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«Nobody is perfect»

Da gehst du in ein Camp und deine Coaches sehen so aus ... Bild: sat.1

Review

Sat.1 zeigt die nackteste Wahrheit – und legt mit den Kleidern den Zynismus ab

«No Body Is Perfect» hätte die ultimative Freakshow werden können. Herausgekommen ist jedoch etwas überraschend Wohltuendes.



Der Körper und das Fernsehen kennen viele Beziehungsformen. Der Körper spielt Fussball, fährt Ski, singt, tanzt, soll als Topmodel taugen, wird mit gutem oder ekligem Essen gefüllt, in Hochzeitskleider gepackt, wird geschrumpft, wird schönheitsoperiert. Und manchmal rennt er auch einfach nackt mit anderen Nackten auf einer Insel herum und die Kameras lauern darauf, wer sich mit wem paart.

Das Fernsehen beschäftigt sich tagein tagaus mit dem Körper und seinen Grenzen. Mit der Überwindbarkeit von Makeln und Schwächen. Die Schönste, der Schnellste, die Erfolgreichste sollen sich dabei offenbaren.

Gelegentlich checkt das Fernsehen, dass im Körper drin auch noch immaterielle Dinge wie der Geist oder die Seele stecken. Und dass es zwischen dem Aussen und dem Innen eine Differenz gibt.

Bei den Deutschen etwa, hat Sat.1 herausgefunden, ist diese Differenz, die in Unzufriedenheit und Unsicherheit mündet, nicht klein. Nein, sogar ziemlich gross. «53 Prozent der Deutschen», raunt das Fernsehen, sollen laut einer Umfrage unzufrieden mit ihrem Körper sein, 7 Prozent fänden sich geradezu rasend unattraktiv.

«Nobody is perfect»

Martin wählt für sein Bodypainting gesprengte Ketten. Bild: sat.1

Das muss man doch nutzen, dachte sich Sat.1, und siehe da (gut, wahrscheinlich war die Reihenfolge umgekehrt), wie so oft hatten die Briten bereits das passende TV-Format dafür entwickelt: Man nehme ein paar Menschen, die das Leben äusserlich gezeichnet hat und deren Body-Image-Wert, wie das heisst, am Boden liegt. Sodann umgebe man sie tagelang mit Nackten. Aha?

Ja! Mit unperfekten, aber total selbstbewussten, glücklichen Nackten. Sie sind nackt beim Frühstück, nackt beim Spazieren und das nicht nur am Nacktstrand, sie sind einfach überall und immer nackt. Mit einem Miniminislip, Brustwarzenabklebern und Bodypainting. Ganz nackt sind sie erst am Schluss, da gehen sie mit ihren Schützlingen, die sich dann hoffentlich auch ganz entblössen, ins Meer. Das ist wie eine Taufe im Fluidum von Bodypositivity und Selbstwertgefühl.

Das Aussen und das Innen sollen sich versöhnt und harmonisch wieder ins Flugzeug setzen. Jedenfalls vorübergehend.

Bei Sat.1 heissen die nackten Coaches Paula (Sex- und Beziehungsexpertin), Daniel (Plus-Size-Model), Silvana (Fotografin) und Sandra (Autorin). Und ja, da quillt das Fleisch, hängen die Brüste, ranken sich Narben, macht sich Cellulite gemütlichst breit. Und dann kommen zum Beispiel Tanja, Monika und Martin, die sich alle drei hässlich finden, Martin, weil er fett ist, Monika, weil sie sich in den Wechseljahren befindet, Tanja, weil sie schon in jungen Jahren ihre Brüste an den Brustkrebs verloren hat.

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Monika lässt sich zu einer ägyptischen Göttin schminken. Bild: sat.1

Alle ziehen sich von der Welt zurück, hassen sich in Einzelteilen und insgesamt, und denken an nichts anderes als daran, was andere über sie denken könnten. Mitschuld, sagt das Fernsehen, seien an ihrem Unglück unbedingt auch die sozialen Medien mit ihrer Spiegelfläche aus zur Unkenntlichkeit bearbeiteten Körpern.

Und dann beginnt also ein Reigen, der nichts anderes zum Ziel hat, als nackte Menschen zu zeigen und Freakshow zu machen. Das heisst... nein! Tut es tatsächlich nicht.

Nach den ersten beiden Folgen von «No Body Is Perfect – Das Nacktexperiment», muss man sich eingestehen, dass hier aus der Jauchegrube des Trash-TVs mal etwas ganz Umsichtiges, Empathisches, Rücksichtsvolles gewachsen kommt.

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Tanja liess sich mit den Motiven Tag und Nacht bemalen. Bild: sat.1

Im Wellnessbad aus pausenlosem Zuspruch – «Ich seh ne starke Frau, ne tolle Frau, ne wunderschöne Frau, ein Vorbild für ganz viele» –, sanftem Actionprgramm und Nettigkeiten wie neuen Kleidern und Foto-Shootings blühen die armen Kandidatenkörper wieder auf und wachsen mit den Seelen zusammen. Noch nie wirkten irgendwelche Coaches oder Juroren derart tröstlich. Und ja, dass sie dabei nackt und also selbst verletzlich und angreifbar sind – von jedem einzelnen zuschauenden Augenpaar –, macht das Ganze tatsächlich irgendwie glaubhafter. Nahbarer ohne voyeuristisch zu sein.

Man denkt sich, okay, so ungefähr wäre wohl eine friedliche Koexistenz der Lebewesen im Paradies gemeint gewesen, irgendwie ist das doch verrückter Hippie-Shit. Mit den Kleidern legt das TV den Zynismus ab. Und hüllt die versehrten Körper in Mitmenschlichkeit. TV als Wohltat. Auch das ist also möglich.

«No Body Is Perfect» läuft montags um 20.15 Uhr auf Sat.1

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