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Vierfachmord von Rupperswil AG
quelle: keystone / alexandra wey
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Fall Rupperswil wirft die Frage auf: Wie leicht lässt sich am Schalter ein grosser Geldbetrag abheben?

Bevor es zum Vierfachmord in ihrem Haus in Rupperswil kam, hob Carla Schauer bei zwei Banken Geld ab. Über die Höhe schweigen Banken ebenso wie Ermittler. Doch sie nennen Grundsätze, wenn jemand einen hohen Betrag abhebt.

Mario Fuchs / Aargauer Zeitung



Kurz bevor sie ermordet wurde, hob Carla Schauer am 21. Dezember Geld ab: an einem Automaten der Hypothekarbank Lenzburg in Rupperswil und am Schalter in der Aargauischen Kantonalbank (AKB) in Wildegg. Stellt sich die Frage: Wie einfach ist es, am Schalter einen grossen Betrag abzuheben?

Rupperswil Carla Schauer beim Geld abheben

Ein von der Kantonspolizei im Zeugenaufruf veröffentlichtes Foto zeigt Carla Schauer, wie sie vor dem Schalter in der AKB-Filiale steht. Ihr Gesichtsausdruck lässt Spielraum für Interpretationen – klar erkennbar ist jedoch, dass die 48-Jährige durch etwas bedrückt war.
Bild: Kapo Aargau

AKB-Sprecherin Ursula Diebold sagt, es liege im Auge des Betrachters, was viel Geld sei: «Für den einen sind 1000 Franken ein grosser Betrag, für eine andere Person 10'000 Franken oder mehr.» Bei der AKB gelte die Regel, dass bei grossen Beträgen nach dem Verwendungszweck gefragt werde.

Grundsätzlich könnten Kunden am Schalter aber Barbezüge in beliebiger Höhe tätigen, sofern die Deckung des Kontos gegeben und die Rückzugsbestimmungen (Kündigungsfrist, Maximalbetrag pro Jahr) eingehalten werden.

Auch bei der Neuen Aargauer Bank (NAB) gilt dieser Grundsatz. Sprecher Roland Teuscher: «Jeder Barbezug am Schalter wird vom Bankmitarbeitenden hinsichtlich Berechtigung geprüft.» Falle ein gewünschter Betrag «bezüglich Höhe oder Bezugsverhalten aus dem Rahmen», kläre man im Gespräch den Hintergrund ab.

«Grundsätzlich ist das Schalterpersonal angehalten, in Fällen, wo ihnen etwas Aussergewöhnliches am Kunden auffällt, diesen anzusprechen und zu fragen, ob alles in Ordnung ist.»

AKB-Sprecherin Ursula Diebold

Rolf Bohnenblust, Geschäftsleitungsmitglied der Hypothekarbank Lenzburg, sagt: «Wenn ein Kunde oder eine Kundin einen auffallend höheren Betrag als üblich wünscht, machen wir auf die Risiken im Umgang mit Bargeld aufmerksam.»

Ab einem Betrag von 100'000 Franken – ob Ein- oder Auszahlung – sei das Personal zudem verpflichtet, nach Details zu fragen. Grund dafür sind die gesetzlichen Vorgaben zur Bekämpfung der Geldwäscherei.

Schalterpersonal wird geschult

Ein von der Kantonspolizei im Zeugenaufruf veröffentlichtes Foto zeigt Carla Schauer, wie sie vor dem Schalter in der AKB-Filiale steht. Ihr Gesichtsausdruck lässt Spielraum für Interpretationen – klar erkennbar ist jedoch, dass die 48-Jährige durch etwas bedrückt war. Werden die Mitarbeitenden am Schalter von Regionalbanken darin geschult, wie sie zu reagieren haben, wenn ihnen etwas auffällt?

«Grundsätzlich ist das Schalterpersonal angehalten, in Fällen, wo ihnen etwas Aussergewöhnliches am Kunden auffällt, diesen anzusprechen und zu fragen, ob alles in Ordnung ist», sagt AKB-Sprecherin Ursula Diebold.

Zudem habe man ein spezielles Ausbildungsprogramm für die Vorbereitung auf Situationen, in denen «Drittpersonen Gewalt gegen das Personal oder die Bank» richten. Bei der Hypi Lenzburg und bei der NAB werden ebenfalls solche Schulungen durchgeführt.

Themen sind dabei etwa Überfälle und Geiselnahmen. Übereinstimmend weisen die drei Banken darauf hin, dass man vor allem bei älteren Kundinnen und Kunden aufmerksam sein müsse. Die Idee: Enkeltrickbetrügern soll so möglichst frühzeitig ein Strich durch die Rechnung gemacht werden. Laut Roland Teuscher werde bei Unklarheiten und Auffälligkeiten der «Sachverhalt mit dem Kunden geprüft».

Kader speziell geschützt

Offenbar arbeitete der Partner von Carla Schauer als Filialleiter bei einer Bank in der Region. Deshalb wurde in den letzten Tagen verschiedentlich diskutiert, welche Sicherheitsvorkehrungen es für leitende Bankangestellte gibt. Können sie vor Erpressern oder Geiselnehmern speziell geschützt werden?

Hier erhielt die AZ von den drei Banken die gleiche Antwort: keine. Zwar wird bestätigt, dass Sicherheitsvorkehrungen bestehen und auch bankinterne Instruktionen erteilt werden. Details darüber will hingegen niemand preisgeben – aus Sicherheitsgründen. (Aargauer Zeitung)

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