International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Vittel-Mineralwasser ist ein Exportschlager. bild: shutterstock.com

Vittel fürchtet um sein Wasser – Einwohner erheben bittere Vorwürfe gegen Nestlé



«Vittel» ist in unseren Breitengraden so etwas wie ein Synonym für Wasser. Doch nun fürchten die Einwohner der gleichnamigen französischen Gemeinde um ihre Lebensquelle.

Jedes Jahr sinkt der Grundwasserspiegel in der Gemeinde um 30 Zentimeter, wie der Tages-Anzeiger berichtet. Eine Ursache sei laut dem französischen Bergbauamt, dass der Regen nur langsam durch die Gesteinsschichten sickere. Die andere Ursache: «Eine starke Konzentration von Entnahmen», insbesondere durch Unternehmen wie Nestlé und eine lokale Grosskäserei.

Der Nahrungsmittelgigant Nestlé, grösste Steuerzahlerin in der Region, besitzt die Quelle Grande Source in Vittel seit Ende der 60er-Jahre. Eine Million Kubikmeter Wasser darf Nestlé pro Jahr abpumpen, das entspricht etwa dem jährlichen Mineralwasserkonsum der Schweiz, wie der Beobachter schreibt.

«Das ist so, als würde man Menschen, die am Atlantik wohnen, zwingen, in einem Pool zu baden mit Wasser aus dem Mittelmeer.»

Anwohner im ZDF-Interview

Doch nun gehen Umwelt- und Konsumentenschützer auf die Barrikaden: «Wir fordern einen Stopp der Wasserförderung durch Nestlé», lässt sich Jean François Fleck, Präsident der lokalen Umweltschutzorganisation Vosges Nature Environnement, im «Beobachter» zitieren.

Und ein Schäfer aus dem Dorf klagt im ZDF-Politmagazin «Frontal 21»: «Die Einwohner unseres Dorfes leiden unter Wassermangel. Und zwar so extrem, dass der Bürgermeister gezwungen ist, im Sommer mit einem Tankwagen Wasser von ausserhalb holen zu lassen.» Es sei stossend, wenn Nestlé gleichzeitig munter Wasser abpumpe, so das Echo.

Der geplante Bau einer Pipeline, mit dem Wasser aus anderen Gegenden nach Vittel transportiert werden soll, heizt den Streit zusätzlich an. «Das ist so, als würde man Menschen, die am Atlantik wohnen, zwingen, in einem Pool zu baden mit Wasser aus dem Mittelmeer. Das ist lächerlich», so ein Anwohner.

Nestlé weist Vorwürfe zurück

Nestlé wehrt sich im «Tages-Anzeiger»: Jeder Bewohner von Vittel könne unbegrenzt Mineralwasser aus dem Wasserhahn beziehen, Engpässe gebe es nicht. Eine Sprecherin verweist auf ein Programm zur Wassereinsparung, das Nestlé initiiert hat: «Mit diesem haben wir unsere jährliche Entnahme bereits um ein Viertel, das heisst um 250'000 Kubikmeter pro Jahr verringern können.»

Die Pipeline ist laut Nestlé eines von mehreren langfristigen Szenarien, die derzeit geprüft werden. «Wir werden uns für die Lösung einsetzen, die unserer Meinung nach einen nachhaltigen Schutz der Ressource Wasser gewährleistet.»

Wie das ZDF weiter berichtet, ermittelt die Justiz derzeit gegen eine Lokalpolitikerin der Stadt Vittel. Die Frau, die mit einem hohen Nestlé-Kader verheiratet ist, soll die Interessen des Konzerns über jene der Bürger gestellt haben. Nestlé Waters bestätigt gegenüber dem «Tages-Anzeiger», Kenntnis von der Untersuchung zu haben, weist den Vorwurf des Interessenkonflikts aber «entschieden zurück».

(jbu)

Ein globales Thema in den Händen weniger Branchenriesen

Video: srf/SDA SRF

Das könnte dich auch interessieren:

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Erneut Erdbeben bei Elm im Glarnerland registriert

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

27 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
der nörgler
03.06.2018 14:23registriert January 2014
Wer den Film bottled water gesehen hat, hört sofort auf Mineralwasser zu trinken und tut der Welt damit einen Riesengefallen. Was Nestle und Konsorten in Afrika seit Jahren abziehen ist eine Riesensauerei. Dagegen ist diese Story ein Weihnachtsmärchen.
35029
Melden
Zum Kommentar
spaljeni
03.06.2018 14:58registriert January 2017
«Wir werden uns für die Lösung einsetzen, die unserer Meinung nach einen nachhaltigen Schutz der Ressource Wasser gewährleistet.»
Sagt der Konzern, der das Trinkwasser auf der Welt privatisieren möchte, um noch mehr Profit zu machen!! *heuchel*
22716
Melden
Zum Kommentar
Roman Stanger
03.06.2018 14:22registriert February 2018
Naja, im Grunde ist es aber genauso lächerlich, wenn Menschen, die zum Beispiel in Zürich wohnen und einen Wasserhahn im Haus haben, sich Wasser in Flaschen aus den Vogesen liefern lassen. Das tun sie nur wegen cleveren Marketingstrategien von Grosskonzernen wie Nestlé. Wenn die 5000 Vitteler also weiterhin ihre stolzen Steuereinahmen beibehalten wollen, dann sollten sie damit leben können, dass sie ihr Gebrauchswasser aus einer Pipeline aus einer weniger gut vermarkteten Gegend beziehen, was auch nicht lächerlicher ist als das Verhalten der Vittel-Kunden, denen sie ihren Einnahmen verdanken.
22823
Melden
Zum Kommentar
27

Schweizer Firma bezieht Kupfer von giftiger Schmelzerei in Namibia – mit tödlichen Folgen

Die Schweizer IXM S.A. lässt bulgarisches Kupfer mit hohem Arsengehalt in einem Schmelzwerk in Namibia verarbeiten und nimmt diesem die ganze Produktion auch wieder ab. Das giftige Arsen wird gemäss Berichten in Zuckersäcken in einer Freiluft-Deponie am Rand einer Kleinstadt gelagert.

Auf dem Wappen Tsumebs prangt der Bergarbeitergruss «Glück auf». Tsumeb, 400 Kilometer nördlich der namibischen Hauptstadt Windhoek gelegen, ist eine Bergarbeiterstadt. Seit Jahrzehnten wurden in den Minen in der Nähe verschiedene Mineralien abgebaut. Viele der Minen wurden inzwischen geschlossen. Sie waren erschöpft, die Förderung nicht mehr rentabel.

Die grosse Schmelzerei gleich neben der Stadt mit 35'000 Einwohnern ist nach wie vor in Betrieb. Eine Zugverbindung führt direkt an die …

Artikel lesen
Link zum Artikel