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epa07786117 A handout photo made available by Quirinale Palace shows the President of the Republic Sergio Mattarella shaking hands with Luigi Di Maio (R), M5S leader, at Quirinale Palace for the first round of formal political consultations following the resignation of Prime Minister Giuseppe Conte, in Rome, Italy, 22 August 2019.  EPA/PAOLO GIANDOTTI QUIRINALE PALACE HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella mit dem Chef der 5-Sterne-Bewegung Luigi di Maio. Bild: EPA

Tag 2 der Gespräche über die Krise in Italien – Demokraten bereit für Koalition



In Italien sind die Gespräche über einen Ausweg aus der politischen Krise fortgesetzt worden. Präsident Sergio Mattarella beriet sich am Donnerstag mit den Vorsitzenden der grossen Parteien im Quirinalspalast in Rom.

Zu den möglichen Szenarien zählen die Bildung einer neuen Koalition, eine kurzfristige technokratische Regierung oder vorgezogene Wahlen im Herbst. Als erste Partei empfing Mattarella Vertreter der neo-faschistischen Fratelli d'Italia (Brüder Italiens).

«Die einzige Möglichkeit, eine stabile Regierung zu bilden, besteht darin, Neuwahlen auszurufen», sagte die Vorsitzende der Fratelli d'Italia, Giorgia Meloni, nach dem Treffen mit Mattarella vor Journalisten. Das sei der einzige Weg, um Italien, seinen Interessen, seinem Volk und seiner Verfassung Respekt zu zollen, ergänzte sie.

Bei Neuwahlen kann ihre Partei darauf hoffen, als Bündnispartner der rechtsextremen Lega des bisherigen Innenministers Matteo Salvini an die Regierung zu kommen.

FILE - In this photo taken on Feb. 24, 2018, leader of The League party Matteo Salvini shows a rosary as he addresses a rally in Milan, Italy. For months now, Salvini _ a divorced father of two children by two different women _ has been kissing rosaries, invoking the Madonna and quoting St. John Paul II at political rallies in a bid to rally Italian Catholics behind his nationalist message. (AP Photo/Antonio Calanni)

Lega-Chef Matteo Salvini. Bild: AP

PD bereit für «Regierung der Wende»

Die italienischen Sozialdemokraten (PD) ihrerseits sind bereit, die Möglichkeiten für eine Regierungskoalition mit der populistischen Fünf Sterne-Bewegung zu prüfen. Das bekräftigte Parteichef Nicola Zingaretti am Donnerstag nach seinem Gespräch mit Mattarella. Ein wesentliches Prinzip der neuen Regierung müsse aber die loyale Zugehörigkeit zur EU sein.

«Wir haben dem Präsidenten unseren Willen bekräftigt, für eine neue politische Phase in Italien zu arbeiten», sagte Zingaretti. Er räumte eine gewisse «politische Distanz» seiner Partei zur Fünf Sterne-Bewegung ein, die in den vergangenen 14 Monaten mit der rechtspopulistischen Lega regiert hat. Dennoch sei er bereit, die Möglichkeit eines Regierungsbündnisses zu prüfen.

Sollten die Bedingungen für eine «Regierung der Wende» nicht vorhanden sein, sei der «Partito Democratico» zu vorgezogenen Parlamentswahlen bereit, so der PD-Chef.

Die Fünf-Sterne-Bewegung, die als letzte Partei von Staatschef Mattarella empfangen wurde, schliesst eine Koalition mit der PD nicht aus. Es seien alle notwendigen Unterredungen auf den Weg gebracht worden, um eine «solide Mehrheit» zu finden, sagte Sterne-Chef Luigi Di Maio nach den Beratungen. «Wir lassen das Schiff nicht untergehen.» Mit wem verhandelt wird, liess Di Maio offen.

Alternative Vorschläge

Der frühere Regierungschef und ehemalige EU-Kommissionspräsident Romano Prodi brachte eine weitere Option ins Spiel: Er schlug eine pro-europäische Regierung vor. Bei dieser Option würden sich Fünf-Sterne-Bewegung und PD mit der Forza Italia des früheren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi verbünden.

epa07311627 Former Italian Prime Minister and former President of the EU Commission Romano Prodi (L) is welcomed by European Commission President Jean-Claude Juncker ahead of a meeting at the European Commission in Brussels, Belgium, 23 January 2019.  EPA/STEPHANIE LECOCQ

Ex-Regierungschef Romano Prodi mit dem ehemaligen Chef der Europäischen Kommission Jean-Claude Juncker. Bild: EPA/EPA

Berlusconi seinerseits sprach sich für eine «parlamentarische Mehrheit der Mitte-rechts-Parteien» aus. So könne Italien vor der «gerichtlichen, steuerlichen und bürokratischen Unterdrückung» eines möglichen Links-Bündnisses bewahrt werden. Andernfalls müssten Neuwahlen stattfinden, forderte er.

Die italienische Tageszeitung «La Repubblica» berichtete unter Berufung auf Regierungskreise, dass Staatschef Mattarella so schnell wie möglich einen Ausweg aus der Krise finden wolle. Am Mittwoch hatte sich Mattarella mit den Präsidenten des Senats und der Abgeordnetenkammer beraten.

Mattarella hatte bereits mehrfach darauf gepocht, dass eine Regierung im Amt sein müsse, um im Schuldenstreit mit der EU den Haushaltsplan für 2020 fertigzustellen. Dies wäre auch notwendig, um eine automatische Erhöhung der Mehrwertsteuer im kommenden Jahr zu verhindern.

Spekulationen über mögliche Ministerpräsidenten

Die italienische Presse spekuliert indessen bereits über mögliche Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten. Medienberichten zufolge ist auch möglich, dass erstmals eine Frau zur Regierungschefin ernannt wird.

Weitere Kandidaten, die von der Presse diskutiert werden, sind der Präsident der Abgeordnetenkammer und Fünf-Sterne-Politiker Roberto Fico und der ehemalige Anti-Korruptions-Richter Raffaele Cantone.

Lega-Chef Salvini hatte die Koalition mit der Fünf-Sterne-Bewegung am 8. August platzen lassen. Ein von seiner Partei eingereichter Misstrauensantrag gegen den parteilosen Ministerpräsidenten Giuseppe Conte scheiterte am Widerstand des bisherigen Koalitionspartner der Fünf-Sterne-Bewegung und der sozialdemokratischen PD. Conte trat jedoch am Dienstag zurück. (sda/afp/apa/dpa)

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