Panorama
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Erste Hälfte des 20. Jahrhunderts

16 Vorher-nachher-Bilder: So brav sah die Langstrasse aus, bevor sie zur nationalen Partymeile wurde



An Wochenenden und während Fussball-Endrunden auch werktags strahlt die Zürcher Langstrasse weit über die Stadtgrenzen hinaus. Nirgends in der Schweiz wird derart ausgelassen gefeiert. Das war nicht immer so: In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ging es in dem damaligen Arbeiterquartier noch eher beschaulich zu und her. Davon zeugen historische Aufnahmen aus den Archiven der Stadt Zürich.

Eine Langstrasse ohne Szenelokale, Multikulti und Verkehrschaos. Dafür mit Konsumverein, alkoholfreien Restaurants und Kopfsteinpflaster. watson hat die besten Aufnahmen ausgewählt und dieselben Ecken im Sommer 2014 noch einmal besucht. Entstanden sind 16 Damals-Heute-Vorher-Nacher-Bilder. Frei von Nostalgie, aber voller faszinierender Details.

1. Vom Limmatplatz aus

Undatiertes Bild der Langstrasse, aufgenommen vom Limmatplatz aus. Rechts das Restaurant Kornhausbrücke, das inzwischen Restaurant Kornhaus heisst. Gleich nebenan die Papeterie Ryffel, die im Juni 2014 nach 90 Jahren ihre Tore schloss.

Bild: Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich

Bild: watson

2. Ecke Fierzgasse

Wohl aufgrund ihrer Länge und ihres geradlinigen Verlaufs wurde und wird die Langstrasse gern für Demonstrationszüge benutzt. Im Bild eine Kundgebung der Kommunistischen Partei der Schweiz im Wahlkampf 1925. Sie gewann in diesem Jahr drei Nationalratsmandate, 1940 wurde sie verboten. 

Bild: Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich

Bild: watson

3. Ecke Heinrichstrasse I

Falls beim Scrollen der Eindruck entstehen sollte, die Langstrasse sei damals autofrei gewesen: Am 18. Mai 1935 stiessen an der Ecke Langstrasse-Heinrichstrasse ein Bus und ein Lastwagen zusammen. Heute so nicht mehr möglich, weil Ein- und Ausfahrt Heinrichstrasse für Fahrzeuge gesperrt sind.

Bild: Stadtarchiv Zürich

Bild: watson

4. Ecke Heinrichstrasse II

Dieselbe Ecke am 2. April 1946. Das Uhren- und Schmuckgeschäft Bourquin ist geblieben, während die Bäckerei Müller nebenan Werners Head Shop gewichen ist. 

Bild: Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich

Bild: watson

5. Ecke Heinrichstrasse III

Gleich gegenüber, ebenfalls am 2. April 1946, eine Filiale des Konsumvereins Zürich. Dieser war 1851 (lange vor Coop und Migros) mit dem Ziel gegründet worden, den Zwischenhandel zu umgehen und so ärmeren Bevölkerungsschichten günstige Lebensmittel anzubieten. Heute befindet sich dort das vegetarische Restaurant Samses. 

Bild: Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich

Bild: watson

6. Ecke Josefstrasse

Die Ecke Langstrasse-Josefstrasse am 16. März 1961. Im Restaurant Blaubeck befindet sich heute das Restaurant Cinque und im Café Carina einen Block weiter ein McDonald's. 

Kim Yo Jong

bild: baugeschichtliches archiv der stadt zürich/watson

7. Unterführung

Szene aus dem Film «Bäckerei Zürrer» von Kurt Früh aus dem Jahr 1957, der im Langstrasse-Quartier gedreht wurde. Herr Berger (gespielt von Fred Tanner) und sein Sohn Fredi (gespielt von Jürg Grau) durchqueren die Langstrasse-Unterführung Richtung Süden. In ihrer heutigen Form mit separaten Fuss- und Velowegen besteht sie seit 1986.

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Screenshot: Praesens-Film AG

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Bild: watson

8. Ecke Neufrankengasse

Unmittelbar nach der Unterführung auf der rechten Seite das Wohn- und Geschäftshaus in einer Aufnahme von 1949. Im Parterre war damals ein Polizeiposten einquartiert. Heute zeigt die Polizei zwar regelmässig Präsenz an der Ausgehmeile, eine Regionalwache direkt an der Langstrasse unterhält sie aber nicht mehr. 

Bild: Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich

Bild: watson

9. Ecke Lagerstrasse

Das Restaurant zum Roten Turm an der Ecke Langstrasse-Lagerstrasse am 9. April 1946. Seit 1966 ist dort die kultige Olé-Olé-Bar untergebracht. Das Schild der Römer-Apotheke nebenan war noch bis vor ein paar Jahren zu sehen. Heute befindet sich dort eine Galerie. 

Bild: Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich

Bild: watson

10. Ecke Zwinglistrasse

Die Ecke Langstrasse-Zwinglistrasse in einer undatierten Aufnahme. Das Confektionshaus zur Union gibt es nicht mehr, an seiner Stelle steht jetzt eines von vielen türkischen Schnellrestaurants. 

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Bild: Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich/watson

11. Kino Roland

Balkon des Kino Roland an der Langstrasse 111, fotografiert im Jahr 1951. Seit 1913 werden dort Filme gezeigt. Laut Website des aktuellen Betreibers gehörte es einer jüdischen Familie, die das Kino in der Zeit des Zweiten Weltkriegs verkaufte, weil sie keine deutschen Filme zeigen wollte. Als sich die Langstrasse in den 1950er-Jahren vom Arbeiterviertel zu Zürichs Little Italy wandelte, wurden im Roland vor allem Spaghettiwestern gezeigt. Seit 1978 ist es ein Pornokino. 

Bild: Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich

Bild: watson

12. Nummer 94

Das Geschäftshaus an der Langstrasse 94 in einer Aufnahme aus dem Jahr 1953. Im Parterre wurden damals Schuhe verkauft, heute steht dort die anrüchige Piranha Bar. Das Restaurant Orsini nebenan wich später ...

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Bild: Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich/watson

13. Nummer 92

… dem Restaurant Napoli, hier in einer Szene aus Kurt Frühs Film «Bäckerei Zürrer» aus dem Jahr 1957. Später wurde es ein Stripclub. Heute beherbergt es das Lokal Longstreet. 

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Screenshot: Praesens-Film AG

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Bild: watson

14. Ecke Brauerstrasse I

In einer anderen Szene fährt gleich gegenüber an der Ecke Langstrasse-Brauerstrasse der 32er-Bus. Damals war der Bucheggplatz Endstation. 

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Screenshot: Praesens-Film AG

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Bild: watson

15. Ecke Brauerstrasse II

An derselben Ecke betrieb der Zürcher Frauenverein (ZFV) in den 1930er-Jahren eines seiner alkoholfreien Restaurants. Hier der Sonnenblick in einer undatierten Aufnahme. Das strikte Alkoholverbot hob die Gastrogruppe erst 2001 auf. Heute steht an derselben Stelle die Gothic-Boutique Soho.  

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Bild: Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich/watson

16. Ecke Stauffacherstrasse

Nicht viel geblieben ist von diesen Kaufhäusern an der Ecke Langstrasse-Stauffacherstrasse, hier in einer Aufnahme aus dem Jahr 1954. Sie wurden 1955 abgerissen und wichen zwei Wohn- und Geschäftshäusern – aus städtebaulicher Sicht mit bescheidenem ästhetischem Zugewinn. Am rechten Bildrand zeichnet sich das 1906 erbaute Wohn- und Bankgebäude ab, das heute im Parterre die Sportbar Hooters beherbergt. 

Bild: Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich

Bild: watson

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