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epa08488005 People watch breaking news regarding the destruction of the inter-Korean liaison office in Kaesong, on a television at Seoul Station in Seoul, South Korea, 16 June 2020. According to South Korea's Ministry of Unification, North Korea blew up the inter-Korean joint liaison office in the North Korean border town of Kaesong, on 16 June.  EPA/KIM CHUL-SOO

Eine Passantin in Seoul sieht im Fernsehen, wie das Verbindungsbüro gesprengt wird. Bild: keystone

Hat Kims Schwester damit zu tun? 3 Theorien, weshalb Nordkorea die Sprengung anordnete



Was ist passiert?

Die innerkoreanischen Beziehungen haben am Dienstag erneut einen deutlichen Rückschlag erlitten. Nach der Unterbrechung aller Kommunikationsleitungen zu Südkorea hat Nordkorea das erste gemeinsame Verbindungsbüro nahe der Grenze gesprengt.

«Um 14.50 Uhr (Ortszeit) wurde das Verbindungsbüro auf tragische Weise mit einer fürchterlichen Explosion zerstört», berichteten die nordkoreanischen Staatsmedien am Dienstag.

Das Verbindungsbüro galt einst als «Symbol des Friedens». Dessen Einrichtung war ein konkretes Ergebnis des ersten Gipfeltreffens zwischen Moon Jae In und Kim Jong Un im April 2018 gewesen. Sein Zweck war es unter anderem, sich jederzeit über bilaterale Angelegenheiten beraten zu können. Seoul wollte das Büro auch dazu nutzen, um mit Nordkorea über den Abbau von dessen Atomwaffenprogramm zu sprechen. Das Büro war aber zuletzt verwaist.

epa08487618 (FILE) - South Korean and North Korea delegates take part in an opening ceremony for the Inter-Korean liaison office in Kaesong, North Korea, 14 September 2018. (reissued 16 June 2020). According to South Korea's Ministry of Unification, North Korea has blown up the inter-Korean joint liaison office in the North Korean, border town of Kaesong on 16 June.  EPA/KOREA POOL/CHO SUNG-WOO / POOL SOUTH KOREA OUT

Am 14. September 2018 wurde das Verbindungsbüro feierlich eröffnet. Bild: keystone

Doch wieso liess Nordkorea das Büro überhaupt sprengen? Aktuell lassen sich folgende drei Theorien ausmachen. Wobei es möglich ist, dass alle ihren Teil zur Eskalation beitrugen.

Die offizielle Erklärung Nordkoreas

Mit der drastischen Massnahme auf eigenem Boden machte die international isolierte Führung in Pjöngjang ihrem Unmut über eine neue Propagandaflugblatt-Aktion südkoreanischer Aktivisten Luft. So lautet zumindest die offizielle Begründung Pjöngjangs für ihr Vorgehen.

Die Zerstörung des Büros zeuge von der Wut der Nordkoreaner, hiess es in den nordkoreanischen Berichten in Anspielung auf die Flugblattkampagne südkoreanischer Aktivisten und nordkoreanischer Flüchtlinge. Ziel sei es gewesen, «menschlichen Abschaum und solche, die dem Abschaum Schutz bieten, für ihre Verbrechen zahlen» zu lassen.

Nordkorea hatte zuvor schon die Telefon- und Faxleitungen zum Süden gekappt und mit dem Abbruch aller Kontakte sowie mit weiteren Vergeltungsmassnahmen gedroht. Pjöngjang wirft der Regierung in Seoul vor, die Propaganda-Aktionen, bei der an der Grenze Ballons mit Flugblättern mit Kritik an der autokratischen Führung in Pjöngjang in Richtung Norden geschickt werden, zu tolerieren. Zuletzt hatten die Gruppen Ende Mai etwa 500'000 Flugblätter losgeschickt.

epa08464208 (FILE) - Members of Fighters for Free North Korea, an organization of defectors from North Korea, send balloons carrying anti-Pyongyang leaflets across the border from the South Korean border city of Paju South Korea, 02 April 2016 (reissued 04 June 2020). South Korea called for a halt to a civic campaign to send anti-Pyongyang propaganda leaflets into North Korea, hours after the North threatened to scrap a military tension reduction agreement and exchange projects unless Seoul stops the campaign.  EPA/YONHAP SOUTH KOREA OUT

Südkoreanische Aktivisten lassen in der Grenzstadt Paju Ballone mit Infoblättern steigen. Bild: keystone

Kim Yo Jong wird in Stellung gebracht

Ein weiterer Grund könnten interne Machtverschiebungen sein. Es scheint, als ob Kim Jong Uns Schwester immer mehr zu sagen hat. Bereits am Samstag hatte Kim Yo Jong mit einer Militäraktion gegen den Süden gedroht. «In Kürze wird eine tragische Szene des komplett eingestürzten, nutzlosen Nord-Süd-Verbindungsbüros zu beobachten sein», liess die 32-Jährige verlauten. Am Dienstag liess Pjöngjang den Worten Taten folgen.

Kim Yo Jong fiel in den vergangenen Tagen durch einen scharfen Ton gegenüber Südkorea auf. Vor kurzem sagte sie dem Zentralorgan «Rondong Sinmun»: «Ich spüre, es ist höchste Zeit, mit den südkoreanischen Behörden zu brechen.» Zudem hetzte sie auch gegen Überläufer und südkoreanische Aktivisten. Sie bezeichnete diese als «menschlichen Abschaum», «ekelhaftes Gesindel» oder «Strassenköter».

epa08487862 (FILE) North Korea's leader Kim Jong-un's sister Kim Yo Jong holds a bouquet of flowers during a welcoming ceremony at the Presidential Palace in Hanoi, Vietnam, 01 March 2019 (reissued 16 June 2020).  North Korea has blown up its joint liaison office with the South near the border town of Kaesong, it was reported 16 June 2020. Kim Yo-jong had threatened to demolish the office in a statement at the weekend.  EPA/LUONG THAI LINH / POOL

Kim Yo Jong wird im Machtapparat immer wichtiger. Bild: keystone

Wie das in der Regel gut informierte Portal Daily NK schreibt, versucht das Regime in Pjöngjang, Kim Yo Jong Respekt zu verschaffen. In der Bevölkerung und im Partei-Kader. Im Gegensatz zu ihrem Bruder hat Kim Yo Jong keinerlei Erfahrung im militärischen Bereich. Nun soll sie durch sogenannte «revolutionäre Errungenschaften» in Stellung gebracht werden, um die Geschäfte ihres Bruders zu übernehmen, falls sich dessen Gesundheit weiter verschlechtert.

Im April dieses Jahres gab es Berichte, wonach Kim Jong Un am Herzen operiert wurde. Während Wochen war er von der Bildfläche verschwunden, ehe er anfangs Mai wieder auftauchte. Wie es Kim Jong Un derzeit geht, oder ob er bereits abgelöst wurde, kann derzeit nicht gesagt werden.

Wie die «Daily NK» weiter schreibt, müssen die Aktionen nicht unbedingt bedeuten, dass bereits eine Machtablösung stattfindet. Es kann auch sein, dass sich Kim Jong Un nur auf ein solches Szenario vorbereitet. Desweiteren solle Kim Yo Jong nur vorübergehend die Zügel in die Hand nehmen, bis Kim Jong Uns zwölfjähriger Sohn die Nachfolge antreten kann.

Aufbrechen der Sanktionen

Ein dritter Grund, weshalb Nordkorea das Gebäude gesprengt hat, dürften die internationalen Sanktionen sein, unter denen das Land momentan leidet.

«Nordkorea ist dabei, Spannungen zu erzeugen», schreibt etwa Experte Jean H. Lee vom Wilson Center in den USA auf Twitter. «Pjöngjang leidet unter beissenden internationalen Sanktionen und versucht, Seoul dahin zu treiben, die von den USA angeführte Sanktionskampagne zu durchbrechen.»

Seit dem gescheiterten Gipfeltreffen zwischen Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump im Februar 2019 in Vietnam kommen die bilateralen Nuklearverhandlungen nicht mehr voran.

Zudem dürfte die Coronakrise das abgeschottete Land stärker getroffen haben, als die Regierung zugibt. Mit dem aggressiven Auftreten soll nun Bewegung in die Verhandlungen kommen.

FILE - In this Feb. 28, 2019 file photo, U.S President Donald Trump, right, and North Korean leader Kim Jong Un take a walk after their first meeting at the Sofitel Legend Metropole Hanoi hotel, in Hanoi, Vietnam. North Korea's state TV on Wednesday, March 6, 2019, has aired a documentary glorifying leader Kim's recent visit to Vietnam that omitted the failed nuclear negotiations with Trump. (AP Photo/Evan Vucci, File)

Die Beziehungen haben sich verschlechtert: Kim Jong Un und Donald Trump im Februar 2019 in Hanoi. Bild: AP/AP

Droht eine weitere Eskalation?

Ja, das ist nicht auszuschliessen. Das Vorgehen Pjöngjangs provozierte eine erste deutliche Warnung Südkoreas. «Falls Nordkorea weitere Schritte unternimmt, um die Situation zu verschärfen, werden wir strikt darauf reagieren», erklärte das Präsidialamt in Seoul nach einer Dringlichkeitssitzung des Nationalen Sicherheitsrats.

Nordkorea seinerseits drohte damit, bereits «entmilitarisierte» Zonen an der Grenze wieder mit Soldaten zu besetzen. Es würden Pläne der Regierung und der Arbeiterpartei geprüft, wonach die Armee wieder in Zonen vorstossen könne, die unter dem Abkommen zwischen den beiden Ländern entmilitarisiert worden seien, wurde der Generalstab von den staatlichen Medien zitiert. (cma/sda/dpa)

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