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Elder Price (Mitte) und Elder Cunningham (rechts) müssen nach Uganda. bild: Paul coltas

Review

«Fuck you, God!»

Wer sich schon immer gewundert hat, wie «South Park» wohl in echt aussehen würde, der muss jetzt weiterlesen. Das Musical «The Book of Mormon» weilt momentan in Zürich und schafft es, wie seine Schwester-Sendung auch, keinen Witz unter der Gürtellinie auszulassen und trotzdem niemanden zu beleidigen. Grossartig!



Elder Price (Kevin Clay) ist ein Vorzeige-Mormone. Ein Streber mit grossen Ambitionen. Als sein Jahrgang das Training für Missionare in Salt Lake City abschliesst, ist es sein Traum, nach Orlando, Florida zu gehen, der Heimat von Disney-World. Eine perfekte amerikanische Scheinwelt, in der alles glitzert und leuchtet und dessen Disney-Schloss frappante Ähnlichkeiten zur Mormonenkirche in Salt Lake City aufweist.

Doch es kommt anders. Zusammen mit Elder Cunningham (Conner Peirson), einem Geschichten erfindenden Tölpel, wird er nach Uganda geschickt. Dort sollen die beiden, die in ihrem monochromen Gewand aussehen wie Karikaturen von Versicherungsvertretern, Konvertiten gewinnen.

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Die beiden erleiden einen kleinen Kulturschock. bild: Paul Coltas

Wer «South Park» ein bisschen kennt, der weiss, was nun folgt: Ein Feuerwerk aus tiefschwarzem, pubertärem und krudem Humor.

Die beiden Missionare haben kein leichtes Spiel. Die gesamte Dorfbevölkerung lebt in Armut, leidet an Aids und wird von einem lokalen Warlord terrorisiert. Den Glauben an die Menschheit, beziehungsweise an Gott, haben sie komplett verloren. Und so zeigen sie den beiden Neuankömmlingen, wie man mit der Misere in Uganda umgeht. Mit erhobenem Mittelfinger singt man «Hasa Diga Eebowai», was so viel wie «Fick dich, Gott» heisst.

«The Book of Mormon» ist eine typische Coming-of-Age-Geschichte. Die beiden Jung-Missionare sind mit der Aufgabe, die Ugander zum Mormonen-Glauben zu bewegen, heillos überfordert. Und so fabuliert Elder Cunningham eine neue, (noch) obskure(re) Version der Kirchenmythologie und wird dabei zu einem richtigen Mann.

17 Millionen Besucher

Matt Stone und Trey Parker, die Erfinder von South Park, sind seit langem Musicalfans. Mit «The Book of Mormon» haben sie sich einen Traum erfüllt. Und wie: Seit das Stück im Jahr 2011 in New York Premiere feierte, haben es sich weltweit rund 17 Millionen Leute angeschaut. Regelmässig wird es von Kritikern rund um den Globus als eines der besten Musicals der jüngeren Geschichte gelobt. Neun Tony-Awards hat es bereits erhalten.

Grund dafür dürfte wohl die Mischung aus grandioser Musik, Entertainment und Humor sein. Stichwort Musik: «The Book of Mormon» ist ein Musical für Leute, die Musicals nicht mögen. Bereits in der Einstiegsnummer wird dem Musical-Pessimisten bewusst, dass es ein guter Abend werden wird.

Denn das Stück ist gespickt mit Ohrwürmern und grandiosen Showeinlagen, zum Beispiel wenn Elder Price seinen Höllen-Traum träumt und plötzlich meterhohe Teufel, Darth Vader und Meister Yoda zusammen ein Ständchen singen.

Die Musik ist dabei mannigfaltig: Von Swing, Stepptanz, kitschigen Balladen bis hin zu afrikanischer Trommelmusik und Rock and Roll ist alles vertreten.

Trotz bitterbösen Witzen beweist die Show Herz und Einfühlsamkeit. Sie ist eine Ode an die Freundschaft und die Solidarität, gesalzen mit einer gehörigen Portion Politik- und Gesellschaftskritik. Die Figuren sind zudem mit so viel Liebe angelegt, dass man beim Verlassen der Vorstellung sogar die Mormonen ein bisschen ins Herz geschlossen hat.

«The Book of Mormon» läuft bis zum 5. Januar 2020 im Theater 11 in Zürich.

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