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Die Diskriminierung Homosexueller soll unter Strafe gestellt werden. Betroffene setzen sich für ein Ja an der Urne ein. (Archivbild)

Bild: KEYSTONE

Küssen verboten – immer noch – auch im 21. Jahrhundert

Schwule und Lesben werden in Basel oft angefeindet oder gar verprügelt. Politiker wollen nun, dass diese Straftaten registriert werden.

Leif Simonsen / ch media



Selten kommt es vor, dass ein Anwalt die Medien zu einer Gerichtsverhandlung einlädt. Ob sie die Täter oder die Opfer vertreten: Anwälte sind bestrebt, ihren ohnehin belasteten Mandanten die Medienöffentlichkeit zu ersparen.

Anders verhält es sich beim Gerichtsfall, der am Freitag vor dem Basler Appellationsgericht verhandelt wird. Opfervertreter Dominik Nellen hat die Journalisten auf den Termin aufmerksam gemacht. Medien sollten sich ein Bild machen können, wie «hinterfotzig und gemein» der Überfall auf seinen schwulen Mandanten gewesen sei.

Der wurde im Sommer vor vier Jahren im Schützenmatt-Park Opfer eines Überfalls von vier Männern. Die waren laut Nellen nur mit dem Ziel in den Park gekommen, «Schwule zu klopfen».

Sein heute 55-jähriger Mandant kam dran, weil er vorher versucht hatte, einen Angriff auf einen anderen Schwulen abzuwehren. Er wurde so gnadenlos zusammengeschlagen, dass er am Kopf, am Brustkorb, am Rücken sowie an den Armen und Beinen Verletzungen davontrug.

Noch heute leidet das Opfer an den psychischen Folgen. Nellen sagt, es sei nicht das erste Mal, dass sein Mandant in Basel Opfer von schwulenfeindlichen Übergriffen geworden sei.

Wie oft es zu solchen homophoben Attacken kommt, ist unklar. Die Staatsanwaltschaft weist keine eigene Statistik für schwulen- und lesbenfeindliche Angriffe aus. Nellen fordert deshalb, dass homophobe Straftaten separat erhoben werden sollen. «Beim Antisemitismus kann auch nachvollzogen werden, wie sich die Straftaten entwickelt haben. Das sollte man auch für Homophobie tun können. Es handelt sich auch hier um vulnerable Gruppen», sagt Nellen.

Von der Angst, sich in der Öffentlichkeit zu küssen

Ein ähnliches Begehren ist derzeit beim Regierungsrat hängig. Sarah Wyss (SP) hat gemeinsam mit drei Ratskolleginnen und -kollegen einen Vorstoss eingereicht, mit dem gefordert wird, dass schwulen- und lesbenfeindliche Aggressionen zu erfassen sind.

«Die Kantonspolizei, die Staatsanwaltschaft sowie die Gerichte sind in einer Grundausbildung und mit Weiterbildungen für den Umgang mit LGBTI-feindlichen Aggressionen zu schulen», fordert der Anzug weiter – LGBTI steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und Intersexuelle.

Damit wollen die Politiker nicht nur die physische Gewalt eindämmen, sondern auch die verbale. Wer sich unter Schwulen und Lesben umhört, erfährt, dass die Anfeindungen immer noch allgegenwärtig sind.

Landläufig gilt die Annahme, dass sich die Gesellschaft geöffnet habe gegenüber sexuellen Minderheiten. Doch wer auf den Strassen unterwegs ist, der macht oft schlechte Erfahrungen. Johannes Sieber von Gay Basel sagt: «Wenn man sich in dieser Stadt als schwules Paar zu erkennen gibt, dann bekommt man viele dumme Sprüche zu hören.»

Sieber rät daher zur Konfliktvermeidung, gibt sich selber im Zweifelsfall nicht als Schwuler zu erkennen. Ähnlich verhält es sich bei der SP-Grossrätin Michela Seggiani. Sie ist lesbisch und liiert und bewegt sich gewiss in den gesellschaftsliberaleren Kreisen. Gleichwohl sagt sie: «Wenn ich mit meiner Partnerin an ein Fest gehe, überlege ich mir schon, ob wir uns dort küssen dürfen.»

Michela Seggiani und Johannes Sieber begrüssen die Bestrebungen, die Zahl der homophoben Straftaten offenzulegen. Gay-Basel-Gründer Sieber sagt: «Mir ist bewusst, dass dies nicht von heute auf morgen etwas ändern würde. Aber wenn man weiss, wie oft so etwas vorkommt, wird man sensibilisiert und kann viel besser dagegen vorgehen.» (bzbasel.ch)

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