Schweiz
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Parmelin bezeichnet Opfer wegen Corona als patriotische Geste



Wirtschaftsminister Guy Parmelin hat in seiner Ansprache zum 1. August im Südbündner Dorf Cavaione die gegenwärtigen gemeinsamen Opfer wegen der Corona-Krise als «patriotische Geste» bezeichnet. Ein Opfer, «das wir offensichtlich auch weiterhin erbringen müssen».

Der Nationalfeiertag 2020 habe einen bittersüssen Beigeschmack. Einerseits herrsche eine gewisse Erleichterung über das allmähliche Vorbeiziehen der massiven Phase, gleichzeitig aber auch Unsicherheit hinsichtlich der weiteren Entwicklung der Krankheit und deren Auswirkungen auf den Wohlstand, sagte Parmelin gemäss Redetext. Der Magistrat erinnerte an die bisher rund 1700 Todesopfer der Krise und forderte die Anwesenden zu einem kurzen Gedenken auf.

Leise Kritik an der Vollkasko-Mentalit

Guy Parmelin bei seiner Ansprache. Bild: sda

Während des Lockdowns seien viele verunsichert gewesen und man sei angewiesen worden, sich zum Wohle aller gegenseitig zu misstrauen. Trotzdem gehe die Schweiz paradoxerweise gestärkt aus den Ereignissen hervor, so Parmelin. Durch die Selbstdisziplin sei es gelungen, die Krankheit gemeinsam in Schach zu halten, indem alle einen kleinen Teil ihrer persönlichen Freiheit zugunsten des Gemeinwohls geopfert haben. Die grosse Mehrheit habe verstanden, was auf dem Spiel stehe. Dafür gebühre ihr ein «riesiges Dankeschön».

Leise Kritik an Vollkasko-Mentalität

Die letzten Wochen und Monate hätten gezeigt, «dass wir nicht alles kontrollieren können», sagte Parmelin weiter. Die Gesellschaft gebe sich gerne der Illusion hin, das Risiko lasse sich durch entsprechende Regeln völlig eliminieren. «Am liebsten würde sie Vorsichtsmassnahmen bis zum Gehtnichtmehr ergreifen.»

Kleine und grössere Unfälle seien indes jederzeit möglich, «ob wir dies nun wollen oder nicht». Der Staat sei nicht allmächtig und es gebe im Leben keine Garantien, so der Wirtschaftsminister. Weder übertriebene Vorsicht noch übertriebene Sorglosigkeit seien eine gute politische Strategie.

Vertrauen als «Gärstoff» für die Zukunft

Letztlich basiere alles auf Vertrauen. Und die Regierung versuche, dem in sie gesetzten Vertrauen gerecht zu werden. Dies sei eine Voraussetzung für ein stabiles Land, vertrauenswürdige Institutionen, eine wieder zuversichtliche und damit unternehmerische Wirtschaft sowie einen ausgeglichenen Konsum. In diesem Sinne sei das Vertrauen «einer der Gärstoffe und der Motoren für unsere Zukunft».

Vor seiner Reise ins Puschlav hatte Parmelin am Samstagmorgen in Chur an ein Brunch auf dem Bauernhof der Familie Salis teilgenommen. Begleitet wurde er von einer Delegation des Schweizer und Bündner Bauernverbandes. Cavaione ist ein Weiler oberhalb von Brusio und die letzte Region, die 1874 der Schweizerischen Eidgenossenschaft angegliedert worden war.

77-jährige Narrenfreiheit

Seine Präsenz sei der Beweis dafür, dass das «vergessene Dorf» vom Bundesrat nicht vergessen worden sei, so Parmelin zu Beginn seiner Ansprache. Er nahm damit Bezug auf einen Artikel von Riccardo Tognina aus dem Jahr 1963 im Bündner Kalender. Dieser beschrieb die späte Einschweizerung und trug den Titel «Das vergessene Dorf».

Nach der Aufhebung der Bündner Herrschaft über das Veltlin im Jahr 1797 begann für Cavaione gleichsam eine 77-jährige Narrenfreiheit. Je nach Vorteil gab man sich einmal als Italien oder der Schweiz zugehörig aus. 1874 nahm der Grosse Rat des Kantons Graubünden Cavaione die damals 103 Bewohner endgültig ins Schweizer Bürgerrecht auf. (sda)

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Herr Parmelin, diese Schweizer sind genauso «bäd» in Englisch

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    Alle Leser-Kommentare
  • Chancho 02.08.2020 01:08
    Highlight Highlight Gewisse Menschen sind einfach nicht für das halten von Reden, geschweige denn für die Politik gemacht.
  • rundumeli 01.08.2020 21:57
    Highlight Highlight hübsche geschichte mit dem wankelmütigen dörfli !

    wird sich jemand in 10 Jahren noch an parmelin erinnern ? oder jetzt schon ??
  • Dani B. 01.08.2020 21:38
    Highlight Highlight Reisserischer Titel.
    Mit "Opfer" sind nicht die Toten gemeint. Sondern das Goldene Kalb.
    • Kruk 01.08.2020 22:04
      Highlight Highlight Die Opfer oder Opfer wegen, das kann sogar ich noch unterscheiden
      und das Tote keine Gesten sind weiss man auch.
      Die nötige Geduld und der Verzicht ist gemeint.
      Er hat durchaus recht, am wenigsten verstehen dies aber die Patrioten.
    • Vecchia 03.08.2020 09:06
      Highlight Highlight ich bin alles andere als SVP-Anhänger, aber wenn eine Rede des Romand im italienischsprachigen Puschlav für Schlagzeilen in Zürich sorgt, müsste man die Rede wohl selbst gehört haben um Interpretations- oder Übersetzungsfehler auszuschliessen. Schwierig...manchmal sind Fremdsprachen tatsächlich Glücksache.
  • Pafeld 01.08.2020 21:03
    Highlight Highlight Wenn Parmelin offensichtlich lieber Opfer bringt anstatt sich nach bestem Wissen und Gewissen an die Fakten zu halten, sollten wir ihn fragen, auf welche Art von Opfer denn sein Gott besonders abfährt. Denn falls wir mit ein paar gezielten Menschenopfer das Leben von hunderten von Risikopatienten retten können, sollten wir dies doch zumindest versuchen. Solange wir keinen besseren Plan haben.
  • Denk Mal 01.08.2020 21:00
    Highlight Highlight Was hat Rücksichtnahme und entsprechend Opfer bringen mit Patriotismus zu tun? Herr Parmelin, die Mehrheit in der Schweiz steht nicht hinter SVP und rund ein Viertel sind aus dem Ausland. Da ist mit patridiotischem Geschwätz nichts zu motivieren oder zu erreichen.
  • Wellenrit 01.08.2020 20:15
    Highlight Highlight Bitte irgendjemand soll diesem man das Mikrofon wegnehmen 😰
  • Turi 01.08.2020 20:06
    Highlight Highlight "Parmelin bezeichnet Opfer wegen Corona als patriotische Geste"

    Erinnere mich vage, dass Stalin das Darben der Bevölkerung ebenfalls als patriotische Leistung bejubelt hat.
  • 97ProzentVonCH68000 01.08.2020 19:46
    Highlight Highlight Mit Patriotismus wurden schon oft Angriffe auf die Freiheit begründet...

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