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Democratic presidential candidate former Vice President Joe Biden and his wife Jill Biden meet with people in a backyard as they discuss education in Wauwatosa Wis., Thursday, Sept. 3, 2020. (AP Photo/Carolyn Kaster)
Joe Biden

Vor dem Auftritt in Kenosha traf sich Joe Biden mit Jacob Blakes Familie. Bild: keystone

Biden will die «Ursünde» Amerikas angehen – und den tief sitzenden Rassismus bekämpfen



Der demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden hat in der von Protesten erschütterten Stadt Kenosha ein konsequentes Vorgehen gegen Rassismus in den USA versprochen. «Der tief sitzende Rassismus ist institutionalisiert in den USA, er existiert immer noch, schon seit 400 Jahren», sagte Biden am Donnerstag. Jetzt sei die Chance, dagegen anzugehen.

Die Proteste in Kenosha, die zum Teil von Ausschreitungen begleitet wurden, waren von sieben Schüssen in den Rücken eines schwarzen Amerikaners bei einem Polizeieinsatz ausgelöst worden. Der 29-jährige Familienvater Jacob Blake überlebte schwer verletzt.

Zwei Tage vor Biden hatte US-Präsident Donald Trump die Stadt besucht. Er traf sich mit Vertretern von Sicherheitskräften und verurteilte die Krawalle, bei denen Gebäude und Autos brannten als anti-amerikanisch und inländischen Terrorismus. Auf das Vorgehen der Polizei als Ausgangspunkt der Proteste ging er nicht ein. Auf Anfrage eines Reporters sagte Trump auch, dass es in den USA aus seiner Sicht keinen systematischen Rassismus gebe.

Gespräch mit Blakes Familie

Biden, der Vize von Präsident Barack Obama war und bei der schwarzen Bevölkerung populär ist, versprach hingegen, die «Ursünde» Amerikas anzugehen: «Es ist die Ursünde der Sklaverei und all ihre Überreste.» Das Land sei bereit dafür, zeigte sich Biden überzeugt. Und wenn nicht, sei das etwas, wofür es sich zu kämpfen lohne, selbst wenn man verlieren sollte.

Vor dem Auftritt in Kenosha traf sich Biden mit Blakes Familie. Das Gespräch mit seinem Vater und Schwestern dauerte nach Angaben von deren Anwalt rund eineinhalb Stunden. Auch Blake habe sich aus dem Krankenhaus zugeschaltet, sagte Biden. «Er sprach davon, wie er sich durch nichts besiegen lassen wird. Wie er nicht aufgeben wird, egal, ob er wieder laufen kann oder nicht.»

Blake ist nach den Schüssen, die seine Wirbelsäule verletzten, von der Hüfte abwärts gelähmt. Auf dem Video eines Augenzeugen war zu sehen, wie Blake bei dem Polizeieinsatz um ein Auto geht, während ihm zwei Polizisten mit gezogenen Waffen folgen. Eine davon ist auf seinen Rücken gerichtet. Nachdem Blake die Fahrertür öffnet und sich hineinbeugt, ist zu sehen, wie einer der Polizisten ihn am Shirt packt und sieben Mal schiesst.

Biden verlangt Anklage

Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft des Bundesstaates Wisconsin, die in dem Fall ermittelt, wurde im Auto auf dem Boden der Fahrerseite ein Messer gefunden. Die Ermittler machten bisher aber keine weiteren Angaben dazu, ob das Messer eine Rolle in dem Geschehen spielte.

Die Polizisten hätten zuvor versucht, Blake mit einem Elektroschocker zu betäuben, das sei aber misslungen, hiess es. Justizminister William Barr hatte am Mittwoch in einem TV-Interview – ohne weitere Details zu erwähnen – gesagt, Blake sei dabei gewesen, eine Straftat zu begehen und sei bewaffnet gewesen. Auf dem Video ist keine Waffe in seiner Hand zu erkennen, solange er zu sehen ist.

Biden sagte vor der Reise nach Kenosha, der Polizist, der auf Blake geschossen habe, sollte seiner Ansicht nach angeklagt werden – auch wenn letztlich die Ermittlungen ihren Weg gehen müssten. (viw/sda/dpa)

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15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Andre Buchheim 04.09.2020 14:52
    Highlight Highlight Es ist gut, dass Biden nun ein Gegengewicht darstellt gegenüber Trump, der wieder bar jeden Mitgefühls und jeder Logik nur Öl ins Feuer goss. Es wird Zeit, dass diese systemische Ungerechtigkeit offen ausgesprochen und praktisch angegangen werden soll. Ich wünsche Biden, sollte er gewinnen, viel Kraft für dieses Mammut-Projekt.
  • Basti Spiesser 04.09.2020 10:51
    Highlight Highlight Jetzt plötzlich? So nach 50ig Jahren Politik. You aint black, sagte er doch erst kürzlich...
  • Saerd neute 04.09.2020 10:17
    Highlight Highlight Das Gespräch mit seinem Vater und Schwestern dauerte nach Angaben von deren Anwalt rund eineinhalb Stunden.


    Ähm, vermutlich weil Biden 3 mal das Gleiche fragte.
    • Basti Spiesser 04.09.2020 11:17
      Highlight Highlight War es wirklich seine Schwester?
  • Dong 04.09.2020 09:30
    Highlight Highlight Kenosha ist ein Kaff mit 100'000 Einwohnern, dann kommen diese getriggerten Heuschrecken von irgendwo her und brennen ausgerechnet die Gegend ab, wo die meisten Schwarzen leben. Was daran soll bitteschön antirassistisch sein? Können wir vernünftigen 90% nicht mal in der Mitte stehenbleiben und die 5% Idioten an beiden Rändern als das bezeichnen, was sie sind?

    Bilder von den Verwüstungen gibt's übrigens hier: https://www.dailymail.co.uk/news/article-8679207/Photos-devastation-riot-torn-Kenosha-Trump-prepares-visit.html
  • Quo Vadis 04.09.2020 09:30
    Highlight Highlight ...wo John Oliver wohl mit einem Beitrag zu Doppelstandards bei Demokraten bleibt?

    Wishful thinking 🤷

    Oder aber sprengt die Sendezeit 😎
  • Bruno S.1988 04.09.2020 08:38
    Highlight Highlight Es ist nicht nur der Rassismus ein Problem bei den Polizisten, sondern auch die Angst von "good cops" die "bad cops" zu melden!

    Hier ein älterer TV Beitrag. Ein US-Fernsehteam hat mit versteckter Kamera versucht bei mehreren Polizeiposten eine Beschwerde gegen einen Polizisten einzulegen.
    Nirgends konnten sie ein solches Formular ausfüllen. Ihnen wurde sogar Gewalt angedroht.
    Play Icon
  • du_bist_du 04.09.2020 08:31
    Highlight Highlight Habe nur den Titel gelesen. Will er das Land wieder vollständig den Indigenen zurückgeben? Ursünde und so...
    • Superreicher 04.09.2020 09:27
      Highlight Highlight Nein. Die Frage ist, ob er Erfolg haben wird. Jedenfalls besser als der amtierende Präsident, welcher die Spannungen eher noch befeuert.
    • Baba 04.09.2020 09:29
      Highlight Highlight Lesen Sie den Artikel 🙄
  • Leslie Now 04.09.2020 08:30
    Highlight Highlight Dieser Beitrag wurde gelöscht. Bitte bleibe beim Thema und beachte die Kommentarregeln.
  • Der Rückbauer 04.09.2020 08:03
    Highlight Highlight Jetzt kommt auch in den Greis etwas Bewegung. Die USA haben etwas Besseres verdient als einen 77-Jährigen, der nach Ablauf der Präsidialzeit dann 82 sein wird.
    Wenn er gewählt würde, gäbe es nur eines: Sofort zurücktreten.
    Wenn er nicht gewählt würde, wird die dreckige Politik durch den dreckigen Politiker im Weissen Haus fortgesetzt.
  • gofnamal 04.09.2020 07:17
    Highlight Highlight Schlimm, was da geschehen ist.
    Aber...
    Er ist ja nicht einfach zum Haus raus, zum Auto gegangen und hat die Tür geöffnet und ist niedergeschossen worden.
    Voraus ging ein Handgemenge mit der Polizei (in USA !) in dem er den Polizisten gesagt hat, dass er ein Messer im Auto habe. Dann geht er zum Auto, öffnet die Türe und beugt sich zum Fahrerboden wo das Messer liegt. Von der Polizei sicherlich völlig übertrieben, aber nun jetzt den Blake als reines Opfer darzustellen finde ich auch nicht ganz richtig. Und, wenn man seine Kinder (im Auto) beschützen will, macht man das nicht. nur meine Meinung.
    • Baba 04.09.2020 14:02
      Highlight Highlight Wow - man kann ja alles schönreden 😡

      Klar rechtfertigt das sich-ins-Auto-beugen, dass der "Polizist" ihm SIEBEN!!! Mal in den Rücken schießt.

      Ich setze die Berufsbezeichnung bewusst in Anführungszeichen, da solche gescheiterten Revolverhelden jeden anständigen Polizisten in Verruf bringen.
  • P4nd4k1n9 04.09.2020 07:08
    Highlight Highlight Das Problem für Biden wird das Weibeln in den Zentralstaaten sein. Ich kenne viele Amerikaner aus den Grossstädten der Ost- und Westküste, dort besteht kaum ein Rassismusproblem, weil diese Orte internationaler sind. Die Problematik besteht hauptsächlich in den ländlichen Zentralstaaten, welche zumeist sehr republikanisch sind.

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