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Mein allerletztes Mal – und mein allerletzter Versuch đŸ™†â€â™€ïž

22.10.2020, 09:59
Kid Cleo
Kid Cleo
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Ich dachte, der Anfang sei schwer. Aller Anfang ist ja bekanntlich schwer. Und es war auch so. Ihr habt keine Ahnung, wie viel Überwindung mich diese Kolumne zu Beginn gekostet hat. Sex zu haben, ist das Eine. Über Sex zu reden, das Andere. Aber ĂŒber Sex zu schreiben, Leute, das ist Next Level Shit. Es zurrt dir alle Eingeweide im unteren Bauchraum zusammen, wenn du dir vorstellst, wie viele Menschen gerade einen Bericht von deinem misslungenen Dreier lesen. Wie sie sich dich bei einer Sexparty vorstellen. Oder wie sie kopfschĂŒttelnd ĂŒber deinem Date mit einem Architekten, der Prinzessin sein will, sitzen.

Aber, ich gebe zu, ich hatte nicht erwartet, wie sehr ich mich ĂŒber eure Kommentare freuen wĂŒrde. Wie motivierend und beruhigend es sein kann, wenn eine Community RatschlĂ€ge gibt und mitfiebert. Wie schon im letzten Text erwĂ€hnt, habe ich alles gelesen – auch die vielen Meinungen zu den Blowjob-Tipps meiner mĂ€nnlichen Freunde. Vielen Dank, ich habe mich köstlich amĂŒsiert.

Ich habe auch gelesen, dass einige von euch Emma zurĂŒck wollen. Euer Wunsch sei mir Befehl! NĂ€chste Woche erzĂ€hlt wieder good old Ems von ihrer Amour oder eben nicht Amour. Nein, ich trete nicht beleidigt ab. Es war immer geplant, dass ich fĂŒr zwanzig Texte «einspringe». Ich trete aber auch nicht mit einem grossen BĂ€ng, einem riesigen Happy End ab. Das Leben folgt leider nicht dem Takt der Kolumne, die Kolumne folgt dem Leben und deshalb verabschiede ich mich nicht mit einem meisterhaften Showdown, sondern mit einer Geschichte, wie ich klĂ€glich an fehlendem Mut gescheitert bin.

Der Zufall wollte es, dass ich der schönen Unbekannten letzten Mittwoch begegnet bin. Von ihr habe ich euch vor einigen Wochen vorgeschwĂ€rmt, aber kaum hatte ich das getan, ist sie untergetaucht. Ich bezweifle, dass es etwas mit mir, also meinen Texten zu tun hatte. Wir sind uns einfach nicht mehr ĂŒber den Weg gelaufen. Jedenfalls nicht bis Mittwoch vor einer Woche.

Ich war auf dem Weg von einer Freundin nach Hause. Es war kurz vor zehn. Mein Velo musste dringend gepumpt werden, also hielt ich vor der Langstrassen-UnterfĂŒhrung bei der hellgrĂŒnen Pumpstation. Ich hantierte vermutlich etwas ungeschickt an meinem Vorderrad herum und fluchte leise vor mich hin.

Ob ich Hilfe benötige, fragte eine MÀnnerstimme. Ich blickte hoch. Ein Typ stand vor mir, hinter ihm zwei Frauen.

Ich wĂ€re fast umgekippt! Eine der Frauen war SIE! Die schöne Unbekannte! Ab hier hĂ€tte es Hollywood-mĂ€ssig weitergehen können. Ich hĂ€tte sie ansprechen, ihr Komplimente machen und sie nach ihrer Nummer fragen sollen, hĂ€tte ich bloss einen Funken mehr Mut gehabt. Getan habe ich nĂ€mlich
 nichts. Ich habe die Hilfe des Typen dankend angenommen. Er hielt mein Velo. Ich pumpte. Sie verabschiedeten sich und ich fuhr laut fluchend in die andere Richtung. The End.

Ich habs verpatzt, Leute. Ich hab meine grosse Chance verpasst. Auf dem Nachhauseweg kamen mir all eure Tipps in den Sinn, ich wusste, dass dies DIE Möglichkeit ist, geholfen hat es nichts.

Ich kann es nicht mehr rĂŒckgĂ€ngig machen. Was mir bleibt, ist ein letzter Versuch:

Liebe schöne Unbekannte

Ich bin das Girl, das letzten Mittwoch das Velo pumpte. Vor der Langstrassen-UnterfĂŒhrung. Kurz vor 22 Uhr. Du warst mit einem Freund und einer Freundin unterwegs. Der Freund half mir mit dem Rad. Ich hatte eine rote Jacke und eine schwarze MĂŒtze an.

Das bin ich. Ich weiss nicht, ob du mich bemerkt hast oder ob du mich davor einmal gesehen hast. Wir sind uns schon mehrmals ĂŒber den Weg gelaufen und du bist mir jedes Mal aufgefallen. Ich finde dich, jedenfalls Ă€usserlich, sonst kenne ich dich ja nicht, schlicht wunderschön. Ich habs aber nie geschafft, dich anzusprechen. Das Problem ist, ich bin schĂŒchtern. Mich verlĂ€sst der Mut, wenn ich jemanden wirklich toll finde. Niemand glaubt mir das, aber es ist die Wahrheit. Ebenfalls wahr ist, dass ich eine schlechte Autofahrerin bin und zu viele Liebesfilme schaue, ich verwechsle die RealitĂ€t auch gern mit der Wirklichkeit im Film, was mich zu einer unrealistischen TrĂ€umerin macht.

Ich habe nie gelernt, zu streiten, kritisiert man mich, verlasse ich den Raum oder breche in TrĂ€nen aus. Und wenn mir jemand eine romantische LiebeserklĂ€rung macht, kriege ich BauchkrĂ€mpfe, weil ich nicht weiss, wie ich darauf reagieren soll. Wenn ich tanze, sieht es aus, als wĂŒrde ich Fenster putzen. Ich trinke Bier nur, damit ich cool wirke. Aus dem gleichen Grund fahre ich ein Rennvelo, obwohl ich die Position – Po in die Luft, Kopf gegen Boden – sehr anstrengend finde. Ich habe einen Putzfimmel und verwende in Nachrichten zu viele Emojis. Ich weiss nicht, ob ich wirklich gut im Bett bin. Es hat sich noch keine und keiner beklagt, ich finde es aber auch etwas unangenehm, mit einer Sexpartnerin oder einem Sexpartner ĂŒber Sex zu reden. Dirty Talk kann ich schon gar nicht. Ich bin nicht verklemmt, aber manchmal etwas gehemmt.

Ich könnte die Liste noch verlĂ€ngern, was ich dir zusammenfassend sagen will: Es gibt viele GrĂŒnde, die dafĂŒr sprechen, dass du mich nicht kennenlernen willst.
Falls du mir doch eine Chance geben willst, gib mir ein Zeichen.
Schick eine Nachricht. Schreib einen Kommentar.

Du glaubst nicht, wie sehr ich mich freuen wĂŒrde.

Deine Cleo

Und euch, liebe User, bitte ich ein letztes Mal: DrĂŒckt mir die Daumen!

Der Schluss fÀllt mir schwerer als der Anfang. Ich werde euch vermissen. Es war schön mit euch. Sehr sogar. Und es war mir eine Ehre, euch wÀhrend zwanzig Wochen von meinem Liebes- und Sexleben zu erzÀhlen.

Danke fĂŒr eure Zeit – und falls es mit der schönen Unbekannten nichts wird
 AllknowingP, I’m in!

Kiss und Klits fĂŒr euch,

Cleo

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Kid Cleo ist ...
... eine der besten Freundinnen von Emma Amour und aktuell ihre Ferien-Vertretung. Cleo ist Mitte 20, pendelt zwischen ZĂŒrich und Genf und liebt MĂ€nner und Frauen gleichermassen – und ihren Hund Bella. WĂ€hrend den nĂ€chsten Wochen wird uns Cleo mit Storys aus ihrem Leben unterhalten – so lange, bis Ems genug vom «Sommer ihres Lebens» hat. Und noch ein Hinweis von Emma selbst: «Seid nett zu Cleo, sie ist noch sehr klein!» (PS: Cleo ist grösser als Emma.)
Das bin nicht ich. Aber so wĂŒrde ich als Illustration aussehen. Öppe. PS: Einen Hund hab ich tatsĂ€chlich. Aber meiner sabbert.
Das bin nicht ich. Aber so wĂŒrde ich als Illustration aussehen. Öppe. PS: Einen Hund hab ich tatsĂ€chlich. Aber meiner sabbert.
bild: watson / shutterstock
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