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Nach 18 Jahren Krieg in Afghanistan – USA und Taliban unterzeichnen Friedensabkommen



Mehr als 18 Jahre nach dem US-Einmarsch in Afghanistan haben die USA und die militant-islamistischen Taliban ein Abkommen über Wege zu einem Frieden geschlossen.

In Doha, der Hauptstadt des Golfemirats Katar, unterzeichneten der US-Sondergesandte für Aussöhnung in Afghanistan, Zalmay Khalilzad, und der Leiter des politischen Büros der Taliban in Doha, Mullah Abdul Ghani Baradar, vor rund 300 geladenen Gästen das Abkommen. Auch US-Aussenminister Mike Pompeo war bei der Zeremonie anwesend.

U.S. peace envoy Zalmay Khalilzad, left, and Mullah Abdul Ghani Baradar, the Taliban group's top political leader sign a peace agreement between Taliban and U.S. officials in Doha, Qatar, Saturday, Feb. 29, 2020. The United States is poised to sign a peace agreement with Taliban militants on Saturday aimed at bringing an end to 18 years of bloodshed in Afghanistan and allowing U.S. troops to return home from America's longest war. (AP Photo/Hussein Sayed)

Der US-Friedensbotschafter Zalmay Khalilzad (links) und Mullah Abdul Ghani Baradar, der oberste politische Führer der Taliban-Gruppe, unterzeichnen das Friedensabkommen. Bild: AP

Die mehr als eineinhalb Jahre lang verhandelte Einigung soll einen Abzug der US-Truppen aus Afghanistan einleiten. Im Gegenzug sollen die Taliban Garantien geben, dass das Land kein sicherer Hafen für Terroristen wird und sie Friedensgespräche mit der Regierung in Kabul aufnehmen.

US-Truppen um einen Drittel reduzieren

In einem ersten Schritt soll die Zahl der US-Truppen um rund ein Drittel reduziert werden. Das geht aus einer gemeinsamen Erklärung der afghanischen und US-amerikanischen Regierungen hervor, die kurz vor der Unterzeichnung in Doha in der afghanischen Hauptstadt Kabul veröffentlicht wurde. Demnach soll die Zahl der US-Streitkräfte von aktuell zwischen 12'000 und 13'000 innert 135 Tagen auf 8600 reduziert werden.

Gleichzeitig arbeiteten die USA mit der Nato und anderen Verbündeten daran, die Zahl der Nato-Truppen proportional dazu zu verringern, heisst es in der Erklärung weiter. Die USA und ihre Verbündeten würden alle ihre verbleibenden Streitkräfte innerhalb von 14 Monaten abziehen.

Washington hatte als Voraussetzung für ein Abkommen von den Taliban sieben Tage der «Gewaltreduzierung» in dem kriegszerrissenen Land verlangt. Die sieben Tage waren um Mitternacht (Ortszeit Afghanistan) zu Samstag abgelaufen. Die Phase verlief lokalen Angaben zufolge zwar nicht gewaltfrei, aber erheblich ruhiger als üblich. Die Woche war als Test angesehen worden, ob die Taliban ihre Reihen kontrollieren können.

epa08204982 Afghan Army soldiers stand guard at a check point near the Shirzad district, in Hogyani district of Nangarhar province, Afghanistan, 09 February 2020. At least two American soldiers were killed and six wounded in an alleged internal attack carried out by someone wearing an Afghan soldier's uniform in Nangarhar province in east Afghanistan, the United States military said 09 February. This incident comes amid peace talks in Qatar in recent months between US and Taliban delegations, which the latter say are very advanced with the signing of an agreement increasingly drawing closer.  EPA/GHULAMULLAH HABIBI

Ein Soldat der afghanischen Streitkräfte bei einem Checkpoint in der Nähe von Shirzad. Bild: EPA

Trump: Fortschritte unter hohen Kosten

US-Präsident Donald Trump teilte am Freitag in Washington mit, beim Einsatz in Afghanistan seien grosse Fortschritte gemacht worden – aber unter hohen Kosten für US-Truppen, für den amerikanischen Steuerzahler und für das afghanische Volk.

Im Wahlkampf habe er dem amerikanischen Volk versprochen, «dass ich damit beginnen würde, unsere Truppen nach Hause zu bringen und zu versuchen, diesen Krieg zu beenden. Wir machen erhebliche Fortschritte bei der Einlösung dieses Versprechens.»

Die Taliban waren 2001 von einer US-geführten Militärkoalition von der Macht vertrieben worden, nachdem sie Osama bin Laden, den Gründer des Terrornetzwerks Al Kaida, beherbergt hatten. Die USA machten den Al-Kaida-Chef für die Anschläge vom 11. September 2001 verantwortlich.

Vor allem seit dem Ende des internationalen Kampfeinsatzes Ende 2014, der von einem Ausbildungseinsatz abgelöst wurde, haben die Taliban wieder an Stärke gewonnen. Den letzten verfügbaren US-Militärangaben von Oktober 2018 zufolge beherrschte die Regierung nur noch wenig mehr als die Hälfte der Bezirke des Landes. Weitere rund 30 Prozent sind umkämpft.

Friedensgespräche stehen noch bevor

Die USA-Taliban-Vereinbarung ist ein erster Schritt in Richtung Frieden. Es handelt sich im klassischen Sinne nicht um einen Friedensvertrag, weil bisher eine Konfliktpartei, die Regierung in Kabul, fehlte.

Gleichzeitig wurden zwei wichtige Punkte für einen dauerhaften Frieden an die innerafghanischen Verhandlungen ausgelagert: ein landesweiter, dauerhafter Waffenstillstand sowie ein Abkommen über die künftige Verteilung der politischen Macht in Afghanistan – also darüber, wie die Taliban politisch eingegliedert werden.

Die eigentlichen Friedensgespräche für das Land stehen somit erst noch bevor. Beobachter gehen davon aus, dass es mindestens ein Jahr bis zu einem innerafghanischen Friedensschluss dauert. (sda/dpa)

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