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9 Entwicklungen, die uns Hoffnung auf ein Ende der Pandemie machen

Der Bundesrat hat überraschend viele Lockerungen beschlossen, die am Montag in Kraft treten, doch die Pandemie ist längst nicht besiegt. Allerdings gibt es Hoffnung, dass wir mit dem Virus schneller zurecht kommen, als man derzeit denken könnte.



Über ein Jahr nach Ausbruch der Pandemie hat das Schrecken noch immer kein Ende. Hat uns durch die erste Welle noch der Reiz des Neuen und Unbekannten getragen, sind wir mittlerweile längst alle nur noch eines: Corona-müde.

Und auch wenn der Bundesrat am Mittwoch überraschende Lockerungen bekannt gab, spricht die epidemiologische Lage nicht gerade für Licht am Ende des Tunnels: Die Zahlen steigen, die Impfkampagne harzt und die Bedrohung durch gefährliche Mutante wird auch nicht kleiner. Das sind leider alles Tatsachen.

Aber es gibt eben auch noch andere Tatsachen. Und die sind nicht nur weitaus erfreulicher, sondern könnten auch dazu beitragen, dass wir schneller zu einer Normalität zurückgelangen, als dies im Moment der Fall scheint:

Übertragung nicht so gefährlich im Freien

Hoffnung macht die Wissenschaft: Angesehene Aerosolforscher aus Deutschland haben herausgefunden, dass es im Freien äusserst selten zu Aerosolübertragungen kommt. Die Infektionen fänden zu 99,9 Prozent in Innenräumen wie in Wohnungen, Büros und Betreuungseinrichtungen statt. In Innenräumen finde auch dann eine Ansteckung statt, wenn man sich nicht direkt mit jemandem trifft, sich aber ein Infektiöser vorher in einem schlecht belüfteten Raum aufgehalten hat, warnten die Forscher in einem offenen Brief.

Im Freien hingegen herrschten andere Bedingungen. Es gibt Luftbewegungen, UV-Strahlungen und einen höheren Luftaustausch. So gut wie nie käme es an der frischen Luft zu Infektionen und wenn, dann nicht zu sogenannten Clusterinfektionen, also einer Häufung von Fällen, so die Aerosolforscher.

Warum das zuversichtlich stimmt

Mehr Freiheiten im Freien! Eine dieser Freiheiten ist die Öffnung der Terrassen der Restaurants und Bars ab dem 19. April. Auch Treffen auf Plätzen und Balkonen können wir mit einigermassen grosser Sicherheit geniessen. Wenn wir uns an die Abstands- und Hygieneregeln halten erst recht! Es heisst aber auch: private Partys und Apéros in Innenräumen ist derzeit noch eine schlechte Idee.

Der Antivirus-Cocktail von Roche

Der Pharmariese Roche konnte zusammen mit seiner amerikanischen Partnerfirma Regeneron Pharmaceuticals einen Erfolg verbuchen: Die Antikörper-Kombination aus den Medikamenten Casirivimab und Imdevimab vermag laut den Ergebnissen der dritten Testphase in den USA, das Risiko symptomatischer Corona-Infektionen um etwa 81 Prozent zu verringern.

Grafik: Wirkungsweise des Roche-Regeneron-Medikaments Regn-Cov2
https://www.roche.com/dam/jcr:5345e0ad-1f18-4146-9962-07d0d7fdc089/en/20201015_bmk_q3.pdf

So binden die monoklonalen Antikörper an das Spike-Protein des Virus. Bild: Roche

1500 Testpersonen, die im gleichen Haushalt mit einer zuvor positiv auf das Coronavirus getesteten Person leben, nahmen an der Studie teil. Bei Patienten mit symptomatischer Infektion klangen die Symptome demnach im Durchschnitt innerhalb einer Woche ab, verglichen mit drei Wochen in der Placebo-Gruppe. Unerwartete ernste Nebenwirkungen seien nicht aufgetreten.

Der Medikamenten-Cocktail wird unter die Haut gespritzt und hat in den USA bereits die Notzulassung erhalten. Die Europäische Arzneimittelbehörde prüft das Medikament derzeit.

Warum das zuversichtlich stimmt

Bestätigen sich die Resultate, wird das Medikament helfen, Patienten mit mildem Verlauf vor einer Verschlechterung zu schützen. Zudem würde es sich als passive Impfung eignen, um den Ausbruch zu verhindern. Schon im letzten Jahr erklärte Roche-Chef Anderson, das Mittel könne eine kritische Verteidigungslinie gegen die Covid-19-Pandemie sein.

Bald folgt mehr Impfstoff

In den nächsten Monaten soll die Schweiz weitere Impfstoff-Lieferungen erhalten. Das BAG rechnet mit mindestens 8 Millionen weiteren Impfdosen von Moderna und Pfizer/Biontech bis Juli. Das Ziel, alle Impfwilligen bis Ende Juni mindestens einmal zu Piksen, hält BAG nach wie vor für realistisch.

Eva Tajouri - Wild meldet sich fuer die Impfung an im groessten Impfzentrum des Kantons Zuerich, dem Covid-19-Impfzentrum Messe Zuerich, am Dienstag, 6. April 2021. Das Impfzentrum nimmt am 6. April seinen Betrieb auf und pro Tag koennen auf 30 Impfstrassen bis zu 4000 Personen geimpft werden. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Das Corona-Impfzentrum in der Messe Zürich. Bild: keystone

Warum das zuversichtlich stimmt

Je mehr Impfstoff wir zur Verfügung haben, desto schneller kann das Impf-Tempo beschleunigt werden. Und je schneller ein grosser Teil der Bevölkerung geimpft ist, desto seltener findet das Virus einen Übertragungsweg.

Die Impfbereitschaft steigt

Die Impfbereitschaft der Schweizer und Schweizerinnen steigt. Laut der aktuellsten Umfrage des Forschungsinstituts Sotomo würden sich 72 Prozent der Bevölkerung gegen das Coronavirus impfen lassen. Dabei stehen Männer der Impfung weniger skeptisch gegenüber als Frauen.

Bild

bild: Sotomo / point de presse

Warum das zuversichtlich stimmt

Damit die Pandemie kontrollierbar wird und sich das Virus nicht mehr gut verbreiten kann, muss ein grosser Teil der Bevölkerung impfen lassen. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist dafür eine Durchimpfungsrate von 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung nötig. Mit einer Impfbereitschaft von derzeit 72 Prozent ist die Schweiz also voll auf Kurs.

Die Impfaktion zeigt Wirkung

Rund sieben Prozent der Schweizer Bevölkerung ist vollständige geimpft, das entspricht rund 670'000 Personen (Stand 11.04.2021). Von rund 2,3 Millionen ausgelieferten Impfdosen sind rund 1,8 Millionen Impfdosen verimpft worden. 4,7 Prozent der Bevölkerung haben bereits eine Dosis erhalten. So sieht es in den einzelnen Kantonen aus:

Bild

bild: bag

Im internationalen Vergleich können wir da zwar aktuell nicht mit den Spitzenreitern mithalten, aber die Impfgeschwindigkeit – so haben es die Kantone versprochen – kann nochmals massiv erhöht werden, sobald genug Impfstoff vorhanden ist.

Und dass Impfen zum Erfolg führen kann, zeigen die Beispiele in Israel und Grossbritannien. Dort sind die Zahlen so stark gesunken, dass die Länder ihre Massnahmen massiv gelockert haben. Wie sich das in Grossbritannien auswirken wird, wird sich in rund zwei Wochen zeigen. In Israel bleiben die Zahlen tief, obwohl das Land schon vor einigen Wochen die Massnahmen massiv gelockert hat und die Restaurants und Bars wieder voll sind. Vor knapp einer Woche ist die Zahl der schwerkranken Corona-Patienten auf den tiefsten Stand seit letztem Dezember gesunken.

So sieht eine erfolgreiche Impfkampagne aus:

Warum das zuversichtlich stimmt

Die Impfpläne im Ausland scheinen aufzugehen. Trotzdem ist aber noch Vorsicht geboten. Die Sars-Viren gelten als besonders mutationsfreudig. Sollte sich das Erbgut stark verändern, können die Impfungen im schlimmsten Fall nicht mehr gegen die Mutationen wirken. Darum müssen die Länder weiter aufs Impftempo drücken. Und in der Schweiz die Kantone.

Die künstlichen Antikörper

Ein weiteres Schweizer Biopharma-Unternehmen, das ganz vorne mitmischt im Kampf gegen das Coronavirus, ist Molecular Partners. Das von der Schlieremer Firma entwickelte Mittel Ensovibep ist erstmals in einer klinischen Phase-2-Studie an Patienten mit symptomatischer COVID-19-Erkrankung getestet worden. Erst im März hatte Molecular Partners die positiven Ergebnisse einer Probe mit Freiwilligen publiziert. In der zweiten und dritten Phase der klinischen Testung nehmen bis zu 700 Probanden teil.

Molecular Partners setzt bei seinem Medikament auf die sogenannte «DARPin-Technologie» (Designed Ankyrin Repeat Proteins). Bislang wurde diese vor allem im Bereich Krebsforschung und Ophtalmologie (Augenheilkunde) getestet. Bei den DARPins handelt es sich um extrem kleine, künstliche Proteine. Ähnlich wie Antikörper verfügen sie über neutralisierende Eigenschaften. Ensovibep bindet das SARS-CoV-2-Protein mehrfach und verhindert so das Eindringen des Virus in die Zellen. Ziel der Firma ist es, noch in diesem Jahr eine Notfallzulassung zu erhalten.

Warum das zuversichtlich stimmt

Ein weiteres Medikament im Kampf gegen das Coronavirus. Und gemäss den ersten Studien soll es auch gegen Mutationen sehr erfolgreich sein. Und: Die Schweiz hat für den Fall der Zulassung schon einmal 3,2 Millionen Dosen von Ensovibep bestellt.

Schnelltests als Eigenkontrolle

Seit Anfang April kann jede Person fünf gratis Selbsttest pro Monat beziehen. Alle Personen sollen sich regelmässig testen können, auch wenn sie keine Symptome haben. Der Test ist zwar nicht zu 100 Prozent zuverlässig und ersetzt auch den herkömmlichen PCR-Test nicht. Was er aber gut kann: Superspreader erkennen – also Personen mit einer hohen Virenlast, welche das Virus an viele weiterverbreiten können.

Bei Superspreadern ist die Virenlast hoch, das bedeutet aber nicht, dass diese Personen auch Symptome haben. Das BAG erhofft sich, dass Superspreader durch regelmässiges Testen wie vor einem Treffen mit Freunden entdeckt werden können.

So funktioniert der Selbsttest:

Video: watson/Salome Woerlen, Emily Engkent

Warum das zuversichtlich stimmt

Einerseits kann der Schnelltest Personen aufspüren, die nichts von ihrer Erkrankung wussten. Anderseits können die Tests vor einem Treffen mit Freunden eingesetzt werden. Aber: Ein negatives Testresultat ist kein Garant dafür, dass man andere nicht anstecken kann. Der Test ist auch kein Ersatz für die Abstands- und Hygieneregeln. Auch bei einem Treffen mit einer besonders gefährdeten Person, sollte man sich nicht auf das Testresultat des Selbsttests verlassen.

Der Asthmaspray

Der renommierte deutsche Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach sprach bereits von einem «Game Changer» in der Behandlung von Covid-19. Gemäss einer Studie, die Forschende der britischen Universität Oxford in der Fachzeitschrift «The Lancet» veröffentlicht haben, ist das Asthma-Mittel Budesonid hochwirksam gegen das Coronavirus. Bei Covid-19-Patienten, die im Schnitt sieben Tage lang mit Budesonid behandelt wurden, beobachteten die Forscher der Uni Oxford Folgendes:

Bild

bild: dpa

Fazit der Forschenden: Kommt Budesonid bei einer Covid-Erkrankung frühzeitig zum Einsatz, könnte dies das Risiko eines schweren Verlaufs stark verringern und die Zeit bis zur Genesung verkürzen. Kritisiert wird allerdings, dass die Studie noch zu klein angelegt sei und es eine grössere Untersuchung benötige. Ein Problem sei zudem, dass es keine Vergleichsgruppe gegeben habe, die ein Placebo bekommen hätte.

Warum das zuversichtlich stimmt

Ein Asthmaspray als wirksames Mittel gegen Covid-19? Das wäre ein Riesenerfolg. Denn schon heute gehört der Spray bei hunderttausenden Menschen zum Alltag, Schrecken ungebetener Nebenwirkungen verbreitet er kaum. Zudem ist er einigermassen erschwinglich und sehr simpel in der Anwendung.

Das Wetter wird besser

Dass das Virus mit steigenden Temperaturen verschwindet, ist natürlich falsch. Experten schliessen zwar nicht aus, dass das Wetter einen gewissen Einfluss auf die Übertragungs-Dynamiken hat, aber es gebe keine Beweise dafür. Aber schönes Wetter lockt die Menschen ins Freie und im Freien ist die Ansteckungsgefahr massiv kleiner, haben die Aerosolforscher herausgefunden.

Was das schöne Wetter zudem mit sich bringt, ist gute Laune. Denn: Sonnenlicht produziert in unserem Körper Endorphine, einer der wichtigsten Glückshormone.

Warum das zuversichtlich stimmt

Schönes Wetter gibt uns mehr Freiheiten! Wir können draussen Freunde treffen und anstossen und halten das Risiko trotzdem gering, gleich einen Superspreader-Anlass zu veranstalten. Mit der Öffnung von Terrassen gibt es sogar die Möglichkeit, nicht auch noch die eigene Minibar mitschleppen zu müssen. Du denkst jetzt, wo das schöne Wetter denn eigentlich bleibt? Wir auch. Aber es kommt. Ganz sicher.

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