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Threema, Telegram und WhatsApp: Drei Messenger-Apps, die vom sogenannten Islamischen Staat zur verschlüsselten Kommunikation empfohlen werden. 
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Threema-Gründer: «Massenüberwachung bietet höchstens eine Scheinsicherheit»

Die Schweizer SMS-App Threema ist von der «SonntagsZeitung» als Terroristen-App abgestempelt worden. Nun äussert sich Mitgründer Martin Blatter zu den Vorwürfen. 



Die Titel waren unmissverständlich: «Terroristen benutzen Schweizer SMS-Dienst» und «Die Terrormiliz IS verschickt Nachrichten über Server in der Schweiz». Diese Vorwürfe der «SonntagsZeitung» können zwar in den zugehörigen Artikeln nicht belegt werden, sind aber trotzdem unangenehm für das Schweizer Startup Threema, über dessen App Nutzer Chat-Nachrichten verschlüsselt und ungespeichert austauschen können. Die «SonntagsZeitung» behauptete auch, dass Schweizerische Sicherheitsbehörden bei Threema um Herausgabe von Daten gebeten, diese jedoch nicht erhalten hätten. Ob die angeblichen Anfragen in Zusammenhang mit einer Terror- oder allenfalls «IS»-Ermittlung standen, führte die «SonntagsZeitung» nicht weiter aus.

Martin Blatter

Der 40-Jährige hat 2013 zusammen mit Silvan Engeler und Manuel Kasper die End-zu-End-Verschlüsselungs-App Threema lanciert. Die Messenger-App, die keinerlei Informationen über ihre Nutzer oder deren Interaktionen anfordert oder speichert, ist verschiedentlich von islamistisch-extremistischen Organisationen empfohlen worden

Nach einer Gegendarstellung, in der Threema die Kernpunkte der «SonntagsZeitungs»-Artikel dementiert, äussert sich Threema-Mitgründer Martin Blatter ausführlicher zu den Vorwürfen*: 

Herr Blatter, Ihre App ist dieses Wochenende quasi als bevorzugtes Kommunikationsmittel von Terroristen abgestempelt worden. Wahr oder falsch? 
Es gibt keinerlei Beweise, dass Threema zu diesem Zweck missbraucht wurde. Threema wird in erster Linie von Millionen ehrlicher Bürger benutzt, die ihr Recht auf Privatsphäre wahrnehmen möchten. Die verschlüsselte Kommunikation ist in totalitären Staaten für Dissidenten oder Angehörige religiöser oder sexueller Minderheiten oft die einzige Möglichkeit, Vertrauliches auszutauschen.  

Dennoch verlangen die Geheimdienstler, allen voran CIA-Chef John Brennan, dass Anbieter von Verschlüsselungstechnologien, ihre Codes gegenüber Geheimdiensten und Strafverfolgern offenlegen.
Das können die gerne verlangen. Aber letztlich handelt es sich bei den aktuellen Ereignissen um globale politische und gesellschaftliche Probleme, die an der Wurzel gelöst werden müssen. Massenüberwachung bietet höchstens eine Scheinsicherheit, denn Täter werden immer einen Kommunikationsweg finden. Das kann auch eine einfache Postkarte mit codiertem Text in Form von unverdächtigen Feriengrüssen sein. 

«Es ist wohl ein schweizerisches Phänomen, dass man die eigenen Erzeugnisse schlecht macht. Wieso auch immer.»

Auch aus Imagegründen hat die in England angeprangerte Chat-App Telegram angekündigt, verdächtige Gruppenchats auszusortieren und zu sperren. Wäre das bei Threema nicht auch möglich? 
Nein. Threema hat keine öffentlichen Kanäle wie Telegram. Der Fall ist deshalb nicht vergleichbar. Die Verschlüsselung von Threema erlaubt es nicht, Inhalte zwischen Sender und Empfänger zu entschlüsseln und so eine Unterscheidung zwischen «guten» und «bösen» Nachrichten vorzunehmen. 

Das ist vielleicht auch ein Grund, warum Threema als besonders «terroristenfreundliche» App, gebrandmarkt wird. 
Nur hierzulande. In den USA wird iMessage von Apple als von terroristischen Organisationen bevorzugte Messenger-App kritisiert. Es ist wohl ein schweizerisches Phänomen, dass man die eigenen Erzeugnisse schlecht macht. Wieso auch immer.

Wie sehr schadet Ihnen die aktuelle Berichterstattung? 
Wir haben die fraglichen Medien um Berichtigung gebeten, da die wesentlichen Punkte in den Artikeln, inklusive der Schlagzeilen, faktisch falsch sind und nicht den Tatsachen entsprechen. Direkt finanzielle Auswirkungen hat die Berichterstattung nicht. Threema ist eigenfinanziert​, da gibt es also keine Investoren, die deswegen abspringen könnten. 

* Threema-Mitgründer Martin Blatter hat die Fragen schriftlich beantwortet.

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