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Kommentar

Australien verbrennt, das RTL-Dschungelcamp findet statt: Wie pervers ist das?

Ab dem 10. Januar gibt es wieder «Stars» unter Extrembedingungen im Fernsehen. Und dies in einem katastrophengebeutelten Land. Zeit, die Sinnfrage zu stellen.



Wenn der Wind nicht gedreht hat, dürfte Dr. Bobs Haus jetzt in Flammen aufgegangen sein. Am Sonntag war das Feuer noch 27 Kilometer von seinem Haus entfernt, am Montagmorgen nur noch 5, seine Frau und er hatten das Anwesen 200 Kilometer südlich von Sydney schon vor Tagen verlassen. Die Stadt, in der sie lebten, ist eine Geisterstadt.

Nach seinem Einsatz im Dschungelcamp will er erst einmal in einem Wohnwagen auf der Asche seines alten Hauses campieren, danach schaut er weiter. Dr. Bob bleibt dem Feuer gegenüber so gefasst wie seit Jahren den diversen Celebrities gegenüber vor der Kamera. Er freue sich aufs Dschungelcamp, sagt er, es sei die beste Ablenkung und zudem ein prima Arbeitgeber für gut 400 Australier.

ACHTUNG: SPERRFRIST FÜR ALLE MEDIEN BIS SAMSTAG, 17. JANUAR 2015, 23.15 UHR !!!     Tag 2 - Dschungelprüfung 2

So kennen wir Dr. Bob: stoisch angesichts von (menschlichen) Katastrophen. Bild: RTL / Stefan Menne

Das Dschungelcamp also. Am 10. Januar gehts in die neue, 14. Staffel. Während Australien verbrennt. Man muss sich das vorstellen: Auf einem – jedenfalls vorläufig – brandsicheren Flecken eines lodernden Landes, das ums Überleben kämpft, spielen ein paar deutsche XYZ-Promis Survival Camp.

Während abertausende Tiere im Feuer verrecken, essen sie Känguruh-Hoden. Das ist obszön. Das ist pervers.

RTL wirft dafür geschätzte 30 Millionen Euro auf. Die Werbeeinnahmen sind minimal höher. Könnte man die nicht spenden? Oder ganz einfach die 14. Staffel aussetzen?

Diese 12 gehen 2020 ins Dschungelcamp

Klar könnte man das. Aber was würde es bringen? RTL könnte sich im Zeitalter der Empörungskultur zu einem Gutmenschen-Unternehmen hochstilisieren, das es noch nie war. Könnte sagen: «Seht her, jahrelang habt ihr uns unterstellt, wir seien eine reine Dreckschleuder, dabei haben wir Gewissen und Moral in Millionenhöhe. Und wir denken ans Klima! Macht uns das mal nach!»

Das Dschungelcamp gerade jetzt nicht in Australien durchzuführen, käme vor allem RTL zu Gute. Und das wäre am Ende noch verlogener, als das Dschungelcamp gerade jetzt in Australien durchzuführen.

Unterhaltungsformate wie das Dschungelcamp, der «Bachelor», «Love Island» und was es alles noch gibt, waren immer schon: Dekadente postkoloniale Inszenierungen von Menschen, die sich in einer exotischen Fremde selbst fremd werden und Kleider, Hemmungen und andere zivilisatorischen Fähigkeiten ablegen.

Bilder der Buschbrände in Australien

Tanzen auf den brennenden Ruinen von Anstand und Zwischenmenschlichkeit also. Die Endzeit des guten Geschmacks. Das Dschungelcamp in Australien? Passt schon. Passt viel zu gut. RTL dürfte noch nie so sehr bei sich gewesen sein.

So wie Kaiser Nero gebannt dem Brand von Rom zugeschaut haben soll, werden wir die nächsten Tage wohl vor dem Fernseher verbringen.

Schockfasziniert werden wir verfolgen, wie Sonja Zietlow und Daniel Hartwich Klimawandel-Witze machen, während die «Stars» im Camp Empathie zelebrieren. Das wird eklig, so richtig eklig. Noch ekliger als sonst.

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Klimastreik statt Dschungelcamp!

Australiens Buschbrände sind weiterhin ausser Kontrolle

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