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Chinesische Arbeiter einer Kohlemine in Huaibei.

Kohle bleibt im weltweiten Trend – zwei Länder tun sich als besonders grosse Sünder hervor

Kohle gilt als klimaschädlichster Energieträger. Doch weltweit wird Kohle noch über Jahrzehnte eine überragende Rolle für die Energieversorgung einnehmen.

Eckart Gienke / dpa



Für die Wissenschaft ist das Verbrennen von Kohle der Klimakiller Nummer eins. Um die Klimaziele von Paris erreichen zu können, dürften ab sofort keine neuen Kohlekraftwerke ans Netz gehen, ermittelte Anfang Juli ein Team der University of California um den Forscher Steven J. Davis.

Angesichts des verbleibenden CO2-Budgets der Menschheit von 420 Gigatonnen gebe es keinen Platz für zusätzliche fossile Infrastruktur. Vielmehr müssten bereits bestehende Kraftwerke schneller stillgelegt werden als bisher. Andernfalls werde sich die Erde weit über die angestrebten Marken von 1,5 oder 2,0 Grad Celsius hinaus erwärmen, mit unabsehbaren Folgen.

Steven J. Davis ist nur einer von vielen Fachleuten, die so oder ähnlich argumentieren. Doch mögen die Ermahnungen und Empfehlungen der Wissenschaftler das Bewusstsein für die Klimaproblematik auch schärfen, so dürften sie doch global wenig bewirken. Kohle wird weltweit noch auf Jahrzehnte ein bedeutender Energieträger bleiben. Das ergeben praktisch alle Prognosen aus der Energiewirtschaft.

Hauptsünder China und Indien

Ein Blick auf die Fakten macht die Dimension der Aufgabe deutlich: Im vergangenen Jahr wurde laut BP-Energiestatistik weltweit Kohle verbrannt, die 3,77 Milliarden Tonnen Öl (tOE) entspricht. Der globale Verbrauch von Kohle stieg im vergangenen Jahr um 1,4 Prozent und damit doppelt so schnell wie im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Noch schneller als der Verbrauch stieg die Produktion von Kohle, um 4,3 Prozent.

Der mit Abstand grösste Produzent und auch Konsument von Kohle ist China, wo mehr als die Hälfte aller Kohle verbraucht wird, gefolgt von Indien mit zwölf Prozent des Weltverbrauchs. Kohle ist der bevorzugte Brennstoff der aufstrebenden Länder Asiens. Drei Viertel der gesamten Kohle weltweit wird im asiatisch-pazifischen Raum verbrannt.

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Kohleabbau in Kolkata: Indien wird seinen Kohleverbrauch in den nächsten 20 Jahren Schätzungen zufolge verdoppeln. bild: shutterstock

«Der Anstieg sowohl bei der Produktion wie auch beim Verbrauch von Kohle geht im wesentlichen auf das Konto von Indien und China», sagt der Chefvolkswirt des Energiekonzerns BP, Spencer Dale. Beide Länder investierten kräftig in erneuerbare Energien und steigerten ihre Stromproduktion aus diesem Bereich um mehr als 25 Prozent. Aber das reichte nicht. Um den wachsenden Strombedarf ihrer Wirtschaft und Bevölkerung zu decken, benötigten Indien und China auch mehr Kohle.

Erneuerbare decken Mehrverbrauch nicht

Und das wird voraussichtlich so bleiben. Die Prognosen der Internationalen Energieagentur (IEA), der Welt-Energierates (WEC), der Energiekonzerne wie BP und ExxonMobil und anderer Experten fallen je nach Szenario und Zeithorizont leicht unterschiedlich aus, kommen aber unter dem Strich zu ähnlichen Ergebnissen. Danach wird sich der Energieverbrauch auf der Welt bis zum Jahr 2040 stark erhöhen, ungefähr um ein Drittel. Das ist der wachsenden Weltbevölkerung und mehr Wohlstand in Asien geschuldet.

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Windkraftwerke im chinesichen Dabancheng werden die fossilen Energieträger in den kommenden Jahrzehnten nicht komplett ersetzen. bild: shutterstock

Die erneuerbaren Energien gewinnen kräftig Marktanteile, können aber nur einen Teil des Zuwachses abdecken. Die fossilen Energieträger, die gegenwärtig 85 Prozent der Weltenergie liefern, bleiben auf Jahrzehnte das Fundament der globalen Energieversorgung, mit einem Anteil von etwa drei Viertel im Jahr 2040.

Der Verbrauch von Kohle wird sich demnach weltweit in den nächsten 20 Jahren kaum verändern. Der Anteil der Kohle sinkt zwar nach den Vorhersagen von heute 27 auf 20 Prozent, aber das ist in absoluten Zahlen ungefähr das gleiche wie heute. Der Verbrauch bleibt nach der BP-Prognose oberhalb von 3,5 Milliarden tOE. Andere Prognosen sehen ein geringes Plus oder Minus. China dürfte es wohl schaffen, seinen Kohle-Konsum zu drosseln, ebenso wie die Industriestaaten der OECD. Doch gleichzeitig wächst der Bedarf in anderen asiatischen Ländern in gleichem Masse.

Asien muss in die Pflicht genommen werden

Der grosse Treiber der kommenden 20 Jahre wird Indien sein, das seinen Kohleverbrauch nach den Schätzungen mehr als verdoppelt. Der staatliche Konzern Coal India ist der grösste Kohleproduzent der Welt mit fast 300'000 Beschäftigten, und er hat seine Weichen auf weitere Expansion gestellt. Das Unternehmen fördert 600 Millionen Tonnen Kohle im Jahr und betreibt mehr als 200 Kohleminen. Regelmässig kommen neue dazu.

China tritt beim Ausbau der Kohleproduktion etwas auf die Bremse, investiert aber in rund 300 neue Kohlekraftwerke in anderen Ländern entlang der neuen Seidenstrasse. Diese Kraftwerke werden 40 Jahre lang laufen und die CO2-Bilanz belasten.

Mit den Forderungen der Klimaforscher passt das alles nicht zusammen. «Wenn der Hebel irgendwo angesetzt werden soll, dann kommt man an China, Indien und Asien insgesamt nicht vorbei», sagt der Energiewirtschaftler Kai van de Loo vom Gesamtverband Steinkohle. «Dort ist wenig zu erkennen, was auf eine Trendwende hindeuten könnte.» (cma/sda/dpa)

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