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«Ich bin der glückliche Sexzwerg!» Dr. Ruth über Dr. Ruth. Bild: watson

Interview

«Es gibt keinen perfekten Blowjob!» Dr. Ruth (91) gibt uns Sex-Tipps

Das Leben der legendären Sexpertin Ruth Westheimer gibt es jetzt als Film am ZFF und im Kino. Zuvor solltet ihr euch allerdings das Video ansehen, das sie mit uns drehte.



Die berühmteste und mit 91 Jahren gewiss auch älteste Sexpertin der Welt ist euphorisch, als wir sie im Park des Hotels Baur au Lac treffen: Im Flugzeug von New York nach Zürich fand sie nämlich ein «People»-Magazin, dessen Thema «100 Gründe, Amerika zu lieben» hiess. Und wer war auf Platz 81? Zwei Plätze vor Lady Gaga und Bradley Cooper? Sie selbst! Dr. Ruth Westheimer. Oder kurz: Dr. Ruth. Und brav wies «People» auch auf den von Hulu produzierten Dokfilm «Ask Dr. Ruth» hin, der sie jetzt nach Zürich führte.

Weil auch wir nie genug über Sex wissen können, sammelten wir in der Redaktion Fragen für Dr. Ruth. Und liessen sie ihr von unserem redaktionseigenen Eddie-Redmayne Double Corsin überbringen. Während Emily National – «Dr. Ruth, ich und meine Familie haben zuhause in Kanada alle ihre Fernsehsendungen gesehen und sind Fans!» – die beiden filmte. Ich hatte nichts zu tun. Ich brauchte bloss Jung und Alt zusammen zu bringen. Und hier ist das charmante Resultat:

Video: watson

Aber wer genau ist Dr. Ruth? Und wie kam sie zum Sex und wurde damit weltberühmt? «Ask Dr. Ruth», der Dokfilm von Ryan White, weiss es. Und erzählt eine der unglaublichsten Lebensgeschichten der letzten 91 Jahre.

Als die Nazis 1938 ihren Vater abholen, ist Karola Ruth Siegel, das Einzelkind eines orthodox jüdischen Paares, zehn Jahre alt. Die Mutter übergibt sie einem Kindertransport in die Schweiz, wo sie die nächsten Jahre im Kinderheim Wartheim in Heiden lebt. Als der Krieg zu Ende geht, ist die 17-Jährige staatenlos, ist keine Deutsche mehr und war nie eine Schweizerin. Über den Verbleib ihrer Eltern erfährt sie nichts. Man verschifft sie nach Palästina.

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Grund Nummer 81, Amerika zu lieben ... bild: people

Im Bürgerkrieg um die Teilung Palästinas arbeitet sie als Scharfschützin für die zionistische Untergrundorganisation Hagana. Eine Bombe zerfetzt ihr beide Beine, ein schöner Krankenpfleger – ihr Weg ist gepflastert mit umwerfend attraktiven Männern – flickt sie hingebungsvoll wieder zusammen.

Mit ihrem ersten Mann reist sie nach Paris, studiert an der Sorbonne Psychologie. Mit dem zweiten reist sie nach New York und lernt mit Hilfe von Liebesromanen Englisch. Den dritten, einen Ingenieur, lernt sie am Skilift kennen. Er ist ihr einziger Mann, der nicht viel grösser ist als sie, weshalb die beiden auf einen Bügel passen. Sie ist jetzt 42, arbeitet für die Non-Profit-Organisation Planned Parenthood und schreibt mit Datenmaterial, das sie bei Planned Parenthood sammelt, ihre Dissertation.

Trailer zu «Ask Dr. Ruth»

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Video: YouTube/Filmcoopi Zürich

Die Frauen, die sie trifft, wissen erschreckend wenig. Über Sex, Verhütung, Schwangerschaft und schon gar nichts über die weibliche Lust. Weshalb Ruth Westheimer, wie sie jetzt heisst, beschliesst, eine Ausbildung als Sextherapeutin zu machen und ihre eigene Praxis zu eröffnen.

Mit 53 Jahren kommt ihr Durchbruch: 1981 spricht sie zum ersten Mal live über Sex im Radio. Es ist Sonntagmitternacht. Zuerst nur 15 Minuten lang. Und ohne jede Werbung für ihre Sendung. Sie wird auf eine Stunde verlängert. Dann auf zwei. Amerika nennt sie «Grandma Freud». Wenn ihr Sohn sonntagnachts in sein Zimmer auf dem Campus zurückkehrt, hört er, wie alle seine Kommilitonen der Stimme seiner Mutter lauschen.

Director Ryan White, left, and Ruth Westheimer pose for a portrait to promote the film

Dr. Ruth mit Regisseur Ryan White am Sundance Film Festival. Bild: Taylor Jewell/Invision/AP/Invision

Und die redet zum Beispiel gerade darüber, wie man bei Männern, die spitz sind und sexuelle Erleichterung brauchen, von «blue balls» redet. Und dass man dann bei Frauen, denen es ebenso gehe, wohl von «blue lips» reden müsse. Und über Geschlechtsverkehr in allen Details. Und weil sie das so gerne und so freizügig tut, kriegt sie auch mehrere Fernsehshows. «Es hat damit zu tun, das ich nicht gross und blond und wunderschön bin. Ich bin der glückliche Sexzwerg», sagt sie. Alle mögen sie und vertrauen ihr wie ihrer eigenen Grossmutter.

All dies und viel, viel mehr erzählt sie und erzählt der Film, und was nicht mehr dokumentierbar ist – etwa ihre Jugendjahre – wird mit (grässlich kitischigen, kulleräugigen) Animations-Sequenzen ergänzt. «Ich betrachte mich nicht als Überlebende, ich war in keinem KZ», sagt sie über sich und «ich bin eine nichtradikale Feministin.» Und eine, deren Leben so viel Leben umspannt und so viele Leben ein bisschen besser weil lustvoller gemacht hat, dass wir unweigerlich von sehr weit unten zu ihr aufschauen, als sie plötzlich in Zürich vor uns sitzt.

«Ask Dr. Ruth» läuft an folgenden Terminen am ZFF:
Mi, 2.10., 20.15 Uhr, Corso 4
Do, 3.10., 14.30 Uhr, Arthouse Picadilly
Fr, 4.10., 21 Uhr, Riffraff 1

Und ab 17. Oktober im regulären Kinoprogramm.

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