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Auf dem Berner Bahnhofsplatz stehen bald Countdown-Ampeln für Fussgänger. bild: montage watson/shutterstock

Warum kriegen die Berner Countdown-Ampeln? Die wichtigsten Antworten

Abhilfe für gestresste Pendler: In der Bundesstadt zeigt eine Fussgänger-Ampel an, wie lange noch rot ist. Bern setzt sich damit über einen Entscheid des Bundesrats hinweg. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Pionier-Projekt.



Wer kennt die Situation nicht: Man hat es eilig, die Fussgänger-Ampel schaltet gerade auf rot. Man verliert die Geduld und rennt dann einfach vor den heranbrausenden Autos über die Strasse. Rotlicht hin oder her.

Die Stadt Bern gibt nun Gegensteuer und installiert auf dem Bahnhofsplatz die erste Countdown-Ampel der Schweiz.

Was bringt der Ampel-Countdown?

Der Berner Verkehrsplaner Karl Vogel höchstpersönlich hat die Countdown-Ampel vorangetrieben. Er beobachtet auf dem Bahnhofplatz fast jeden Tag Beinahe-Unfälle von Fussgängern. Das soll sich ändern: «Die Leute sehen dank dem Countdown, wie lange sie noch warten müssen, bevor sie auf ihren Zug springen können. Wir hoffen, dass wegen der neuen Ampel weniger Fussgänger bei rot über die Strasse hetzen.»

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Die Ampel wird vor dem Haupteingang des Bahnhofs Bern montiert. Bild: KEYSTONE

In Deutschland gibt es Countdown-Ampeln für Fussgänger in Berlin und Hamburg. In der Hansestadt zeigte eine Untersuchung, dass sich die Rotlicht-Verstösse von Fussgängern wegen den Countdown-Ampel bis um einen Drittel reduzierten. Laut Vogel sind die Countdown-Lichtsignale in Holland bereits Standard. «In Amsterdam sind alle neuen Fussgänger-Ampeln mit einer Zeitangabe versehen». Die entsprechenden Lichtsignale sind zudem in den USA und Asien weit verbreitet.

Werden die Countdown-Ampeln schweizweit eingeführt?

Countdown-Ampel sorgten auf Bundesebene bereits für Diskussionen. 2015 forderte die Berner SP-Nationalrätin Margret Kiener Nellen in einem Vorstoss, Countdown-Ampeln flächendeckend in der Schweiz einzuführen. Der Bundesrat schmetterte das Postulat jedoch ab. Begründung: Die Dauer der einzelnen Rot- oder Grünphasen richte sich oftmals nach dem Verkehrsaufkommen, andererseits beeinflusse aber auch der ÖV die Dauer des Rotlichts.

Bist du für eine breite Einführung der Countdown-Ampeln?

Verkehrsplaner Vogel möchte trotz gegenteiligem Entscheid des Bundesrates den Beweis erbringen, das die Countdown-Ampeln einen Nutzen bringen: «Es ist Sache der Städte und nicht des Bundes, solche Projekte zu testen und zu bewerten.» Man habe das Vorhaben intensiv mit einem Verkehrsingenieur geprüft und sei nun auf die Erfahrungen gespannt. «Wir wollen zeigen, dass das System eine gute Sache ist . Wenn nicht, bauen wir das Ding einfach wieder ab.» Das Projekt kostet übrigens 20'000 bis 30'000 Franken.

Der Berner Pilotversuch wird von den anderen Schweizer Städten mit Interesse beobachtet. In Zürich gibt es jedoch keine Pläne, Countdown-Lichtsignale zu installieren. Die allermeisten Ampeln würden mittels Sensoren gesteuert und richteten sich nach dem Verkehrsaufkommen. «Fussgänger müssen in der Innenstadt sowieso kaum länger als 30 Sekunden warten», betont Martin Guggi, Sprecher der Dienstabteilung Verkehr der Stadt Zürich.

Was sagt die Autolobby?

Der Präsident des Autoclubs Schweiz (ACS), SVP-Nationalrat Thomas Hurter, findet die Countdown-Ampel für Fussgänger eine gute Sache. «Wir unterstützten alle Massnahmen, die der Verkehrssicherheit dienen. Noch wichtiger für die Sicherheit der Fussgänger wäre, wenn sich die Velofahrer vermehrt an die Verkehrsregeln halten würden.»

Bonus: Gibt es in Bern einen extra langsamen Countdown?

Die Berner sind weitherum bekannt für ihre Langsamkeit. Da stellt sich natürlich die Frage, ob auch der Countdown bei den Ampeln extra langsam eingestellt wird. Verkehrsplaner Vogel, der in Luzern wohnt, lacht: «Ich denke nicht, dass Berner besonders langsam über Fussgängerstreifen gehen.»

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