Schweiz
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Hodcroft, Rickli, Berset, Salathé und Co. im Expertencheck. montage: watson

Analyse

Ihre Expertise, ihr Auftritt, ihr Einfluss – die 13 wichtigsten Corona-Player im Check

Die Corona-Pandemie stellte Politik und Wissenschaft vor eine nie dagewesene Herausforderung. Kein Wunder, führte das zu widersprüchlichen Aussagen, Experten-Streits und immer wieder zu viel Kritik. Zeit für einen Überblick über die 13 wichtigsten Corona-Player der Schweiz.



Alain Berset

Bundesrat Alain Berset  auf dem Weg zu einem Austausch mit der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK), am Montag, 7. September 2020 vor dem Bernerhof in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

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💡 Expertise

Berset studierte Politikwissenschaften und doktorierte in Wirtschaftswissenschaften. Er forschte an der Universität in Hamburg und arbeite als selbstständiger Strategie- und Kommunikationsberater. Seit acht Jahren sitzt er im Bundesrat und leitet das EDI. Vor der Corona-Pandemie gehörte zu Bersets wichtigstem Thema die bereits einmal am Volk gescheiterte Reform der AHV.

🗣️ Auftritt

Voller Lob waren Politiker und Journalistinnen anfänglich vom Auftritt des Bundesrats. Er kommuniziere klar und mit einer der Situation angemessenen Ernsthaftigkeit. Als die Corona-Fallzahlen in der Schweiz immer mehr stiegen, wurde er von Wissenschaftlern kritisiert, er habe zu langsam und zu zögerlich reagiert.

Während des Lockdowns habe er die Selbstständigen mit den Einkommenseinbussen im Stich gelassen, immer wieder habe er bei der Krisenvorsorge versagt. Zum Ansteckungsrisiko bei Kindern und zum Schutzfaktor von Masken äusserte sich das Bundesamt für Gesundheit teilweise widersprüchlich. Mehrmals kam es bei der Kommunikation von aktuellen Ansteckungszahlen zu einem Durcheinander.

☝🏾 Einfluss

☝🏾☝🏾☝🏾 gross

Pointierteste Aussage:

«Wir laufen einen Marathon und es wird noch lange dauern. Wir sind noch nicht in der Hälfte. Darum bleiben Sie bitte zu Hause.»

Alain Berset, Medienkonferenz BAG

Daniel Koch

Daniel Koch, head of the Communicable Diseases Division at the Federal Office of Public Health, poses for a portrait after a media briefing about the latest measures to fight the Covid-19 Coronavirus pandemic, on Wednesday, March 25, 2020 in Bern, Switzerland. (KEYSTONE/Alessandro della Valle) ..Daniel Koch, Leiter Abteilung uebertragbare Krankheiten im Bundesamt fuer Gesundheit BAG, posiert zum Portrait nach einer Medinkonferenz ueber die Massnahmen zur Bekaempfung der Covid-19 Coronavirus Pandemie, am Mittwoch, 25. Maerz 2020 in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Bild: KEYSTONE

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💡 Expertise

Daniel Koch sammelte jahrelange Erfahrung im Feld bei der Bekämpfung von Seuchen und Kriegselend, davon 14 Jahre beim Internationalen Komitee des Roten Kreuzes und die letzten zwölf Jahre im Dienst des BAG. Während der Corona-Pandemie koordinierte er das Monitoring des Sars-CoV-2-Virus und verantwortete die Kommunikation der Massnahmen zur Prävention.

🗣️ Auftritt

Als ruhiger Kommunikator in der Krise hat sich Daniel Koch die Sympathie vieler geholt. Einige seiner Aussagen flogen ihm aber um die Ohren. So ist Koch kein grosser Fan von Hygienemasken. Er findet, sie gaukeln eine falsche Sicherheit vor.

In einem Interview sagte er, die Maskenfrage sei überbewertet. Viel wichtiger findet er das Testen, Tracen und Isolieren. Nach seiner Pensionierung Ende Mai gründete Koch eine Beraterfirma, mit der er unter anderem dem SC Bern zur Seite steht. Dessen CEO Marc Lüthi hat an vorderster Front in Bern das Lobbying für die Wiederaufnahme der Grossanlässe betrieben. Trotz BAG-Rücktritt bleibt Koch mit diversen Auftritten an sozialen Events oder in Interviews präsent.

☝🏾 Einfluss

☝🏾 ☝🏾☝🏾 Gross

Pointierteste Aussage:

«Das wüssten wir auch gerne», auf die Frage, wo sich die Leute anstecken.

Medienkonferenz BAG

Marcel Salathé

Marcel Salathe, Leiter Expertengruppe ãDigital epidemiologyÒ, spricht waehrend einer Medienkonferenz zur Situation des Coronavirus, am Freitag, 1. Mai 2020, in Bern.(KEYSTONE/Peter Schneider)

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💡 Expertise

Als Biologe mit Programmierkenntnissen entdeckte Salathé ein neues akademisches Forschungsgebiet: digitale Epidemiologie. Er ist überzeugt, dass das Erfassen und Zusammenführen von Daten, deren Analyse und Bereitstellung wichtige Aufschlüsse über eine Infektion liefern.

In den USA entwickelte er eine App, die Krankheiten bei Pflanzen erkennt. Zurück in der Schweiz baute er das Digital Epidemiology Lab auf. Salathé ist Miterfinder und Treiber der SwissCovid-App.

🗣️ Auftritt

Seit Beginn der Pandemie kennt ihn die ganze Schweiz. In den Medien tritt er als einer der wichtigsten wissenschaftlichen Stimmen im Kampf gegen das neue Coronavirus auf. Obwohl er dem Bund beratend zur Seite steht, ist er nicht immer einer Meinung mit den Entscheidungen der Landesregierung.

Wiederholt kritisierte er den Bundesrat dafür, dass das Virus unterschätzt würde. Massnahmen wurden seiner Meinung nach zu langsam ergriffen. Seine Doktrin lautete immer: Infektionsketten nachspüren mit Tracen, Testen und der SwissCovid-App. Im Sommer kritisierte er das Corona-Krisenmanagement von Bund und Kantone. Das Testen und Contact-Tracing der Fälle funktioniere überhaupt nicht, es dauere viel zu lange, wetterte Salathé.

☝🏾 Einfluss

☝🏾☝🏾☝🏾 Gross

Pointierteste Aussage:

«In diesen Wochen ist mein Vertrauen in die Politik erschüttert. Nach der Aufarbeitung – was alles falsch lief und wie total veraltet die Prozesse sind – wird kein politischer Stein auf dem anderen bleiben» schrieb Salathé auf Twitter. Später erklärte er in einem Interview, er meinte damit, dass es wichtig sei, quasi unter jeden Stein zu schauen. Dass man verstehen müsse, wie genau diese historische Krise überwunden wurde.

Lukas Engelberger

Lukas Engelberger, Regierungsrat und Praesident der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK), spricht waehrend einer Medienkonferenz nach einem Austausch mit Bundesrat Alain Berset und der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK), am Donnerstag, 20. August 2020 im Medienzentrum in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

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💡 Expertise

Engelberger ist CVP-Regierungsrat und promovierter Jurist. Seit 2014 leitet er die Gesundheitsdirektion im Kanton Basel-Stadt. Virologe oder Epidemiologe ist Engelberger aber nicht. Im Juni 2020, also mitten in der Pandemie, übernahm er zudem die Präsidentschaft der kantonalen Gesundheitsdirektoren (GDK).

🗣️ Auftritt

Mit öffentlichen Äusserungen und Kritik hält sich Engelberger nicht zurück. Er ist Politiker durch und durch und kritisierte mehrmals die schnellen Lockerungsschritte des Bundes. Betriebe und Clubs sollen bei Verstoss gegen das Schutzkonzept konsequent geschlossen werden, sagte er in einem Interview Anfang Juli mit der NZZ am Sonntag.

Ende August gab er sich zudem beunruhigt über die «labile Phase» im Kanton Basel-Stadt und den Anstieg der Infektionszahlen. An einer Medienkonferenz Ende August sagte Engelberger, dass es schwierig sei, der Bevölkerung zu vermitteln, dass die Rückkehr zur Normalität noch ziemlich weit entfernt sei. Seither gilt in Basel-Stadt in allen Läden eine Maskenpflicht.

☝🏾 Einfluss

☝🏾☝🏾 Mittel

Pointierteste Aussage:

«Klubs und Betriebe, die sich nicht an Vorgaben halten, sollen konsequent geschlossen werden.»

Lukas Engelberger, Interview NZZ am Sonntag

Emma Hodcroft

Emma Hodcroft

Bild: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:EmmaHodcroft_byOliverHochstrasser_2020.png

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💡 Expertise

Seit 2017 arbeitet die Bioinformatikerin Emma Hodcroft mit amerikanisch-britischen Wurzeln an der Universität Basel. Ihre Doktorarbeit schrieb sie zur genetischen Entwicklung des HI-Virus. An der Uni Basel zeichnet sie die Mutationen von Coronaviren in Echtzeit nach. Hodcroft hat internationale Strahlkraft: Ihre Statements erschienen bei BBC oder im Boston Globe.

🗣️ Auftritt

Emma Hodcrofts Hauptkommunikationskanal ist Twitter. In langen Threads versucht die 33-Jährige, ihren 24’000 Followern zu erklären, warum das Virus gefährlich bleibt, obwohl die Fallzahlen zunehmen, nicht aber die Todesraten. Oder sie zeigt auf, dass spezielle Forschungsprogramme für die Covid-Forschung zwar grossartig sind – viele Forschende aber gar keine Zeit hätten, Gesuche dafür einzureichen.

Hodcroft sieht es als ihre persönliche Aufgabe, Falschinformationen als solche zu deklarieren und wissenschaftliche Fakten an die Frau beziehungsweise den Mann zu bringen. Von Seiten des BAG wünscht sie sich eine offenere Kommunikationskultur, beispielsweise dass das Amt eine Fallzahlgrenze festsetzt, ab der gewisse Massnahmen wieder verschärft würden. «Eine solche Zahl muss kommuniziert werden, denn es hilft, sie im Kopf zu haben», so Hodcroft in einem Interview mit watson.

☝🏾 Einfluss

☝🏾☝🏾 mittel

Pointierteste Aussage:

«Die Pandemie ist wirklich traurig, aber ich habe das Glück, mit meiner Arbeit etwas bewirken zu können.»

Emma Hodcroft, Forschungsmagazin Horizonte

Stefan Kuster

Stefan Kuster, Leiter Uebertragbare Krankheiten, Bundesamt fuer Gesundheit BAG, aeussert sich an einem Point de Presse zum Coronavirus COVID -19, am Donnerstag, 9. Juli 2020, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

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💡 Expertise

Stefan Kuster verfügt über ein abgeschlossenes Medizinstudium und einen Doppelfacharzttitel in Allgemeiner Innerer Medizin und Infektiologie. Am 1. April trat er in die Fussstapfen von «Mr. Corona» Daniel Koch und übernahm die Leitungsfunktion in der Abteilung für übertragbare Krankheiten beim BAG.

🗣️ Auftritt

Der knapp 40-Jährige übernahm die Abteilung übertragbare Krankheiten beim BAG zu aussergewöhnlichen Zeiten. Laut seinem ehemaligen Chef am Universitätsspital Zürich (dort war Kuster leitender Arzt der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene zuständig) sei er geschaffen für das BAG-Amt. Kuster sei die perfekte Mischung aus Troubleshooter und medizinischer Fachperson.

So markant in Erscheinung getreten, wie Daniel Koch, ist Stefan Kuster bis jetzt nicht. Er tritt primär informierend auf und setzt sich unaufgeregt für die föderalistische Handhabung der Pandemie ein. Ein gröberer Schnitzer Mitte August sorgte jedoch für Aufregung: An einer Medienkonferenz verkündete Kuster den Tod eines jungen Mannes aufgrund des Coronavirus. Kuster sprach von einem «tragischen Fall» und warnte, dass das Virus auch vor jungen Menschen nicht Halt mache. Kurze Zeit darauf musste das BAG die Meldung widerrufen. Ihr ging ein Formularfehler voraus: Der junge Mann aus Bern war gar nicht tot.

Pointierteste Aussage:

«Wir sprechen nicht von einer zweiten Welle.»

Stefan Kuster, Medienkonferenz BAG

☝🏾 Einfluss

☝🏾☝🏾 mittel

Marcel Tanner

Epidemiologe und Mitglied der Covid-19-Taskforce des Bundes, Marcel Tanner,

Bild: Annette Boutellier

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💡 Expertise

Während 18 Jahren leitete Marcel Tanner das Schweizerische Tropen- und Public-Health-Institut in Basel. Tanner zählt zu den renommiertesten Epidemiologen im Land. Seit Beginn der Pandemie ist der 68-Jährige Mitglied der wissenschaftlichen Covid-19-Taskforce des Bundes. Zudem ist der Präsident der Akademie der Wissenschaften.

🗣️ Auftritt

Tanner gehört zur älteren Garde der Schweizer Wissenschaftler. Seine Argumentation sind streng wissenschaftlich, er verzichtet auf Provokationen. Zwar sei die bundesrätliche Erlaubnis von Grossevents aus epidemiologischer Sicht nicht ideal, sagte er in einem Gespräch mit nau.ch. Tanner weiss aber auch, dass bei den Lockerungsschritten stets auch sozialpolitische und wirtschaftliche Faktoren miteinfliessen.

Immer wieder macht er auf die Wichtigkeit des Contact Tracing und das Tragen von Masken aufmerksam. Und hin und wieder gibt er sich gar selbstkritisch: In einem Interview mit 20 Minuten gab er zu, dass die Pandemieplanung «wie eine heisse Kartoffel von einem Ort zum anderen Ort geschoben wurde» und Bund und Kantone davon «überrumpelt» wurden. Von Selbstdarstellung hält Tanner nicht viel. Den Streit zwischen Mr. Corona Koch und den beiden Epidemiologen Christian Althaus und Marcel Salathé kommentierte er mit den Worten: «Es gibt noch zu viele Wissenschafter, die schauen zu sehr in den Spiegel statt zum Fenster hinaus. Wir müssen bescheidener sein, wir brauchen keine Wissenschafts-Gurus.»

☝🏾 Einfluss

☝🏾☝🏾 mittel

Pointierteste Aussage:

«Die Pandemieplanung wurde wie eine heisse Kartoffel vom einen zum anderen Ort geschoben. Wir waren überrumpelt. Die Geschehnisse müssen wir aufarbeiten.»

Marcel Tanner, Interview 20 Minuten

Christian Althaus

Der Epidemiologe am Institut fuer Sozial- und.Praeventivmedizin (ISPM) der Universitaet Bern und Experte in der Corona-Krise, Christian Althaus, am Freitag, 26. Juni 2020 im Institutsgebaeude in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)..Christian Althaus, Head of Research Group in Immuno-Epidemiology at the Institute of Social and Preventive Medicine (ISPM) at the Universitiy of Bern, poses for a portrait in the institute, Friday, June 26, 2020 in Bern, Switzerland. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Bild: keystone

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💡 Expertise

Der Berner Epidemiologe beschäftigt sich mit entstehenden Infektionskrankheiten und deren mathematischen Modellierung. Innerhalb kurzer Zeit wurde Althaus zu einem der gefragtesten Experten in der Corona-Krise.

🗣️ Auftritt

Althaus war einer der ersten, der öffentlich vor einer globalen Pandemie warnte. Im Januar war er Mitautor einer Studie, die untersuchte, wie das Virus in Wuhan von Mensch zu Mensch übertragen wurde. «Die Ansteckungsrate ist mit derjenigen der spanischen Grippe vergleichbar», sagte er mahnend Ende Januar in einem Interview mit der Sonntagszeitung. Althaus wandte sich laut eigenen Angaben damals auch per Mail und Telefon ans BAG und den damaligen Leiter übertragbare Krankheiten Daniel Koch, um vor den Gefahren zu warnen. Doch eine Antwort blieb aus.

Im Juni sagte Koch, er hätte nichts von den Frühwarnungen erhalten und meinte, dass die theoretischen Ansätze der forschenden Wissenschaft praktisch oft nichts tauge. Althaus twitterte darauf erzürnt zurück: «Dass in der Schweiz ehemalige Behördenvertreter über die Medien versuchen, Wissenschaftler zu diskreditieren, ist befremdend», und forderte eine politische Untersuchung. Danach wurde es ruhiger um Althaus. Anfang Juni zeigte er sich gegenüber den Lockerungsmassnahmen des Bundes milde gestimmt. Man habe ein «gutes Mittelmass gefunden», so Althaus.

☝🏾 Einfluss

☝🏾☝🏾 mittel

Pointierteste Aussage:

«Das Virus hat auf jeden Fall das Potenzial, eine Pandemie auszulösen.»

Christian Althaus, Interview Tagesanzeiger

Isabella Eckerle

Isabella Eckerle, Leiterin des Zentrum für Viruserkrankungen am Universitätsspital Genf, befürwortet Tests und eine Maskenpflicht für Kinder. (Archivbild)

Bild: sda

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💡 Expertise

Eckerle studierte Medizin an der Universität Heidelberg und forscht seit zehn Jahren an Coronaviren. Seit 2018 arbeitet sie an der Universität Genf und ist dort Leiterin des Zentrums für Viruserkrankungen. Aufgrund ihrer Herkunft steht sie auch den Deutschen Medien zur Pandemie-Situation stets Red und Antwort.

🗣️ Auftritt

Eckerles Äusserungen wirken stets dringlich und kritisch. Bereits im Mai forderte sie eine Maskenpflicht in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Nachdem die ersten Superspreader-Events in Schweizer Clubs bekannt wurden, kritisierte die Virologin deren Wiedereröffnungen scharf.

Eines ihrer Steckenpferde sind Kinder und welche Rolle sie bei der Verbreitung des Virus spielen. Für Eckerle ist klar: Auch Schulkinder sollten, wann immer möglich, Masken tragen und regelmässig getestet werden.

☝🏾 Einfluss

☝🏾 klein

Pointierste Aussage:

«Im Urlaub nicht vergessen: Das Virus ist noch da. Sonst wird der August zum Pulverfass.»

Isabella Eckerle, Interview mit watson

Rudolf Hauri

Der oberste Kantonsarzt, Rudolf Hauri, fordert mehr Kontrollen der Quarantäne-Einhaltung von Reisenden aus Risikoländern. (Archivbild)

Bild: sda

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💡 Expertise

Seit bald 20 Jahren ist der Humanmediziner Kantonsarzt des Kantons Zug. Seit bald drei Jahren präsidiert er die Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte. Neben dem aktuellen Corona-Virus beschäftigte ihn in den vergangenen Jahren bereits die Vogel- und Schweinegrippe.

🗣️ Auftritt

Er sei nicht jemand, der die Öffentlichkeit suche, sagte der langjährige Zuger Kantonsarzt in einem Interview Ende Juli mit der Republik. In den Medien äussern muss er sich aber trotzdem. Doch dies tut Hauri immer ruhig und zurückhaltend. Superlative oder explizite Vorwürfe gibt es von ihm kaum zu lesen. Hauri übernimmt die Rolle des stillen Schaffers.

Hauri warnt zwar vor den Gefahren des Virus oder vor den Reiserückkehrern, die für einen Anstieg der Fallzahlen sorgen könnten, er tut dies jedoch stets gemässigt und überlegt. Und er verteidigt das Contact-Tracing der Kantone.

☝🏾 Einfluss

☝🏾 klein

Pointierteste Aussage:

«Ich will nicht zu einer Art Mini-Mister-Corona werden.»

Rudolf Hauri, Interview Republik

Natalie Rickli

Natalie Rickli, Vorsteherin der Gesundheitsdirektion, informiert an einer Medienkonferenz ueber das weitere Vorgehen zur Bekaempfung der Covid-19-Pandemie, aufgenommen am Montag, 24. August 2020 in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Bild: keystone

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💡 Expertise

Rickli sass zwölf Jahre für die SVP im Nationalrat, im März 2019 wurde sie in den Zürcher Regierungsrat gewählt – ihre erste Exekutiv-Erfahrung. Auch Gesundheitspolitik war für Rickli bei Amtsantritt Neuland. Ihre eigentlichen Spezialgebiete sind Sicherheits-, Ausländer- und Medienthemen. Bekannt geworden ist Rickli mit ihrem Kampf gegen das «Gebührenmonster SRG» und schärfere Strafen für Vergewaltiger.

🗣️ Auftritt

Zu Beginn der Pandemie, die Verantwortung über die Massnahmen zur Eindämmung des Virus lag damals noch beim Bund, trat Rickli souverän auf und markierte die fleissige Staatsfrau. Sie bereitete die Spitäler auf den befürchteten Ansturm vor, beschaffte Beatmungsgeräte und kündigte an, die Anschaffung von zwei Maschinen zur Herstellung von Swiss-made-Masken an.

Dieser Coup wurde zum Flop. Die Lieferung und Inbetriebnahme der Maschine verzögerte sich um Monate. Rickli wirkte zunehmend überfordert, spätestens nachdem die «ausserordentliche Lage» beendet wurde und der Bund den Kantonen die Verantwortlichkeiten zurückgab. Nachdem in einem Zürcher Club der erste Superspreader-Event eintrat, schoss sie auf die Partygänger und den Bundesrat. Bei der Frage nach einer Maskenpflicht im ÖV verletzte sie das Kollegialitätsprinzip, weil sie gegenüber den Medien sagte, sie sei für die Maskenpflicht, doch der Regierungsrat wolle davon nichts wissen. Den Entscheid des Bundesrates, ab Oktober Grossanlässe wieder zuzulassen, hielt sie für verfrüht.

☝🏾 Einfluss

☝🏾 klein

Pointierteste Aussage:

«Dieses Virus ist kein Spass, auch nicht für die Spassgesellschaft am Wochenende. Es ist ernst.»

Natalie Rickli, Medienkonferenz

Jacqueline Fehr

Jacqueline Fehr, Vorsteherin der Direktion der Justiz und des Innern, spricht an einer Medienkonferenz anlaesslich der Administrativuntersuchung im Gefaengnis Pfaeffikon, aufgenommen am Montag, 3. Juli 2017 in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Bild: KEYSTONE

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💡 Expertise

Fehr ist eine erfahrene Exekutivpolitikerin und sitzt seit fünf Jahren im Zürcher Regierungsrat. Vor ihrer politischen Karriere arbeitete Fehr als Lehrerin. Besonderes Know-how in Gesundheitsthemen hat sie nicht.

🗣️ Auftritt

Lange war es ruhig um Jacqueline Fehr. Im Sommer äusserte sich sich auf ihrem Blog dezidiert kritisch zur Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr. Es werde ein Solidaritätseffort von der Bevölkerung verlangt, ohne zu wissen, ob das überhaupt etwas nütze.

Als die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr eingeführt wurde, provozierte sie auf Twitter mit einem Vergleich zur Gesichtsverschleierung. Während Fehrs Partei, wie auch das zuständige kantonale Amt unter der Führung von Natalie Rickli die Maskenpflicht befürwortete, stellte sich Fehr quer. In einem weiteren Blog-Eintrag verschärfte sich ihr Ton. Sie forderte mehr Eigenverantwortung und «keinen autoritären Vorschriftenstaat». Journalistinnen und Politikerkollegen bezeichneten ihr Verhalten als trumpesk.

☝🏾 Einfluss

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Pointierteste Aussage:

«‹Niqab for everybody?›, schrieb Fehr auf Twitter über die kommende Maskenpflicht.»

Jacqueline Fehr, Twitter

Pietro Vernazza

Pietro Vernazza: Chefarzt Infektiologie Kantonsspital St.Gallen

Bild: Ralph Ribi

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💡 Expertise

Der Infektiologe gilt als ruhiger, sehr erfahrener Mediziner. Der 63-Jährige arbeitet seit 35 Jahren am Kantonsspital St.Gallen und hat Epidemien wie Sars, Schweine- und Vogelgrippe erlebt. Er gilt unter anderem als international anerkannter HIV-Spezialist. Als Infektiologe weiss er insbesondere darüber Bescheid, wie sich eine virale Erkrankung weiterverbreitet und mit welchen Massnahmen eine Ansteckung verhindert werden kann.

🗣️ Auftritt

Vernazza ist im Verlauf der Pandemie immer wieder als Kritiker des Bundesrates und den Covid-19-Massnahmen aufgefallen. Zwar äusserte er sich stets vorsichtig und zurückhaltend, doch seine zum Teil umstrittenen Voten generierten viel Aufmerksamkeit. So sagte er im Juli in einem Interview mit der «Sonntagszeitung», das Virus scheine weniger gefährlich als gemeinhin vermutet.

Darum könnte eine Alternative zur Strategie des Bundes sein, die Schutzmassnahmen in der breiten Bevölkerung zu reduzieren. So würde die junge Bevölkerung nach und nach mit den Virus in Kontakt kommen. Die älteren Menschen sollten besser geschützt werden.

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Pointierteste Aussage:

«Ich zeige einfach auf, dass eine differenzierte Durchseuchung eine Alternative zur heutigen Ausrottungsstrategie des Bundes ist.»

Pietro Vernazza, Interview Sonntagszeitung

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