Leben
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7 Elternschaftsmodelle aus der Tierwelt, die uns Schweizern voraus sind

In der Schweiz grassiert die Diskussion um den Vaterschaftsurlaub. Blicken wir doch mal in die Natur und schauen, welche Elternschaftsmodelle dort das erfolgreiche Aufziehen des eigenen Nachwuchses garantieren.



Klar, der Mensch ist vielen anderen Tieren aufgrund seiner genetischen Veranlagung überlegen – oder glaubt zumindest, dies zu sein. Doch diese genetische Raffinesse führt auch dazu, dass wir manchmal den Bezug zur Natur verlieren. Blicken wir deshalb mal wieder zu den Tieren. Vielleicht kann man ja etwas lernen.

Natürlich gibt es viele Tier-Eltern, deren Verhalten für uns nicht direkt vorbildlich ist. So wäre es gelinde gesagt suboptimal, sich an Löwen oder Bären zu orientieren, die Jungtiere aus Paranoia töten. Ebenso ist es schwierig, sich an den Seepferdchen zu orientieren, bei denen das Männchen den Nachwuchs gebärt.

Dennoch gibt es einige interessante Modelle, die in der Tierwelt Erfolg versprechen. Und vielleicht kann man auch was draus lernen. Vielleicht hat man aber auch einfach etwas dazugelernt.

Babysitting als Win-Win-Win-Situation

Während die matriarchalischen Strukturen der Elefanten vielleicht nicht die Idealvorstellung elterlicher Fürsorge sind, warten sie nichtsdestotrotz mit einem vorbildlichen Kniff in der Kinderbetreuung auf.

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Elefantenkühe müssen ihre Rüssellänge selten überkompensieren. Bild: shutterstock

Elefantenherden haben bekanntlich eine sehr komplexe Sozialstruktur, die in Form von Babysitting Müttern zugute kommt. Vor allem jüngere Elefantenkühe drängen sich als Babysitter auf. Dies hat gleich mehrere positive Auswirkungen.

Zum einen profitieren die Mütter, die durch die «Ruhepausen» entlastet werden. Zudem können sie durch die Entlastung länger und konstanter Milch produzieren, was den Kälbern zugute kommt. Aber auch die adoleszenten Babysitter profitieren, indem sie Erfahrungen sammeln, was ihnen zugute kommt, wenn sie selber Mütter werden.

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«Kita deluxe» bei den Elefanten. Bild: shutterstcok

Resolute Konfliktbewältigung

Erdbeerfröschchen leben in den Tropen und den Subtropen. Dass es sie als Art überhaupt noch gibt, ist alleiniger Verdienst intensiver Elternarbeit. Und diese übersteigert in Sachen Aufwand so einiges, was andere fürsorgliche Eltern im Tierreich zu leisten haben. Aber der Reihe nach.

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Knapp so gross wie ein Fingernagel, aber eine Leidenschaft fürs Eltern-Sein wie italienische Fussballer fürs Hymnen-Singen. Bild: shutterstock

Zuerst legt die Mutter die Eier auf den Boden des Regenwalds. Damit diese wohl umsorgt sind und schlüpfen können, müssen sie feucht gehalten werden, was durch regelmässiges, väterliches Urinieren über die Eier sichergestellt wird. Sind die Kaulquappen geschlüpft, geht die Büez erst los.

Werden sie nämlich im selben Rinnsal gelassen, essen sie sich gegenseitig auf. Deshalb trägt die Mutter sie einzeln auf ihrem Rücken in separate Frischwasser-Pools auf Bäumen, damit sie geschützt vor Räubern (und ihren Geschwistern) sind. Ist dies vollbracht, muss die Mutter kontinuierlich jede Kaulquappe einzeln beäugen und mit Nahrung versorgen, während der Vater durchs Revier streift, um die Familie vor Feinden zu schützen.

Väter bringen ihren Kindern Selbstständigkeit bei

Rotfuchsrüden gelten gemeinhin als gute Väter. Sie können in freier Wildbahn oft beim Spielen mit den Jungfüchsen beobachtet werden. Bevor es jedoch so weit ist, sind sie die klassischen Nahrungsbeschaffer (die Welpen kriegen bereits zwischen der dritten und der vierten Woche feste Nahrung vorgesetzt), während die Fähe mit dem Umsorgen und Säugen der Jungtiere beschäftigt ist. So weit, so konservativ.

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Ein Bild wie Balsam für die bürgerliche Seele: Mutti zuhause mit den Kindern. Bild: shutterstock

Der eigentliche Clou des fuchsigen Vaterseins kommt hingegen erst nach gut drei Monaten zum Vorschein. Die Welpen wollen den Fuchsbau verlassen und schliessen sich dem Rüden auf Erkundungstouren an. Jagen können sie derweil aber noch nicht. Und lernen dies auf die harte Tour.

Der Vater bringt schlicht keine Nahrung mehr nachhause für die Kleinen, was diese dazu animiert, das Beobachtete selbst auszuprobieren. Anders als bei manchen Greifvogelarten ist der Fuchsvater jedoch nicht ganz so erbarmungslos. Er vergräbt gejagte Beutetiere in der Nähe des Baus, sodass die Jungtiere diese erschnüffeln und essen können und ergo nicht verhungern müssen, sollte das mit dem Jagen nicht auf Anhieb klappen.

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Wenn dir Papi plötzlich das Studiumsgeld nicht mehr zahlt das Essen nicht mehr nachhause bringt. bild: shutterstock

Väterliche Fürsorge sichert das Überleben

Im Tierreich ist es ja relativ üblich, dass die Mutter der Hauptfokus der Jungen ist. In Anbetracht der elterlichen Ressourcen-Verteilung ist dies natürlich bestens nachvollziehbar. Aus dieser Perspektive ist das Aufzuchtverhalten der Nachtaffen etwas sonderbar.

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Das Gerüst eines Nachtaffen. Bild: imgur

Nachdem die Kleinen zur Welt kommen, klammern sich diese vorerst instinktiv an die Mutter – wer hätte es gedacht. Doch nach einigen Tagen der Angewöhnung übernimmt der Vater die Rolle des Umklammerten. So kümmert er sich mehrheitlich um die Aufzucht, während sich die Mutter von der Geburt erholen und sich um die Ernährung des Jungen kümmern kann.

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Die Vaterrolle steht dem Nachtaffen aber auch wirklich unverschämt gut. Bild: shutterstock

Die Sterblichkeitsrate von Jungtieren ist im Vergleich zu anderen Primaten äusserst gering, was gemäss Forschern auf die vorbildliche elterliche Fürsorge zurückzuführen sein könnte, die in diesem Sinne auf einer sinnvollen Rollenverteilung fusst.

Ultimative Arbeitsteilung

Flamingos gelten als soziale Vögel, die in grossen Kolonien mit eher komplexen Sozialstrukturen leben. Die Aufzucht der Küken ist gar so modern, dass man davon ausgehen könnte, dass es sich bei Flamingos um ein skandinavisches Spirit-Animal handelt.

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Der Hals zeigt ganz klar ein S. «S», wie etwa in «Skandinavisches Aufzuchtmodell». Natur der Wunder. bild: shutterstock

Bei den Flamingos wird in Sachen Aufzucht nämlich eines ganz gross geschrieben: Timeshare. So wird das Nest genauso gemeinsam erbaut, wie das Ei auch gemeinsam gebrütet und beschützt wird. Ist das Flamingo-Küken dann geschlüpft, wird es gefüttert. Und auch dabei haben sich Flamingos auf eine 50:50-Rollenverteilung geeinigt.

Ebenfalls wurden bei den Flamingos auch gleichgeschlechtliche Paare gesichtet. Ganz ohne soziale Ächtung.

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Neuere Studien legen indes nahe, dass das Hals-S auch für «Sehr fair verteilt, das Ganze» stehen könnte. Bild: shutterstock

Positive Anreize führen zu guten Vätern

Hand aufs Herz: Im Kinderkriegen liegt eine Portion Egoismus begraben. Sei es das eigensinnige Propagieren des eigenen Genpools, das Ausleben der einem selbst verwehrten Träume oder das Sehnen nach einem Sinn im eigenen, belanglosen Leben. Zumindest im Promillebereich dürften diese Mechanismen relevant sein. Berberaffen sind da nicht anders. Machen aber auch keinen Hehl draus.

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Je höher der Rang der Berberaffenfamilie, desto wichtiger das Baby-Shooting – so die Faustregel. Bild: shutterstock

Bei den nordafrikanischen Berberaffen sind Babys eine Art Statussymbol, ein Schlüssel für Social Networking, wenn man so will. Das Sozialleben dieser Affen dreht sich hauptsächlich um Babys, was für alle Mitglieder der Gruppe einen Anreiz schafft, sich gut um ihre eigenen Babys zu kümmern.

So nehmen Väter ihre Jungen überall mit hin, um so von anderen Vätern akzeptiert zu werden. Wer dazugehören will, muss ein guter Vater sein, der sein Baby stets umsorgt. Julia Fischer vom Deutschen Primatenzentrum sagte gegenüber National Geographic:

«Ähnlich wie Menschen mit Hunden: Es ist wesentlich einfacher, das Eis zu brechen, wenn man einen Hund hat.»

quelle: nationalgeographic

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Aw, yes. 1 Networking Device. Bild: shutterstock

Der positive Anreiz, der sozial geschaffen wird, sorgt also so dafür, dass sich nicht nur Mütter um die Kleinen sorgen, sondern auch Väter Interesse daran haben, möglichst viel Zeit mit den Jungen zu verbringen. Der Nebeneffekt davon ist, dass sich auch andere Affen der Gruppe um die Kinder kümmern, da sie ein Interesse daran haben, als Männchen wahrgenommen zu werden, das es versteht, mit Jungen umzugehen.

Situationsbedingtes Aufteilen der elterlichen Kapazität

Es ist keine neue Erkenntnis, dass Kaiserpinguine enorm hingebungsvolle Eltern sind. Schaut man lediglich die Prämisse ihres Engagements als Eltern an, wird gar deutlich, dass sie nicht nur hingebungsvolle, sondern auch clevere Eltern sind. Weil sie es müssen.

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Wenn Kinder dich dazu auffordern, zu schauen, wie schnell sie rennen können, dann aber absolut durchschnittlich schnell rennen und du deine Zeit vergeudet hast – ein Schicksal, das auch Kaiserpinguine betrifft. bild: shutterstock

Kaiserpinguine sind gezwungen, ihren Nachwuchs unter garstigen Bedingungen auszubrüten und aufzuziehen. Die Temperaturen zehren an den Kräften, was mitunter bedeutet, dass Pinguine nur ein Ei aufs Mal legen können. Dieses darf denn auch kaum je den niedrigen Temperaturen ausgesetzt sein, was pausenloses Brüten bedeutet. Eine Arbeitsaufteilung ist unausweichlich.

Da die Produktion und das Legen eines Eis unter diesen Bedingungen viel Kraft kostet, übernimmt das Männchen das Brüten, während das Weibchen loszieht, um Futter zu suchen und wieder zu Kräften zu kommen. Die Männchen wurden fürs Brüten von der Evolution deshalb mit einer Ei-Tasche ausgestattet.

Bis zu 100 Tage muss das Männchen ausharren, ehe das Küken schlüpft und die Mutter wieder zurückkehrt. Folglich übernimmt die Mutter die Obhut und das Männchen zieht los, um die Energiereserven wieder auf Vordermann zu bringen.

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23 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Bee89
20.09.2020 09:01registriert May 2018
Wenn sogar die Tierwelt um Welten sozialer ist als das Sozialwesen in der Schweiz. Es wird echt Zeit diese sogenannten bürgerlichen Parteien, die sich ja so sehr um die schweizer Familien “sorgen” in die Verantwortung zu ziehen!
2 Wochen Vaterschaftsurlaub ist ein klitzekleiner Schritt in die richtige Richtung. Wir brauchen Elternzeit mit fixen und flexiblen Zeiten!
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Prometheuspur
20.09.2020 08:33registriert February 2020
Im Berliner Zoo gab es doch mal ein schwules Pinguinpaar die ein Ei "adoptierten" 😍 Inwiefern es allerdings eine Sensation gewesen ist, weil es Homosexuelle Pingus waren sei dahingestellt, da dies nicht unüblich ist und sie es einfach tuen - schwul hin oder her - süss.
Tierische "Adoptiveltern" gibt's ja auch bei anderen Arten wie bspw. den Delphinen.
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Rethinking
20.09.2020 09:53registriert October 2018
„Hand aufs Herz: Im Kinderkriegen liegt eine Portion Egoismus begraben.“
Vielen Dank für diese ehrliche und reflektierte Aussage...
Daran sollte man gelegentlich denken.
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23

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