Schweiz
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Analyse

Ein Profi-Pendler erklärt in 9 Punkten, was die gepimpten SBB-Züge taugen (und was nicht)

Unser watson-Reporter pendelt seit Jahren mit den IC2000-Doppelstöckern zwischen Bern und Zürich. Er hat die komplett erneuerten Wagen beim Roll-Out in Olten unter die Lupe genommen.



180'000 Pendler und Ausflügler fahren mit den alten IC2000-Doppelstöckern jeden Tag kreuz und quer durch die Schweiz. Nach 20 Betriebsjahren peppen die SBB bis 2024 alle 341 Wagen auf. Kosten: 1 Million Franken pro Stück. 

Und das haben die SBB mit dem Geld gemacht: 

Steckdosen 🙂

Bild

Bild: watson

Für Smartphone-Junkies sind die Steckdosen mittlerweile fast wichtiger als der Sitzkomfort. Denn die IC-Züge mausern sich je länger je mehr zum mobilen Büro, Netflix-Kino oder Gamezimmer. 

In den modernisierten Wagen haben die SBB die Steckdosen neu angeordnet. Diese befinden sich nun auf der Seite des Tischchens und nicht mehr unterhalb der Gepäckablage. Pro Viererabteil gibt es sowohl in der 1. wie in der 2. Klasse zwei Stromanschlüsse. 

Fazit
Der Kabelsalat verringert sich durch die Neuanordnung, die Ladekabel muss man nicht mehr mühsam über die Schultern des Sitznachbarn ziehen. Schade, haben die SBB nicht gleich für jeden Sitz eine separate Steckdose eingebaut. 

Handyempfang 🙂

Blick aus dem ersten rundum erneuerten IC2000-Intercity-Zug, praesentiert von der SBB am Donnerstag, 31. Januar 2019 in Olten. Einige der IC2000-Zuege der SBB sind seit 20 Jahren im Einsatz. Zwischen 2019 und 2024 modernisieren die SBB die 341 Fahrzeuge ihrer IC2000-Flotte in den Werkstaetten in Olten komplett. Die SBB investiert dafuer 300 Millionen Franken, und die Fahrzeugflotte wird dann 20 Jahre lang wieder einsatzbereit sein. (KEYSTONE/Adrien Perritaz)

Bild: KEYSTONE

Eine der grössten Änderungen des aufgepeppten IC 2000 ist praktisch unsichtbar: Die neuen, laserbehandelten Fensterscheiben sind strahlendurchlässig. Darum braucht es in den Wagen keine 4G-Repeater mehr, welche die Signale von den Handy-Antennen entlang der Zugstrecke ins Wageninnere leiten. Die IC2000 sind so gleich bereit für 5G

«Das Handysignal ist aufgrund der durchlässigen Scheiben stärker als mit dem Repeater», sagt Timo Leiser von den SBB zu watson.

Fazit
In puncto Handyempfang haben die SBB die Hausaufgaben gemacht. Nun liegt es an der Swisscom & Co., entlang der Bahnstrecken den Empfang weiter zu verbessern. Denn selbst zwischen Zürich HB und Zürich Hardbrücke – im Herzen der Bahn-Schweiz also – bricht die Mobilfunk-Verbindung immer wieder ab. Das darf nicht sein. 

Beleuchtung 😎

Blick in die 2. Klasse im ersten rundum erneuerten IC2000-Intercity-Zug, praesentiert von der SBB am Donnerstag, 31. Januar 2019 in Olten. Einige der IC2000-Zuege der SBB sind seit 20 Jahren im Einsatz. Zwischen 2019 und 2024 modernisieren die SBB die 341 Fahrzeuge ihrer IC2000-Flotte in den Werkstaetten in Olten komplett. Die SBB investiert dafuer 300 Millionen Franken, und die Fahrzeugflotte wird dann 20 Jahre lang wieder einsatzbereit sein. (KEYSTONE/Adrien Perritaz)

Die Beleuchtung wurde in die Gepäckablage integriert.  Bild: KEYSTONE

In den Wintermonaten fahren Hardcore-Pendler mit den IC2000 fast nur bei Dunkelheit. Umso wichtiger ist also die Innenbeleuchtung. 

Diese ist nun State-of-the-Art: Stromsparende LED-Lampen wurden in die Gepäckablage integriert und erleuchten so die blaue (2. Klasse) respektive rote (1. Klasse) Decke indirekt. 

Fazit
Die alten IC2000-Doppelstöcker sind relativ dunkel. Das schlummrig-warme Licht eignet sich zwar bestens für ein Nickerchen nach einem harten Tag oder einer langen Nacht. Das neue Lichtkonzept wirkt aber deutlich einladender und erinnert an moderne Flugzeugkabinen. 

Design 😻

Vorher

Ein SBB-Doppelstockzug im Bahnhof Luzern am Donnerstag, 14. Januar 1999. Am Donnerstag ist erstmals eine SBB-Doppelstockzugskompostition in den Bahnhof Luzern eingefahren. Ab dem 18. Januar 1999 werden die SBB-Doppelstockzuege fahrplanmaessig auf der Strecke Luzern-Zuerich eingesetzt werden, ab dem 30. Mai sogar im Stundentakt. (KEYSTONE/SIGI TISCHLER)

Bild: KEYSTONE

Nachher

Bild

bild: watson

Fazit
Die frisch lackierten IC-Doppelstockwagen kommen im schwarz-weiss-roten «Zebra-Design» daher. Dieses wirkt moderner als der alte, grau-weiss-rote Anstrich.

Tischli 🤔

Neue Tische im ersten rundum erneuerten IC2000-Intercity-Zug, praesentiert von der SBB am Donnerstag, 31. Januar 2019 in Olten. Einige der IC2000-Zuege der SBB sind seit 20 Jahren im Einsatz. Zwischen 2019 und 2024 modernisieren die SBB die 341 Fahrzeuge ihrer IC2000-Flotte in den Werkstaetten in Olten komplett. Die SBB investiert dafuer 300 Millionen Franken, und die Fahrzeugflotte wird dann 20 Jahre lang wieder einsatzbereit sein. (KEYSTONE/Adrien Perritaz)

Bild: KEYSTONE

Kaum neigt sich der Zug in der Kurve, macht sich der Kaffeebecher plötzlich selbstständig. Nicht nur Vielfahrern ist schon mehr als ein Espresso auf den Knien gelandet.

In den modernisierten IC2000 haben die SBB zwar keinen Becherhalter, aber immerhin eine Vertiefung in die Tischli integriert (silberne Fläche im Bild). 

Fazit
Auf den ersten Blick sieht die «Getränke-Sicherung»
zwar schick aus. Ob diese ihren Zweck erfüllt und auch ein grosses Dosenbier in einer Kurve bändigen kann, werden wir sehen. 

Interieur/Sitze 😬

Sicht in die 2. Klasse im ersten rundum erneuerten IC2000-Intercity-Zug, praesentiert von der SBB am Donnerstag, 31. Januar 2019 in Olten. Einige der IC2000-Zuege der SBB sind seit 20 Jahren im Einsatz. Zwischen 2019 und 2024 modernisieren die SBB die 341 Fahrzeuge ihrer IC2000-Flotte in den Werkstaetten in Olten komplett. Die SBB investiert dafuer 300 Millionen Franken, und die Fahrzeugflotte wird dann 20 Jahre lang wieder einsatzbereit sein. (KEYSTONE/Adrien Perritaz)

Bild: KEYSTONE

Blick in die 1. Klasse im ersten rundum erneuerten IC2000-Intercity-Zug, praesentiert von der SBB am Donnerstag, 31. Januar 2019 in Olten. Einige der IC2000-Zuege der SBB sind seit 20 Jahren im Einsatz. Zwischen 2019 und 2024 modernisieren die SBB die 341 Fahrzeuge ihrer IC2000-Flotte in den Werkstaetten in Olten komplett. Die SBB investiert dafuer 300 Millionen Franken, und die Fahrzeugflotte wird dann 20 Jahre lang wieder einsatzbereit sein. (KEYSTONE/Adrien Perritaz)

Bild: KEYSTONE

Nach wie vor dominiert die Farbe grau in den Wagen. Die Sitze sind dieselben wie vorher, haben aber eine neue Polsterung und einen neuen Bezug. Dadurch sind sie etwas härter als die alten, durchgesessenen Modelle. 

Fazit
Insgesamt haben es die SBB verpasst, inbesondere in der 2. Klasse etwas mehr Farbe in die Züge zu bringen. Der Grund liegt auf der Hand: Bei dunklen Farben ist Schmutz schlechter sichtbar. 

Sitzplatzreservation 🤯

Bild

Timo Leiser von den SBB. 

Bei der Sanierung der IC2000-Züge wurde darauf verzichtet, wie in anderen neuen SBB-Kompositionen ein elektronisches Sitzplatzreservationssystem einzubauen. Laut Timo Leiser von den SBB könnte dies nachträglich eingebaut werden. 

«So bleibt es nach wie vor mühsam sicherzustellen, dass Gruppen beeinander sitzen können», klagt Edwin Dutler von der Passagierorganisation Pro Bahn im Gespräch mit watson. 

Fazit
Ob SBB-App oder Twitter-Kundendienst: Die SBB-Chefs betonen stets, wie wichtig die digitale Transformation für das Unternehmen sei. Warum die Bundesbahnen punkto Sitzplatzreservation ausgerechnet bei den IC2000 auf die altehrwürdigen Papier-Zettelchen setzen, ist unverständlich. 

Sicherheit 🤓

Bild

bild: watson

Sämtliche IC-2000-Wagen sind neu mit einem Notfallknopf und Brandmeldern ausgerüstet. 

Fazit
Die SBB holen mit dem Notfallknopf nach, was im S-Bahn-Verkehr bereits Standard ist. Im Zweifelsfall ist es aber wohl immer noch effektiver, beim Zugbegleiter Hilfe zu holen.

Wenn man nicht gerade versehentlich eingepennt ist und mitten in der Nacht im abgeschlossenen Zug aufwacht, wie dies kürzlich einem watson-Mitarbeiter (nein, nicht der Autor) passiert ist. 

Dann ist der Notfallknopf Gold wert ;-)

Toiletten 🤐

Blick in die Toilette im ersten rundum erneuerten IC2000-Intercity-Zug, praesentiert von der SBB am Donnerstag, 31. Januar 2019 in Olten. Einige der IC2000-Zuege der SBB sind seit 20 Jahren im Einsatz. Zwischen 2019 und 2024 modernisieren die SBB die 341 Fahrzeuge ihrer IC2000-Flotte in den Werkstaetten in Olten komplett. Die SBB investiert dafuer 300 Millionen Franken, und die Fahrzeugflotte wird dann 20 Jahre lang wieder einsatzbereit sein. (KEYSTONE/Adrien Perritaz)

Bild: KEYSTONE

Abgesehen von der Wanddeko sind die Toiletten unverändert. Einzig der Knopf an der Türe zeigt neu an, ob das WC besetzt oder womöglich defekt ist. 

Fazit
Bei den neuen Giruno-Zügen von Stadler Rail setzen die SBB auf geschlechtergetrennte WCs, Herrentoiletten sind mit Pissoirs ausgerüstet.
Schade, sind diese Neuerungen bei den Intercity-Doppelstöckern nicht gleich übernommen worden. So könnten Mann und Frau von saubereren Toiletten profitieren. 

Anmerkung:
Noch nicht begehbar war das Restaurant und der Familienwagen, der neu mit einem Wickeltisch ausgerüstet ist. Ebenso die neuen Business-Abteile, die über spezielle Arbeitstische verfügen. 

Blick in die modernisierten IC2000

Huhn stolziert auf Gleis herum

Video: watson

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