International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Police stand by a missile seized at an airport hangar near Pavia, northern Italy, following an investigation into Italians who took part in the Russian-backed insurgency in eastern Ukraine, in Turin, Italy, Monday, July 15, 2019. Police in northern Italy have detained three men, including one tied to a neo-fascist Italian political party, after uncovering a huge stash of automatic weapons, a missile and Nazi propaganda. (Tino Romano/ANSA via AP)

Die knapp vier Meter lange Luft-Luft-Rakete, die Anfang Woche in der Nähe von Turin beschlagnahmt wurde. Bild: AP

Eine Geschichte wie ein Agenten-Krimi: Salvini, die Rakete und ein Ex-Ruag-Mitarbeiter

Gewehre, Munition und eine knapp vier Meter lange Luft-Luft-Rakete wurden Anfang Woche im Dunstkreis des rechtsradikalen Milieus Norditaliens gefunden. Drei Personen wurden bis anhin verhaftet, darunter ein Schweizer, der jahrelang für die Schweizer Rüstungsindustrie tätig gewesen sein soll.



Die Geschichte könnte der Feder von Ian Fleming entsprungen sein. Nur ein James Bond fehlt bis jetzt noch. Sonst ist alles dabei: Bösewichte, Waffenhandel und ein hoher Politiker, der behauptet, man wolle ihn umbringen. Aber der Reihe nach. Als die italienische Polizei Anfang Woche stolz vor einer Luft-Luft-Rakete posierte, die sie in einem Hangar in der Lombardei sichergestellt hatte, ging es nicht lange und der italienische Innenminister Matteo Salvini meldete sich zu Wort.

Die Rakete sei für ihn gedacht gewesen, eine ukrainische Gruppierung trachte ihm nach dem Leben. Und weiter: Er habe der Polizei persönlich den Hinweis mit der Rakete gegeben und sei froh, dass er mit dem Hinweis helfen konnte.

epa07718571 Italian vice president and interior minister Matteo Salvini talks to journalists about the meeting with the Union and Association in Rome, Italy, 15 July 2019.  EPA/MAURIZIO BRAMBATTI

Will den Fahndungserfolg auf sein Konto verbuchen: Italiens Innenminister Matteo Salvini. Bild: EPA

Diese Aussage darf jedoch angezweifelt werden, zumal die «Digos», die zuständige Einheit der italienischen Polizei, bei den Ermittlungen keine Beweise für ein geplantes Attentat auf Salvini fanden. Dies schreibt der «Tages-Anzeiger».

Fakt ist, dass rechtsextreme Italiener, die verdächtigt werden, in der Ostukraine auf Seite pro-russischer Rebellen gekämpft zu haben, in den Waffenfund verwickelt sind. Und dass Fabio Del Bergiolo (60), ehemaliger Zollbeamter und bekennender Nationalsozialist, versucht hat, die Luft-Luft-Rakete über WhatsApp zu verkaufen. Del Bergiolo wurde verhaftet. Und mit ihm die zwei Betreiber des Hangars, in dem die Rakete gefunden wurde.

Stammt Rakete aus Ruag-Kontakten?

Besonders brisant: Einer der beiden Hangar-Betreiber ist der 42-jährige Schweizer Alessandro M. Zusammen mit seinem Geschäftspartner repariert und vermarktet er in besagtem Hangar Kleinflugzeuge. Eine Firma, die laut Recherchen der WOZ so auch in der Schweiz existiert. So weit, so gut. Jedoch soll Alessandro M. von 2010 bis 2013 für den Schweizer Rüstungskonzern Ruag tätig gewesen sein. Die Firma bestätigt auf Anfrage der WOZ, «dass eine Person mit diesem Namen» bei ihnen gearbeitet habe.

ARCHIV - ZUR EINREICHUNG DER KORREKTUR-INITIATIVE STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - 9-Millimeter-Patronen laufen am Donnerstag, 25. Juli 2002 in Thun in der Munitionsabteilung des Ruestungskonzerns Ruag, der Ruag Munition, durch den Fabrikationsprozess. Die Ruag kuendigte am Donnerstag an, dass sie von der Deutschen Dynamit Nobel 80 Prozent der auf Kleinkalibermunition spezialisierten Dynamit Nobel Ammo Tec uebernommen hat. Das aus dieser und der Ruag Munition bestehende Unternehmen soll Ruag Ammotec heissen.  (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Vor allem Munition soll die Ruag fleissig in den Golfstaat Katar liefern. Bild: KEYSTONE

Nun stellt sich die Frage: Hat das ehemalige Arbeitsverhältnis mit der Ruag etwas mit der gefundenen Rakete zu tun? Zumal die Rakete aus dem Golfstaat Katar stammt, einem Kunden der Ruag, so die WOZ weiter. Es ist – und bleibt vorerst – ein gefährliches Indizien-Raten, da sowohl die Ruag wie auch alle von der WOZ angefragten Behörden – Bundesanwaltschaft, Fedpol, Nachrichtendienst des Bundes (NDB) – keine weiteren Auskünfte geben. Zurzeit führe man in dieser Sache kein Strafverfahren und sei in Kontakt mit den zuständigen, italienischen Behörden, so die Bundesanwaltschaft zur Zeitung.

Bild

Die Polizei fand zahlreiche Waffen und alte Nazi-Plaketten im Haus von Fabio Del Bergiolo. polizia di stato/twitter

Ein weiterer Verdächtiger – und «la mamma» ist fassungslos

Nun wird ermittelt, woher die Rakete stammt. Wie die italienische Zeitung «La Repubblica» schreibt, soll ein weiterer Verdächtiger aus dem Umfeld von Del Bergiolo aufgetaucht sein. Ein Mann aus Bologna, den Del Bergiolo auf einer internationalen Messe in Nürnberg getroffen haben soll. Der geheimnisvolle Unbekannte soll laut Ermittlungen der «Digos» dafür verantwortlich sein, den Kontakt zwischen Del Bergiolo und den Kämpfern im Donbass-Gebiet herzustellen. Anscheinend sollte die Rakete in diese Region geliefert werden.

«Ich weiss nicht, was ich mit der Rakete machen soll.»

Mutter von Fabio Del Bergiolo

Dies wurde jedoch an der offiziellen Pressekonferenz zum Fall dementiert. Der Turiner Quästor Giuseppe De Matteis sagte, es gebe keine Verbindungen zwischen den beteiligten Personen und den Kämpfern rechtsextremer Milizen in der Ukraine. So steht's auf dem italienischen Onlineportal Open. Die Vernehmung von Fabio Del Bergiolo soll heute Donnerstag beginnen und Klarheit in die Affäre bringen. Während seine Mutter, bei der er sein ganzes Leben gewohnt hat, völlig aus dem Häuschen ist. «Mein Sohn hat mir nichts gesagt, ich weiss nicht, was ich mit dieser Rakete machen soll», so die «mamma» zur italienischen Zeitung «La Stampa». Immerhin hat sie genug Zeit gehabt, ihren Sohn auf das Gefängnis vorzubereiten. War sie doch früher Gefängniswärterin. (dac)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Russland soll Wale als Waffe benutzen

Über 200 Waffen sind in Neuseeland eingezogen worden

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

12 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
Bert der Geologe
18.07.2019 18:43registriert November 2015
Die Mutter wusste nicht, dass der Sohn eine Rakete hat. Räumt denn die nie sein Zimmer auf?
872
Melden
Zum Kommentar
War mal stolz
18.07.2019 18:10registriert May 2015
Was wurde eigentlich aus dem süssen Beluga-Wal von der Bildstrecke?
661
Melden
Zum Kommentar
Kri Tik
18.07.2019 18:24registriert April 2019
WTF?! Ein Rechtspopulist der von Rechtsextremisten bedoht wurde? Ist er ihnen zu wenig Rechts?
516
Melden
Zum Kommentar
12

Kommentar

Die Konzernverantwortungs-Initiative aus einem afrikanischen Blickwinkel

Als gebürtiger Südsudanese beobachte ich die Debatte in der Schweiz um die Konzernverantwortungs-Initiative (KVI) mit Befremden. Beinahe alle Nichtregierungsorganisationen (NGO), die auch in der Entwicklungszusammenarbeit tätig sind, engagieren sich für diese Initiative in der Hoffnung, dass es künftig weniger Menschenrechtsverletzungen gibt, die von Schweizer Firmen in Entwicklungsländern verursacht werden.

Insgeheim wissen die meisten dieser NGO sehr wohl, dass die systematische Verletzung von …

Artikel lesen
Link zum Artikel