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Auch Waffen wurden offenbar nach Italien geschmuggelt. Bild: shutterstock/symbolbild

Undercover-Ermittler kaufte Waffen bei Aargauer Mafiosi

Nun werden weitere Details zur ausgehobenen Schweizer Mafiazelle bekannt. Sie schmuggelte für die kalabrische 'Ndrangheta auch Waffen.

Lucien Fluri, Henry Habegger / ch media



Auch im Tessin fuhr die Polizei am Dienstag frühmorgens vor: In einem Privathaus führte sie eine Razzia durch. Dort wohnt Fiore M., Familienvater, Gemeindeangestellter und Bruder – oder je nach Darstellung Cousin – von Carmelo M., der als wichtigster Mann des kalabrischen Anello-Fruci-Clans in der Schweiz gilt.

M. betrieb im Aargau ein Baugeschäft, an derselben Adresse, an dem sich auch die Pizzeria von Marco G. befindet. Der Ferrari-fahrende Wirt gehört ebenfalls zu den Verdächtigen. M. und G. gelten gar als wichtige Vertrauensleute des Clans in der Schweiz. Sie sollen Gelder krimineller Herkunft investiert und verwaltet haben.

Nun zeigen Medienberichte aus dem Tessin: Der Waffenschmuggel nach Italien spielt eine nicht unbedeutende Rolle im Fall. So zitiert der Corriere del Ticino aus den rund 3300 Seiten Akten der italienischen Ermittler, die zu den 75 Verhafteten aus dem Anello-Fruci-Clan vorliegen. Über 900 mal finden sich die Namen von Fiore und Carmelo M.

Wegen verdecktem Ermittler aufgeflogen

Aufgeflogen ist die Waffenschieberei durch einen verdeckten Ermittler der Polizei. Er kaufte demnach Waffen bei Carmelo M. Einerseits ging es um ein Sturmgewehr, das der Italiener aus dem Ort Filadelfia für 2000 Franken zum Kauf angeboten haben soll. Treffpunkt für die Übergabe: Ein Restaurantparkplatz.

Gemäss italienischen Ermittlungsberichten war es ein Sturmgewehr der Schweizer Armee, das laut späteren Abklärungen der Schweizer Bundespolizei im Jahr 2015 mit sechs anderen Gewehren aus einem Berner Schiessstand geklaut worden war. Für 800 Franken soll der Undercover-Ermittler auch einen Revolver angeboten erhalten haben, der sich später als Schreckschusspistole entpuppte.

Dass der Waffenschmuggel an die 'Ndrangheta ein Problem ist, ist seit Jahren bekannt. Das Fedpol machte schon 2012 in seinem Jahresbericht darauf aufmerksam. Einer der wichtigsten italienischen Ermittler in diesem Fall betonte am Dienstag vor den Medien ebenfalls die Rolle der Schweiz bei der Versorgung der 'Ndrangheta mit Waffen: Aus der Schweiz kämen Waffen nach Italien, die dann dort für Morde verwendet würden, sagte er.

Gewehre, Kalaschnikows, Pistolen

Die italienischen Ermittler beschlagnahmten am Dienstag denn auch ein wahres Waffenarsenal: Sie stiessen auf Gewehre, Kalaschnikows und Pistolen verschiedener Kaliber und Munition, zu deren Herkunft es allerdings keine Angaben gibt.

«Wo die Mafia tätig ist, dort findet auch illegaler Waffenhandel und -Schmuggel statt», hält das Bundesamt für Polizei (Fedpol) fest. «Auch innerhalb der Strukturen der 'Ndrangheta werden Waffen aus der Schweiz in Italien eingeführt, dies oft im Gegentausch für Betäubungsmittel.»

Die Schweiz hat ein sehr liberales Waffenrecht. Jährlich werden freiwillig Hunderte bis Tausende Waffen bei der Polizei abgegeben, die zuvor unter einem liberaleren Waffenrecht nicht registriert waren; beispielsweise aus Erbschaften. Einige landen anderswo. (aargauerzeitung.ch)

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21Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Abendländer 24.07.2020 17:17
    Highlight Highlight He Ihr Beiden Lucien Fluri, Henry Habegger

    Was hat das CH-Waffenrecht in diesem Artikel verloren?
  • Therealmonti 24.07.2020 13:26
    Highlight Highlight An die watson-Redaktion: Der Mafioso (Einzahl). Die Mafiosi (Mehrzahl)
  • just sayin' (haters will be ignored) 24.07.2020 12:29
    Highlight Highlight „Die Schweiz hat ein sehr liberales Waffenrecht. Jährlich werden freiwillig Hunderte bis Tausende Waffen bei der Polizei abgegeben, die zuvor unter einem liberaleren Waffenrecht nicht registriert waren; beispielsweise aus Erbschaften. Einige landen anderswo.“

    ist genau so unlogisch und abstrus wie:

    wie schweiz hat ein sehr liberales obligationenrecht. jährlich wird viel geld gestohlen.
    • Fandall 24.07.2020 13:36
      Highlight Highlight Ich sehe da auch keinen Zusammenhang. Die Mafia klaut Waffen egal was für eine Gesetzgebung herrscht, denn sie tun dies illegal, also ausserhalb vom Gesetz.
      Grotesk wie da wieder versucht wird eine Kausalität zu suggerieren.
  • TheRealSnakePlissken 24.07.2020 09:40
    Highlight Highlight „ M. betrieb im Aargau ein Baugeschäft, an derselben Adresse, an dem sich auch die Pizzeria von Marco G. befindet. Der Ferrari-fahrende Wirt gehört ebenfalls zu den Verdächtigen“

    Mafia-Geldwäsche-Bingo: BAUGESCHÄFT - PIZZERIA - FERRARI - 🤗🤗🤗. - Da sollte auch der verschnarchteste Gemeindepolizeiposten auf eine top Aufklärungsquote kommen. 👮🏻‍♂️👍
  • [Nickname] 24.07.2020 09:27
    Highlight Highlight „Liberales Waffenrecht“ ja eventuell vor 1999, alles andere spricht für die politische Ansicht des Journalisten/Meinungsmacher. Jede Waffe erforderet einen vorgäng. Antrag mit entsprechender Prüfung und Bewilligung der Behörden. Zudem wird ausnahmslos jede Waffe bei den kantonalen Waffenbüros registriert.

    Niemand ist so dumm und vergibt seine persönlichen Waffen an Mafiagestalten. Nach der polizeilichen Überprüfung der Waffe hättest du nach 15 Minuten die Polizei vor der Tür.

    Entweder hat der Journalist wirklich keine Ahnung von den Gesetzen und Prozessen oder es ist schlichte Propaganda.
  • Hangover 24.07.2020 08:22
    Highlight Highlight Jetzt läuft es nicht mehr so glatt, nicht wahr Marco G...i?

    Gerade in Deutschland werden z.B. Immobilien gekauft und andere Kaufinteressenten abgedrängt. So läuft es auch in der Schweiz.

    Die Schweiz ist zu naiv unterwegs = eine Lachnnummer.






  • N. Y. P. 24.07.2020 08:21
    Highlight Highlight Für 800 Franken soll der Undercover-Ermittler auch einen Revolver angeboten erhalten haben, der sich später als Schreckschusspistole entpuppte.

    Also, die Ndrangheta macht pro Monat 4 Milliarden ! Euro Umsatz. Und jetzt lese ich, dass sich ein Revolver, als Schreckschusspistole entpuppte.

    Nur, um das Ganze richtig einzuordnen:

    Alleine am heutigen ! Tag liegt der Umsatz der Ndrangheta bei 130 Millionen Euro und wir setzen uns hier mit einer Schreckschusspistole auseinander..
    • Barracuda 24.07.2020 08:37
      Highlight Highlight Darum geht es ja gar nicht! Es wird ja nur beschrieben, was der Undercover-Ermittler gekauft hat bzw. was ihm angeboten wurde, wodurch sie dann aufgeflogen sind. Es ging nie um den Schreckschuss-Revolver.
      Mich erstaunt nur, dass der Wirt einen Ferrari vor dem Restaurant parkierte und dort auch Waffen verkaufte. Ziemlich nachlässig und amateurhaft 🤦🏻‍♂️😄
    • N. Y. P. 24.07.2020 08:59
      Highlight Highlight @Barracuda

      Ich habe ein bisschen Mühe, wenn wir hier um solchen Firlefranz diskutieren, während sich dieser Clan weiter und weiter in Europa ausbreitet.

      Aber klar, man kann nicht immer das grosse Ganze diskutieren. Daher, lasst uns über diese Chäpselipistolen diskutieren..

      🙃
    • Barracuda 24.07.2020 13:42
      Highlight Highlight Du hast immer noch nicht verstanden, dass es nicht um diesen einen Revolver ging.
  • Kong 24.07.2020 07:52
    Highlight Highlight Das liberale CH Recht basiert seit 1990 auf immer strengeren Gesetzen mit Nachverfolgbarkeit. Gestohlene Gewehre aus einem Schützenhaus sind für mich noch keine Erklärung für einen florierenden Handel in Verbindung mit Mafiamorden. Vielleicht müsste man hinterfragen wieviel (viel leichter) erhältliches Material aus dem Osten via Grenze/Transit seinen Weg via CH nach Ita findet. Das fände ich interessante Ergänzung.
    • JJTheBigDog 24.07.2020 09:04
      Highlight Highlight Genau, die gestohlenen oder geerbten Waffen sind wohl kaum Kalaschikows und bei ursprünglich legal erworbenen Waffen, wird es sich bei bloss um Semi-Automaten handeln.
  • Militia 24.07.2020 07:23
    Highlight Highlight Unter dem Schweizer Waffenrecht ist für jede Waffe eine Bewilligung erforderlich. Jede Waffe wird mit Seriennummer und Namen bei der Polizei registriert. Diese Mafia-Waffen sind entweder allesamt gestohlen worden oder kamen via Ausland in die Schweiz. Kein Mensch, erst recht nicht wenn er unerkannt bleiben möchte, verkauft seine auf seinem Namen registrierte Waffe auf dem Schwarzmarkt ohne Bewilligung. Das hat also rein gar nichts mit dem "liberalen Schweizer Waffenrecht" zu tun.
    • Borki 24.07.2020 08:49
      Highlight Highlight Das geht wohl unter das Kapitel "Altlasten": Aus früheren Zeiten sind noch sehr viele nicht registrierte Waffen im Umlauf.
      Die erste Anpassung von unserem Waffenrecht an Schengen hat dem aber einen Riegel geschoben, zumindest was neue Waffen anbelangt.
    • Eskimo 24.07.2020 09:05
      Highlight Highlight @Borki
      Nein. Es geht unter das Kapitel: "Schengen und abschaffung der Grenzkontrollen". Ein Traum für jeden Kriminellen.
    • Militia 24.07.2020 09:08
      Highlight Highlight Falsch. Ein Waffenerwerbsschein ist bereits seit 1999 obligatorisch. Mit der letzten Anpassung wurden nur legal erworbene Waffen verboten. Da sind Sie ja der linken Lügen Propaganda ordentlichen auf den Leim gegangen.
      Bezüglich Altlasten: Die nicht registrierten Waffen sind grösstenteils Karabiner und alte Dienstwaffen. Letztere kannst du heute auch nicht mehr ohne Erwerbsschein (ver)kaufen.
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