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President Donald Trump speaks at the White House, Thursday, Nov. 5, 2020, in Washington. (AP Photo/Evan Vucci)
Donald Trump,NAT Trump

Trump während seiner Rede im Weissen Haus. Bild: keystone

Kommentar

17 Minuten der Schande: Trump hielt die gefährlichste Rede der US-Geschichte

Trumps Auftritt war verstörend. Doch in einem Punkt hatte der Noch-Präsident recht.

Samuel Schumacher / ch media



Was Donald Trump in der Nacht auf Freitag im Weissen Haus sagte, wird in die Geschichte eingehen. Die 17-minütige Ansprache war die mit Abstand gefährlichste Rede, die ein amerikanischer Präsident je gehalten hatte.

Die Highlights von Trumps 17-minütigen Monolog

Video: watson/lea bloch

Weil er mit seinen Anschuldigungen zu vermeintlichen Wahlfälschungen auf seiner Lieblingsplattform Twitter nicht mehr durchkam (der Kurznachrichtendienst zensierte praktisch all seine Nachrichten in den letzten Stunden), kündigte Trump kurzerhand eine Pressekonferenz an. Zwei fatale Unwahrheiten verbreitete er – und eine traurige Tatsache.

>> US-Wahlen: Alle News im Liveticker

Die erste Unwahrheit

Er sei der grosse Sieger dieser Wahl. Schon einen Tag zuvor verkündete Trump voreilig seinen Sieg. Damals noch begleitet von seiner Familie und seinem Vizepräsidenten. Jetzt trat er alleine vors Mikrofon. Es schien, als wollte ihm nicht mal mehr sein Umfeld den Rücken stärken bei seinen Tiraden über «legale und illegale Stimmen». Trump bezeichnete alle Briefwahlzettel in jenen Staaten, in denen er hinten liegt, als «fake».

Damit diskreditierte er Millionen von Wählern, die in den vergangenen Wochen ihr demokratisches Recht per Briefwahl wahrgenommen haben. Zu dieser Wählergruppe gehören übrigens auch die rund 165'000 Amerikaner, die derzeit als Soldatinnen und Soldaten im Ausland stationiert sind. Auch sie haben – gezwungenermassen – per Brief abgestimmt. Trumps Angriff zielte also selbst auf jene Menschen, die ihr Leben für das Land lassen würden, das er grad mit Füssen tritt.

Die zweite Unwahrheit

Korrupte Kreise versuchten, die Wahlergebnisse zu seinen Ungunsten zu fälschen. In Philadelphia (die grösste Stadt im umkämpften Bundesstaat Pennsylvania) würden Wahlhelfer betrügen und den Bürgern ihre Stimmen stehlen. Sie würden Beobachter an ihrer Arbeit hindern und mit den Wahlzetteln machen, was sie wollten. Nichts davon stimmt. Im Gegenteil.

Während Trump sich an den demokratischen Grundfesten seiner Heimat vergriff, arbeiteten in Philadelphia und Hunderten anderen US-Städten Tausende Menschen mit Hochdruck daran, möglichst schnell die verbleibenden Stimmen korrekt auszuzählen, um dem Land rasch ein fair ermitteltes Wahlresultat präsentieren zu können. Diese Menschen, die im Angesicht des mächtigen Sturms still weiter ihre Arbeit verrichten, das sind die Helden der Nacht.

Eine Wahrheit

In einem Punkt aber hatte Trump recht: Die Umfragen zu seinen Wahlchancen lagen meilenweit daneben - wie schon 2016. Sie haben Trump unterschätzt. Böswillig, glaubt der Noch-Präsident. Er bezichtige die Umfrageinstitute der propagandistischen Wählerbeeinflussung.

Ganz falsch liegt er damit nicht. Seine Umfragewerte waren in diversen Staaten, die er letztlich gewann, unterirdisch schlecht. Das dürfte einige Republikaner demotiviert und sie von den Urnen ferngehalten haben. In diesem Punkt ist Trumps Wut auf das System, das ihn allmählich abzuschütteln scheint, verständlich.

Und die Fehleinschätzung

«Als Land können wir uns diese Schande nicht leisten», sagte Trump am Schluss seiner Ansprache. Auch in diesem Punkt hatte er Recht – wenn auch nicht so, wie er glaubte.

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