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Biohackers Luna Wedler

Oh du grüne Maus! In «Biohackers» gibt es ein paar richtig nette, nerdige Special Effects. Bild: Netflix

Review

Gut, schlecht oder Bio-Hackfleisch? Die Netflix-Serie «Biohackers»

Die Schweizerin Luna Wedler brilliert im deutschen Netflix-Sechsteiler, das lässt sich ganz unbescheiden und stolz sagen. Überhaupt sind da alle sehr, sehr genial.



Wenn Netflix draufsteht, ist es ja ein bisschen egal, was drin ist. Eine Netflix-Serie ist ja immer öfter eine Art Poké Bowl, also jene kalte Schale, die man seit einiger Zeit in jedem Supermarkt mit den immer gleichen Zutaten findet. Reis, Avocado, Mango, Rohfisch, eine salzigsüsse Sauce. Ungefähr so.

In der neuen deutschen Netflix-Serie «Biohackers» besteht der Reis aus sehr jungen Menschen, die Avocado aus nerdiger Hochbegabung, die Mango aus dem Clinch einer jungen und einer älteren Frau in einem bis anhin eher männlich geprägten Arbeitsumfeld, der Rohfisch aus einer dunklen Vergangenheit, die Sauce aus einer idyllischen Universitätsstadt. Klingt wie eine Mischung aus «Big Bang Theory», «Mr. Robot», «Bad Banks» und irgendeiner College-Serie? Ist es auch.

Alles in «Biohackers» fühlt sich an, als hätte man es schon mindestens einmal gesehen. Wiedergekäut.

Trailer zu «Biohackers»

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Video: YouTube/Netflix

Es ist ein Erfolgsrezept aus Erfolgszutaten. In diesem Moment auf Platz eins der deutschen Netflix-Charts. In 190 Ländern zu sehen. Und in der Hauptrolle: eine Schweizerin! Die 21-jährige Zürcherin Luna Wedler («Amateur Teens», «Blue My Mind») nämlich, tatsächlich ein fabelhaftes Ausnahmetalent, müsste man sie auf Hollywood-Massstäbe übersetzen, so wäre sie am ehesten eine drastisch verjüngte Mischung aus Cate Blanchett und Scarlett Johansson.

Überhaupt muss an dieser Stelle mal sackstolz betont werden, wie fantastisch sich die jungen Schweizerinnen auf dem internationalen Film- und Serienparkett behaupten, bereits Ella Rumpf spielte in der Netflix-Serie «Freud» die weibliche Hauptrolle, «Blue My Mind»-Regisseurin Lisa Brühlmann drehte Folgen von «Killing Eve» und «Castle Rock» und arbeitet in Amerika an ihrer eigenen Serie für einen Streaming-Giganten, Carla Juri spielte eine grosse Rolle in «Blade Runner 2049». Und jetzt also Luna Wedler, die bereits im Kontext möglicher Golden-Globe-Nominationen gehandelt wird ...

ella rupf in freud

Schweizer Netflix-Karriere: Ella Rumpf in «Freud». Bild: netflix

Wedler spielt in «Biohackers» die Medizinstudentin Mia Ackerlund, eine komplett geniale Erstsemestrige, die es bereits nach einer einzigen Lektion in den Stab der wissenschaftsweltberühmten, eiskalten Professorin Tanja Lorenz (Jessica Schwarz) schafft. Wo Mia natürlich hin will und dafür auch über Herzen geht. Denn in der Vergangenheit von Lorenz und Mia gibt es eine Schnittmenge des Schicksals.

Mia lebt in einer WG mit lauter Supersmarties, die gentechnisch hochbegabt sind, Pflanzen zum Leuchten und Klingen bringen können und sich selbst allerlei Implantate unter die Haut operieren. Sie sind eben Biohacker. Und wo Mia nicht mehr weiter weiss (was fast nie vorkommt), helfen sie.

Frau Lorenz muss so viel Geld verdienen wie nie eine Professorin oder ein Professor vor ihr, ihre Villa dürfte etwa einen Kilometer lang sein.

Alle leben oder lehren in Freiburg im Breisgau, wo immerzu die spacigsten Parties mit den verrücktesten Drogen und Kopfhörern steigen und wo Frau Lorenz erklärt, dass sie im Unterricht lauter «Schöpfer» ausbilden und Gott «obsolet» machen würde. Fluoreszierende Mäuse rennen rum. Genmanipulierte Mücken haben rote Augen und stechen einen ganzen Zugwaggon bewusstlos. Verrückt, wie aufregend dieses Freiburg ist.

Bild

Who's that God? Tanja Lorenz (Jessica Schwarz) kennt keine Grenzen. bild: netflix

Mia rettet. Mia rennt. Denn Mia brennt für Gerechtigkeit. Und die geht im Universum von Gentech und Biohacking öfter mal in irgendwelchen Röhrchen oder Kühlschränken verloren. Die Handlung ist dabei maximal unwahrscheinlich, das Gefühl Dutzender von Déja-vues derart gross, dass man sich zwischendurch grotesk zu langweilen beginnt.

Zum Glück ist das Handwerk des Spannungsaufbaus in der zweiten Hälfte der Serie recht solide. Und Mias WG bietet einiges an Comic Relief und weirden Charakteren, von denen man gern mehr sehen würde. Und «unsere» Luna Wedler? Ist super. Als Schauspielerin so gut wie ihre Mia als Medizinerin. Leuchtend und unerschrocken.

Bild

Feiert man in Freiburg echt mit derartigen Kopfhören Partys? Im Wald? Mia (Luna Wedler) hat jedenfalls viel Spass da. Bild: Netflix

Eigentlich hätte «Biohackers» bereits im April starten sollen. Doch wie die Pandemie-Serie «Sløborn» wurde es nach hinten verschoben (obwohl das Wort «Pandemie» nur ein einziges Mal in einem Witz vorkommt).

Die Frage, was man seinem durch Corona destabilisierten Publikum zumuten kann, scheint das Nervenkostüm etlicher Programmmachenden dünn gewetzt zu haben.

Vielleicht erfolgte die Verschiebung auch, weil Netflix mit Unterstützung der ETH Zürich behauptet, dass seine Science in «Biohackers» überhaupt keine Fiction sei. Und weil das in Zeiten, da «Wissenschaft» eine ganz neue, oft umstrittene und angezweifelte Präsenz im öffentlichen Diskurs erhalten hat, dreist bis frivol wirken kann. Weshalb Netflix auch schon Videos dazu nachgeliefert hat, was man auf keinen Fall nachahmen soll aus der Serie.

Und so wird etwas, das nun echt nicht als T-Bone-Steak, sondern eher als Biohackfleisch unter den Serien zur Welt gekommen ist, auch nur zur Wissenschaftsnachhilfe für Kinder breitgetreten, die besonders schwer von Begriff sein müssen. Was schade ist. Leute, wirklich, verkauft euren Shit in Zukunft doch einfach wieder selbstbewusst. Das macht ihn zwar nicht besser, aber auch nicht schwächer.

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19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Janeway 26.08.2020 11:05
    Highlight Highlight Ich persönlich fand die Serie sehr unterhaltsam und kurzweilig. Natürlich mehr Fiction als Science, aber da hatte ich auch keine anderen Erwartungen. Mich hat sie an die Anatomie Filme der 90er erinnert.
    Und dass sie einen Einblick in die Biotechnologie gibt (wenn auch nicht einen 100% akkuraten), ist doch cool! Ich find‘s toll, dass dieses spannende Feld mehr Aufmerksamkeit bekommt. Vieles ist ja wirklich schon möglich! In der Serie wurde es teilweise einfach dramatauglich aufgeblasen.
    Wenn ich die Realität sehen will, schaue ich ne Dokumentation...
  • Ihre Dudeigkeit 26.08.2020 09:20
    Highlight Highlight gibt echt schlimmeres auf Netflix. TV soll unterhalten und das tut die Serie - SiFi muss auch nicht immer in sich schlüssig sein. Der grösste Teil versteht den bio - technischen Hintergund eh nicht. Ist jetzt halt mal ne deutsche Serie auf amy Style gepimpt.
  • Stefan Z. 26.08.2020 08:13
    Highlight Highlight Ich fand die Serie ok. Kann man mal anschauen. Recht wenig Folgen und durch den langen Abspann auch recht kurz. Die Schauspieler fand ich eigentlich ganz gut. Aber ist halt wie beim kochen. Kein Koch kann zaubern, wenn die Zutaten Mittelmass sind. Die meisten Charaktere sind halt recht eindimensional geschrieben. Dabei hat die Serie potential. Nur, jedes Mal als ich dachte, jetzt geht's aber richtig los, ist sie wieder in's kleinstädtische Denken zurückgefallen. Etwas grösser denken und den typisch deutschen (Til Schweiger) Humor weglassen, hätte schon viel verbessert.
  • Rosskastanie 26.08.2020 08:06
    Highlight Highlight Sorry, Netflix misst sich leider immer mehr in Quantität denn in Qualität. Aalglatt, die ganze Sache, wie ein Werbefilm einer Pharmafirma. Und es ist immer wieder lustig zu sehen, wie sich Kritiker an der Herkunft einer Schauspielerin festbeissen, um ein bisschen Glamour in die bieder-bräsige Schweiz zu holen, dabei ist Herkunft und Geschlecht doch egal. Fun fact: Entscheidet sich der erste Kritiker dafür, dass die Serie geil und die Darstellerin das "next big thing" in der Unterhaltungsindustrie ist, wird kritiklos in den Himmel gelobt und man liest kaum mehr was Kritisches, das ist schade.
  • sternsucher 26.08.2020 07:58
    Highlight Highlight Leute.... das ist Kino. Unterhaltung, Geschichten aus einer Traumwelt..... was muss da immer rein interpretiert werden? Ich fand es mal schön, nicht nur immer Berlin oder New York zu sehen. Freiburg ist doch cool. Die Schauspieler auch. Unterhaltsam, wenn man es einfach guckt und nicht jede zweite Szene hinterfragt. Mir hat es ganz gut gefallen, da gibt es Schlechteres von Netflix!
  • Rethinking 26.08.2020 06:06
    Highlight Highlight Ich lese gerne Bücher:

    Marc Elsberg - Helix
    Daniel Suarez - Bios
  • Herbibi 26.08.2020 04:18
    Highlight Highlight Sie bringen es auf den Punkt: “ Die Handlung ist dabei maximal unwahrscheinlich, das Gefühl Dutzender von Déja-vues derart gross, dass man sich zwischendurch grotesk zu langweilen beginnt“. (Für mich - ganz persönlich - trifft dieser Satz allerdings auf die meisten Serien zu). Pardon Netflix und ganze Serienindustrie: Heute gilt wohl nicht mehr nur “Sex sells“ sondern “Schrott sells.
  • Sawa Pädi 25.08.2020 22:45
    Highlight Highlight Ziemlich schwach das Ganze, schaue nur fertig da es nach F kurzen Episoden vorbei ist.
  • EarlofGrey 25.08.2020 22:31
    Highlight Highlight Alles solide gefilmt und erzählt, aber die Geschichte bediente mit den Figuren schon soviele Teenieroman-Klischees, das es von Beginn weg weh tat: die quasslige Nerd-Asiatin, der verpeilte Bodymod-Youtuber, die heimlich reiche Nymphomanin und obendrauf die skrupellose Karriere-Professorin. Und alle bleiben dabei dabei dennoch flacher in der Darstellung als Scheibelttenkäse. Leider habe ich zu keinem Zeitpunkt mit einer Figur mitgefiebert. Wahrscheinlich gehöre ich aber auch nicht zur Zielgruppe....
  • ETH1995 25.08.2020 22:07
    Highlight Highlight Die Science ist lausig. Es werden viel zu viele Dinge vermischt. Nur weil einige Dinge nicht ganz falsch sind, macht sie das nicht wahr.
    Nur ein Beispiel: Antikörper sind Proteine und können nicht amplifiziert werden. DNA kann amplifiziert werden. Wenn nur einer mit einem MolBio Masters das Skript gelesen hat, muss er Stopp gerufen haben. Das ist so falsch wie das Perpetuum mobile. Es geht einfach nicht! Solche Fehler dürfen nicht rein, da kann man noch lange in jedem zweiten Satz CRISPR rufen... welches übrigens viel länger dauert. Auch RNA synthetisiert sich nicht über Nacht de novo.
  • Hans Jürg 25.08.2020 21:55
    Highlight Highlight Ich freue mich schon auf Staffel 2 und hoffe, dass die Story weiter spannend bleibt.
    Auf jeden Fall lässt mich der Cliff Hanger darauf hoffen.
  • Ribosom 25.08.2020 21:26
    Highlight Highlight Meine Arbeitskollegin hat mir davon erzählt. Die Serie ist so schlecht, dass ich sie schauen muss.
    Ich liebe Sci-Fi, aber wenn es real wirken soll, muss man auch bei der Realität bleiben! Nein, GFP leuchtet nicht wie ein Slimey und es klebt auch nicht auf der Oberfläche von Pflanzen. Arbeitet man unter höchsten Sicherheitsmassnahmen in einer Bench, soll man danach das Reagenzglas nicht ohne Handschuhen anfassen.
    Ich freue mich auf die Fragen meiner Verwandtschaft und Bekannten, ob ich auch solche coolen Dinge im Labor mach. Ich muss mir eine gute Story dazu überlegen...
    • Lioness 26.08.2020 02:03
      Highlight Highlight Gibts in der Serie auch farbige Reagenzien in Laborflaschen? Bei mir in Echt sind nämlich immer nur alle durchsichtig, auch die Gedährlichsten.
  • Noach 25.08.2020 21:06
    Highlight Highlight Der Schluss schreit nach einer zweiten Staffel,sonst nicht glaubhaft.
  • Dewar 25.08.2020 21:01
    Highlight Highlight Fand die Serie enttäuschend. Übertrieben viel Fiction, wo doch die Spannung auch mit Science und gutem Drehbuch funktionieren würde. Stattdessen wird mit klingenden Pflanzen von der flachen und unrealistischen Charakterentwicklung abzulenken versucht. So bitzli wie bei den letzten Staffeln Game of Thrones. Da waren's CGI-Effekte, die vom überhasteten und unsauberen Storytelling hinwegtäuschen sollten, aber das Gefühl ist irgendwie dieselbe Enttäuschung. Hatte mir mehr erhofft, nachdem die Serie als Marketing-Gag durch die ETH Zürich sogar in DNA gespeichert wurde:
    Play Icon
  • DK81 25.08.2020 20:43
    Highlight Highlight Freiburg ❤️
  • Konzeptionist 25.08.2020 20:11
    Highlight Highlight Gerade Folge 1 gesehen - weiss jetzt schon, dass ich die Staffel suchten werde. Shit Happens
    • Die_andere_Perspektive 25.08.2020 22:33
      Highlight Highlight Bei mir genau anders rum. Hab bis dahin geschaut als der eine gesagt hat er habe sich einen Chip unter die Haut implantiert, danach musste ich abschalten. Die Schauspieler sowie die Art der Serie haben mich zu hart getriggert 😅 sich wenn ich das setting an sich spannend finden würde. Hat halt jeder seine Vorlieben
  • morax 25.08.2020 20:05
    Highlight Highlight Ich hab die Serie nur eben wegen Luna geschaut, aber hätte getrost daruf verzichten können.

    Flache Story, mässige Schauspieler-Leistung, plumpe Dialoge.

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