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Polit-Grösse Son-Forget als Darth Vader.  bild: twitter StayForgeted‏

Macrons Mann in der Schweiz tickt völlig aus – und wir amüsieren uns prächtig (in 5 Akten)

Joachim Son-Forget war im französischen Parlament eines der Aushängeschilder von Macrons République en Marche. Nun stolpert der Vertreter der in der Schweiz lebenden Franzosen über eine Reihe Tweets, die – je nach Auffassung – sexistisch, hämisch oder amüsant sind. Ein «Drama».



Für einige ist er der Harry Potter der Politik, der Jedi des französischen Polit-Parketts. Für andere ein Sexist, der nicht mehr ganz bei Sinnen ist: Joachim Son-Forget, Vertreter der in der Schweiz lebenden Franzosen im Parlament.

Medien aus ganz Frankreich berichteten seit einer Woche ausführlich über den Fall Son-Forget. Und als sich auch das Schweizer Fernsehen RTS für ihn interessierte, kreuzte Son-Forget mit Harry Potter-Schal beim Interview auf. Ein Insider-Witz zwischen ihm und seinen Anhängern. 

Doch fangen wir von vorne an. 

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Harry Potter. Oder doch nicht? bild:Screenshot rts

1. Akt: Der Mini-Macron

Joachim Son-Forget (35) ist so etwas wie der «Mini-Me» von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Sein Werdegang erinnert stark an jenen des Wunderknaben Macron. Bereits in jungen Jahren sitzt Son-Forget in hohen politischen Ämtern, ist eloquent und ehrgeizig. Er hält einen ETH-Doktortitel in Neurowissenschaften, arbeitet am Universitätsspital in Lausanne als Radiologe. 2016 schliesst er sich der Bewegung En Marche an – bei den Sozialdemokraten war er zuvor nicht glücklich geworden. 

Ein Jahr später wählen die Auslandfranzosen in der Schweiz und Liechtenstein Son-Forget mit überragenden 75 Prozent der Stimmen in die Nationalversammlung in Paris. Da war er 33. Ein fulminanter Aufstieg: Son-Forget war als Kind in den Strassen Seouls ausgesetzt und von einer französischen Familie adoptiert worden.

2. Akt: Trump aka «alter Knacker»: «La France kisses your ass»

Doch seit einigen Wochen fallen besonders Son-Forgets Twitter-Aktivitäten auf. Dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump warf er Anfang Dezember unter anderem «zerebrale Inkontinenz» vor und verlangte vom «alten Knacker», dass dieser Frankreich nie wieder beleidige. Es folgte der erste grosse Shitstorm.

3. Akt: Die Sexismusvorwürfe

Kurz vor Weihnachten, am 23. Dezember, schlug Son-Forget abermals wütend in die Tasten. Dieses Mal nahm er die grüne französische Senatorin Esther Benbassa ins Visier und kritisierte sie für die Schminke, die sie in seinen Augen zu dick aufträgt, womit sie sich selbst karikiere. Es folgte der zweite grosse Shitstorm. Und dieser fiel um einiges heftigerer aus als der erste. Es scheint, Trump wollten deutlich weniger Franzosen Rückendeckung geben.

Son-Forget wurde auf Twitter umgehend mit Sexismusvorwürfen eingedeckt. Auch im Parlament, sogar aus dem eigenen Lager, wurde heftige Kritik laut. Benbassa ihrerseits brachte seine Attacke in Zusammenhang mit den #MeToo-Skandalen. Son-Forget entgegnet, die Sache mit der Schminke empfänden nur Sexisten als sexistisch. Schminke habe nichts mit der körperlichen Erscheinung von jemanden zu tun.

Son-Forget wollte mit dem Tweet eigentlich Brigitte Macron in Schutz nehmen. Benbassa hatte die Frau des Präsidenten Emmanuel Macron in der Zeitung «Le Monde» für eine Aussage über die «Gilets jaune»-Bewegung kritisiert, weil Brigitte Macron das Auftreten der Gelbwesten-Bewegung als «gewalttätig» und «vulgär» bezeichnete. «Ist die Arroganz der Reichen und Mächtigen mit ihren weissen Zähnen nicht auch vulgär?», griff Benbassa Brigitte Macron im Interview mit «Le Monde» an.

4. Akt: Ein unverstandenes Genie?

Unabhängig davon, was man vom Benbassa-Tweet hält, ein Blick auf Son-Forgets-Twitter-Profil lohnt sich allemal. Der Politiker hat es sich zum Hobby gemacht, ständig etwas absurde Kurznachrichten und Fotos zu teilen. Das sieht dann in etwa so aus: 

«Am Ende wird der Kampf sowieso mit dem Laserschwert entschieden.»

Neben den Kritikern feiern aber auch abertausende Menschen Son-Forget für seine satirischen Tweets und die Tatsache, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt.

Auf die Kritik eines falschen Twitter-Kontos von Claire Underwood (House of Cards) antwortet er kurzerhand sarkastisch: «Muss ich Sie daran erinnern, dass Sie niemand sind?» Resultat: tausende Twitter-Herzchen.  

Zeitweise trendete sogar der Hashtag #sonforget2022 auf Twitter, also ein Aufruf für Son-Forget für die Präsidentschaftswahl Frankreichs. Während ein paar Stunden war ausserdem auf Wikipedia zu lesen, Son-Forget sei Abgeordneter und Twitter-Held. Ob der Politiker selbst hinter der neuen Berufsbezeichnung steckt, ist nicht bekannt. Jedenfalls hat er einen entsprechenden Screenshot retweetet. Inzwischen ist die Angabe aber wieder von der Online-Enzyklopädie verschwunden.

Hier eine Auswahl seiner Tweets:

«So sieht es hinter der Revolution aus.»

Son-Forgets neues Profilbild

«Ich bin ein Animagus wie Sirius Black»

Nicht sexistisch, sagen seine Anhänger.

5. Akt: Von seiner Partei supendiert

Für die République en Marche wurde es nun nach knapp einer Woche zu viel: Fraktionschef Gilles Le Gendre distanzierte sich öffentlich von seinem Kollegen und dessen «sexistischen und vulgären» Ansichten. Die Partei suspendierte ihn und pochte auf eine Aussprache Anfang Januar.  

Son-Forget hielt das nicht davon ab, im gleichen Stil munter weiter zu twittern. Und er scheint ein gewaltiges Ego zu haben: Am Wochenende kündigte er seinen Rücktritt aus der Partei an. Er sei nicht hier, um zusammengestaucht zu werden (Tweet weiter unten). Das habe er auch Präsident Macron per SMS mitgeteilt.

Aus der Politik will sich Son-Forget aber nicht verabschieden. Am Montag gab er bekannt, er wolle nun eine eigene Bewegung gründen. 

Son-Forget zitiert einen bekannten Gangsta-Rapper

«Er kam wie ein König und geht als Legende»

Diese Bilder empören Frankreich

Video: srf

«l’acte 4»: Massenproteste der Gelbwesten in Paris

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«L’acte 4»: Massenproteste der «Gelbwesten» in Paris
quelle: epa/epa / christophe petit tesson
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