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epa08540264 A Bosnian Muslim woman pray during the funeral in the Potocari Memorial Center, Srebrenica, Bosnia and Herzegovina, 11 July 2020, where 9 newly-identified Bosnian Muslims.The burial was part of a memorial ceremony to mark the 25th anniversary of the Srebrenica genocide, considered the worst atrocity of Bosnia's 1992-95 war. More than 8,000 Muslim men and boys were executed in the 1995 killing spree after Bosnian Serb forces overran the town.  EPA/FEHIM DEMIR

Eine bosnisch-muslimische Frau auf dem Areal der Gedenkstätte. Bild: keystone

«Die Trauer sitzt immer noch tief» – Gedenken an Völkermord von Srebrenica vor 25 Jahren



Bei einer Trauerfeier in der Opfergedenkstätte Potocari haben Bosnien-Herzegowina und politische Vertreter aus aller Welt des Massakers von Srebrenica vor 25 Jahren gedacht.

Hinterbliebene der Opfer, bosnische Spitzenpolitiker und ausländische Diplomaten legten Blumen am Denkmal nieder. Hohe ausländische Staatsgäste konnten wegen der Corona-Pandemie nicht kommen – dafür gab es Video-Botschaften, etwa von UN-Generalsekretär António Guterres, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, dem deutschen Bundespräsidenten Walter Steinmeier und US-Aussenminister Mike Pompeo.

Die Bundesräte Simonetta Sommaruga und Ignazio Cassis haben am Gedenktag des Massakers von Srebrenica vor 25 Jahren an die über 8000 Opfer erinnert.

Das sagt die Schweizer Bundespräsidentin

Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga sprach am Samstag via Videobotschaft an einer Gedenkfeier zum Völkermord in Srebrenica. Eine solche Gräueltat dürfe sich niemals wiederholen. «Es ist ein Vierteljahrhundert vergangen seit dem Massaker von Srebrenica», so Sommaruga in ihrer Ansprache auf Englisch. «Die Trauer sitzt immer noch tief». Sommaruga gedachte den über 8000 Opfern sowie all jenen, die zurückgelassen wurden. Es sei wichtig, mit der Aufarbeitung der Geschehnisse und der Wahrheitssuche weiterzumachen. «Die heutige Gedenkfeier ist ein erneuter Aufruf an uns alle, dafür zu sorgen, dass sich solche Gräueltaten niemals wiederholen können.»
Jeder Staat müsse seine Aufgabe wahrnehmen, seine gesamte Bevölkerung zu schützen. Dies sei nur möglich, wenn Toleranz, der Respekt für Minderheiten und die Rechtsstaatlichkeit gefördert würden.​

Bei dem Massaker im ostbosnischen Srebrenica waren vom 11. Juli 1995 an etwa 8000 muslimische Männer und Jungen von bosnisch-serbischen Verbänden ermordet worden. Die im Bosnienkrieg (1992-1995) verübte Gräueltat gilt als der erste Völkermord auf europäischem Boden seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945.

Die Vorsitzende des Opferverbandes Mütter von Srebenica, Munira Subacic, forderte auf der Gedenkfeier Gesetze in Bosnien, die die Leugnung des Völkermords unter Strafe stellen. «Ohne Wahrheit und Gerechtigkeit gibt es keinen Frieden», sagte sie.

Das Internationale Jugoslawien-Tribunal in Den Haag (ICTY) verurteilte die zwei Hauptdrahtzieher des Massakers, den damaligen bosnisch-serbischen Präsidenten Radovan Karadzic und den damaligen bosnisch-serbischen Armeeführer Ratko Mladic wegen Völkermords zu langen Haftstrafen. Spitzenpolitiker im serbischen Landesteil von Bosnien, der Republika Srpska, leugnen den Genozid bis heute.

Internatinonale Gemeinschaft machte sich mitschuldig

Auch Bundesrat Ignazio Cassis äusserte sich am (heutigen) Gedenktag in einem Gastkommentar in der «Neuen Zürcher Zeitung». Die kollektive Trauerverarbeitung durch die strafrechtliche Verfolgung der Täter sei von grosser Bedeutung.

Diese schaffe Gerechtigkeit für die Opfer und ermögliche die kollektive Auseinandersetzung mit dem Geschehenen. Deshalb setze sich die Schweiz mit Nachdruck dafür ein, dass die Unabhängigkeit der internationalen Strafjustiz gewährleistet bleibt.

Mitschuldig habe sich aber auch die internationale Gemeinschaft gemacht, die passiv zugeschaut habe, wie eine vielfältige Gesellschaft in Europa gewaltsam gespalten worden sei, so der Aussenminister. Das Massaker sei deshalb auch ein Mahnmal für die Mitverantwortung der internationalen Gemeinschaft.

Der Aufarbeitungsprozess sei auch für die Schweiz von grosser Bedeutung, da sie gesellschaftlich und geografisch eng mit dem Westbalkan verbunden sei. Rund eine halbe Million Menschen mit Wurzeln in dieser Region lebten heute «bei uns und mit uns», schreibt Cassis. Es sei deshalb im Interesse der Schweiz, einen Beitrag an die Stabilität und die Entwicklung der Region zu leisten.

Die Schweiz hat bereits mehrere mutmassliche Kriegsverbrecher an ihren Heimatstaat ausgeliefert.

(sda/dpa)

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26Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • rodolofo 12.07.2020 09:30
    Highlight Highlight Srebrenica ist ein Mahnmal dafür, was überall und jederzeit passieren kann, wenn Militarismus, Kultur-Rassismus und Chauvinismus die vergifteten Voraussetzungen dafür schaffen!
    In Srebrenica waren die Opfer muslimische Bosnier.
    In einer bald vergessenen Zeit waren die Opfer Juden, "Zigeuner", Kommunisten, oder Armenier.
    In all diesen Völkermorden und "Umerziehungen" wurden Kultur, Religion und Tradition über das Mensch sein gestellt.
    Und so liegt die Lösung darin, das gemeinsame Mensch sein, ja LEBEWESEN sein, immer wieder neu zu entdecken und dabei von KLEINKINDERN das WICHTIGSTE zu lernen.
  • idontevencaretbh 11.07.2020 22:43
    Highlight Highlight Jedes Jahr bin ich überrascht und enttäuscht, wie wenig Aufmerksamkeit das Kriegsverbrechen in Srebrenica am Jahrestag in den Medien und der Öffentlichkeit erhält. Schliesslich handelt es sich um das schlimmste europäische Kriegsverbrechen seit dem zweiten Weltkrieg.
  • Wolk 11.07.2020 19:45
    Highlight Highlight Danke für den Artikel. Wir müssen dies solange wiederholen, bis es alle wissen. Geschichte ist keine Glaubensfrage.
  • Bivio 11.07.2020 18:47
    Highlight Highlight Das Erschreckenste ist nicht mal das Massaker selber. Was mich zutiefst verstört, ist die Tatsache, dass sich dieses Massaker vor den Augen der Weltöffentlichkeit abgespielt hat. Die UN Blauhelme haben sogar noch geholfen, die Leute auf die LKWs zu verfrachten.
    Europa war und ist immer noch nicht in der Lage bzw. gewollt, Verbrechen gegen die Menschliechkeit auf dem eigenen Kontinent zu verhindern. Geschweige denn, irgendwo anders in der Welt.
    Das Makabere ist, dass jetzt all die Länder, welche dies verhindern konnten aber nichts taten, heute geschwülstige Reden schwingen.
    • Nickname "Nickname" 11.07.2020 19:24
      Highlight Highlight Ja, die Blauhelm-Soldaten aus Holland haben sozusagen die Türe geöffnet...und niemant tat etwas dagegen. Und es gibt tatsächlich Menschen, die bis heute diese Kriegsverbrecher verehren... zum Kotzen.
    • rodolofo 12.07.2020 09:37
      Highlight Highlight Dazu muss man wissen, dass ein grosser Teil der Länder in der Europäischen Union rechtsnationalistisch beherrscht ist, oder zumindest einen sehr starken rechtsnationalistischen Anteil an EU-Parlamentariern hält!
      Diese Leute betonen die nationale Souveränität und damit auch die Nichteinmischung in die "inneren Angelegenheiten" eines anderen Staates!
      Dass solche "Inneren Angelegenheiten" anderer Staaten dann sehr schnell auch zu "Europäischen Angelegenheiten" werden können, zeigten die Balkan-Kriege und später -noch drastischer- der Syrien-Krieg...
      Alles hängt eben mit Allem zusammen.
    • Bivio 12.07.2020 16:50
      Highlight Highlight @rodolofo
      Da kann ich Dir nicht zustimmen. Auch linke Länder wollen sich nicht einmischen, wenn auch aus anderen Gründen.
      Diese schwingen zwar alle schöne Reden bezüglich Menschenrechte usw. Jedoch wenn es darauf ankommt diese halt auch allenfalls militärisch durchzusetzen ziehen sie den Schwanz ein. Da gibt es keinen Unterscheid zwischen links od. rechts. Eher in der allgemeinen Haltung ob man gewillt ist auch militärisch zu intervenieren. Diplomatie kann oft nur bis zu einem bestimmten Punkt gehen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Stefan Morgenthaler-Müller 11.07.2020 18:13
    Highlight Highlight Während dem WM Fussballspiel Serbien-Schweiz haben Serbische Fans "Nož, žica, Srebrenica" (Messer, Stacheldraht, Srebrenica) gesungen. Nebst dass da auf der Tribüne Leute sassen, die T-Shirts von den Kriegsverbrechern Mladić unf Karadžić trugen.

    Einerseits wird von führenden serbischen Politikern und serbischen Medien der Genozid an 8'000 Bosniaken geleugnet oder kleingeredet und andernseit verhöhnt man die Opfer und ihre Familien mit Liedern, die den Genozid feiern.

    Serbien sollte seine Vergangenheit aufarbeiten. Noch heute laufen da Tausende Vergewaltiger und Mörder frei herum. Warum?
    • Klaus & Klaus 11.07.2020 18:54
      Highlight Highlight Jep und gleichzeitig heulen die Serben aber rum, weil sie in der Presse schlecht wegkommen. Sei es nun wegen Djokovic, seinem Vater, die Unfähigkeit mit Corona umzugehen, die Kosovo-Geschichte, die Gewalt beim Fussball oder sonstigen Krawallen. Extrem unzivilisiert in so vielen Dingen, aber lieber im Stolz gekränkt sein und sich dann aber wundern, wenn einem die Sympathiepunkte nicht aus aller Welt zufliegen. Ziemlich verdrehte Wahrnehmung...🤷🏻‍♂️🙄
    • Pipikaka Man 11.07.2020 20:37
      Highlight Highlight @ Klaus & Klaus, Irgendwie ist hier Serbien-Bashing Standard. Solche Kommentare werden gerne Freigeschaltet, aber wenn Kritik geäussert wird an denen die gegen Serbien verwickelt waren (speziell Albaner), wird es nicht freigeschaltet. Hier kann man Serben unzivilisiert bezeichnen, aber wenn man mit tausend guten und belegten Gründen dies bei Albanern macht, wird es nicht freigeschaltet. Und nein, ich mag keine Seite und distanziere mich von jeder hier, als gut zivilisierter Schweizer. Mich nervts das so ein Kommentar gegen andere nicht freigeschaltet wird, bei es bei anderen erlaubt ist.
    • Stefan Morgenthaler-Müller 11.07.2020 22:33
      Highlight Highlight @K&K. Mein Kommentar kam mir schon sehr polemisch vor, Ihrer hat meinen noch ums Vielfache getoppt.

      Man sollte nie alle über einen Kamm scheren. Man kann nicht Menschen wie Insekten in Gruppen einteilen und dann sagen, die sind gut oder böse.
    Weitere Antworten anzeigen
  • JefftheBeff 11.07.2020 18:07
    Highlight Highlight Eine Schande war das. Ich kann mich noch gut erinnern, wie tagtäglich in den Nachrichten darüber berichtet wurde. Schreckliche Bilder waren das. Und wir haben nur zugeschaut, wie Abertausende von Menschen von den bosnisch serbischen Milizen kaltblütig umgebracht wurden. Leider gibt es noch solche, die behaupten, dies sei alles nur amerikanische Propaganda gewesen. Diejenigen, die diese Grausamkeit von damals abstreiten, sollten sich in Grund und Boden schämen.
  • Nickname "Nickname" 11.07.2020 17:58
    Highlight Highlight Ein Besuch im Srebrenjca-Museum in Sarajevo, sobald wieder möglich, lohnt sich. Es lies mich erschaudern, zumal ich mich vorher nicht für diesen Genozid interessiert habe, bzw. die Details kannte.
    • Tobias K. 11.07.2020 18:13
      Highlight Highlight So etwas ist immer sehr eindrücklich. Die Stimmung drückt einen regelrecht in den Boden. Als könnte man den Schmerz und die Boshaftigkeit spüren. Ging mir so in Auschwitz.
    • Nickname "Nickname" 11.07.2020 23:05
      Highlight Highlight Ditto Buchenwald
    • Julian67 12.07.2020 00:03
      Highlight Highlight Für dich würde sich ein Besuch im KZ Jasenovac lohnen. Öffnet evtl. den Horizonz. Tip: Einfach Googeln.

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