könnte, noch nicht besorgniserregend genug, wird in Indien gefeiert, als gäbe es kein Morgen.

Video: watson/leb

Das Kumbh Mela, was so viel bedeutet wie «das Fest des Kruges», wird in der nordindischen Pilgerstadt Haridwar nur alle 12 Jahre gefeiert. Wenn es so weit ist, pilgern Millionen von Menschen – sowohl Gläubige als auch Schaulustige – an den Ganges in Haridwar, im Bundesstaat Uttarakhand, wo rituelle Waschungen stattfinden. Diese sollen die Badenden von ihren Sünden befreien. Auffallend sind dabei die Sadhus: Hinduistische Mönche in bunten Gewändern, die dem weltlichen Leben entsagen und asketisch leben.

Natürlich stellt sich jetzt die Frage, ob dieses Fest nicht hätte verschoben werden können. Die Antwort ist Nein. Denn die Festlichkeiten richten sich nach einer spezifischen Konstellation von Mond, Sonne und Jupiter. Und ebendiese findet nur alle 12 Jahre statt, da die Umlaufzeit des Jupiters um die Sonne etwa so lange beträgt.

Dem neuen Ministerpräsidenten des Bundesstaates Uttarakhand, Tirath Singh Rawat, blieb nicht viel anderes übrig, als an die Pilger zu appellieren, Masken zu tragen und die Sicherheitsabstände einzuhalten. Denn auch wenn die Gesundheit der Menschen eine Priorität sei, könne man Glaubensfragen nicht einfach ignorieren, so der Ministerpräsident gemäss «indiatoday». Dass diese Bitten vergeblich waren, zeigen die zahlreichen Bilder, die derzeit auf Twitter kursieren:

Gemäss Polizeiangaben hätten sich am vergangenen Montag etwa drei Millionen Menschen für das Fest in Haridwar eingefunden. Eine Kontrolle der Sicherheitsmassnahmen war unter diesen Menschenmassen ein Ding der Unmöglichkeit. Zwar wurde das Fest von dreieinhalb Monaten auf einen Monat gekürzt, doch von diesem Monat befindet man sich jetzt gerade mal in der Halbzeit. Noch bis Ende April dürften sich die Tausenden von Pilgern dicht gedrängt in und um das Wasser tummeln.

Wer nun die religiösen Menschen an den Pranger stellen möchte, sei aber nicht zu voreilig und werfe einen Blick in den Bundesstaat Bengal im Osten Indiens. Dort finden nämlich Regionalwahlen statt, welche ebenfalls riesige Menschenmassen auf die Strasse ziehen:

In den nächsten Wochen wird sich zeigen, wie sich diese Menschenmassen auf die Entwicklung der Corona-Lage auswirken werden. Doch ein Blick auf die momentanen Fallzahlen, die Bilder und die Videos lässt nichts Gutes verheissen.

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Indien versinkt im Plastik
quelle: epa/epa / jaipal singh
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