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A child draws on the blackboard in an almost empty classroom as he attends a school childcare service at the school

Zurück an die Wandtafel? Für manchen Schüler könnte das Homeschooling weitergehen. Bild: KEYSTONE

Eltern, die Kinder aus Angst nicht in die Schule schicken, droht eine Busse

Manche Eltern atmen auf: Ab dem 11. Mai findet in der Volksschule wieder Präsenzunterricht statt. Es gibt aber auch Väter und Mütter – etwa mit Vorerkrankung –, die sich fürchten, ihr Kind könnte das Coronavirus von der Schule in die Familie einschleppen. Was darf man, was darf man nicht?

Kari Kälin / CH Media



Daniel Koch, Delegierter des Bundes für die Coronaepidemie, betont es immer wieder: Die Kinder seien nicht Treiber der Covid-19-Krankheit. Darum gehen die Schulen in knapp drei Wochen wieder auf. Dagegen gibt es Widerstand – aus Elternkreisen. Der Mediziner Adriano Aguzzi kündigte in den sozialen Medien an, er schicke seine Kinder nicht in die Schule, was immer Koch sage. Der Neuropathologe des Unispitals Zürich beschäftigt sich seit 30 Jahren mit Viren und wurde einer breiten Öffentlichkeit bekannt, als er in einem selbstgedrehten Video eindringlich den Lockdown forderte.

Weshalb gibt es Widerstand gegen die Wiederöffnung der Schule?

Wissenschaftlich ist immer noch nicht geklärt, was für eine Rolle die Kinder bei der Übertragung des Coronavirus spielen. Philippe Eggimann, Infektiologe und Präsident der Waadtländer Ärztegesellschaft, taxiert deshalb den Entscheid zur Wiederöffnung der Schulen als politisch und nicht wissenschaftlich. Wenn die Kinder die Vorsichtsmassnahmen nicht umsetzen könnten, bestehe die Gefahr, neue Infektionsketten zu entfesseln.

Was passiert, wenn Eltern aus Angst vor dem Virus ihre Kinder von der Schule fernhalten?

Wie die Schulpflicht durchgesetzt werde, sei grundsätzlich geklärt, sagt der Zuger Bildungsdirektor Stephan Schleiss: «Die Kinder sind schulpflichtig, eine Wahlfreiheit zwischen Präsenz- und Fernunterricht gibt es nicht.» Wer aus gesundheitlichen Gründen – weil das Kind oder ein Elternteil gefährdet ist – nicht am Präsenzunterricht teilnehmen könne, müsse dies mit Arztzeugnis belegen. Und: «Wer seine Kinder ohne Arztzeugnis zu Hause behält, riskiert eine Busse.» Schleiss hofft, dass der Bund noch mehr Vertrauen schaffen kann, am liebsten durch solide wissenschaftliche Erkenntnisse, dass die Wiederöffnung der Schulen verantwortungsvoll ist.

Die Bussen können einige Tausend Franken betragen. Werden die Behörden hart durchgreifen?

Das weiss man nicht. Charles Vincent, Leiter der Dienststelle Volksschulbildung im Kanton Luzern, möchte abwarten, ob allenfalls der Bund oder die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren Empfehlungen abgeben. Er persönlich plädiert für ein zurückhaltendes Vorgehen und schlägt vor, in einer ersten Phase auf Bussen zu verzichten. «Wenn zum Beispiel Eltern zur verletzlichen Personengruppe gehören und sich berechtigterweise Sorgen machen, wäre es nicht opportun, sofort rigoros mit Strafen zu reagieren», sagt Vincent.

Wie beurteilt die Fachstelle Schulrecht AG diese Frage?

Geschäftsführer Peter Hofmann, Jurist und Pädagoge, lehrt an der Pädagogischen Hochschule St.Gallen Schulrecht. Er fände es unverhältnismässig, unter den aktuellen Umständen Eltern zu büssen. «Zum Themenkomplex Coronavirus und Kinder sind noch sehr viele Fragen offen. Jetzt ist nicht der Zeitpunkt, um strenge Sanktionen zu erlassen», sagt er. Hofmann erwartet nicht, dass die Behörden Eltern strafen, die ihre Kinder vom Unterricht fernhalten. Und: «Solange die Eltern nicht überzeugt sind, dass die Sicherheit genügend gewährleistet ist, werden diese auch nicht durch die Androhung von Bussen ihre Kinder wieder der Schule anvertrauen.»

Wie sehen die Lehrer die geplante Schulöffnung?

Dagmar Rösler, Präsidentin des Dachverbandes der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer, sagt. «Viele Lehrpersonen die zur Risikogruppe gehören, sind im Hinblick auf die Wiederöffnung der Schulen besorgt um ihre Gesundheit», sagt sie. Dies treffe vor allem auf Personen mit Vorerkrankungen zu, aber auch auf Pädagogen, die trotz Erreichen des Rentenalters weiterhin unterrichteten. Rösler fordert, dass nun in interkantonaler Zusammenarbeit ein Schutzkonzept ausgearbeitet wird, das der Realität in den Klassenzimmern Rechnung trage und in der Praxis umsetzbar sei. Samuel Rohrbach, Präsident des Westschweizer Lehrerverbandes, hält eine Schulöffnung nur dann für realistisch, wenn die Sicherheitsmassnahmen eingehalten werden können. Er sagt aber: «Wie die Distanzregeln mit 20 Schülern in einer Klasse eingehalten werden sollen, ist ein grosses Rätsel.»

Ist sich die Wissenschaft in der Frage der Schulöffnung einig?

Unter den Wissenschaftern gibt es bezüglich der Schulöffnung Skeptiker und Befürworter. Zu letzteren zählt Beda Stadler. Der emeritierte Professor für Immunologie an der Universität Bern verweist auch auf die Erkenntnis bis jetzt vorliegender Studien, wonach der Krankheitsverlauf bei Kindern mild verläuft. Für Stadler ist allerdings klar, dass gesundheitlich vorbelastete Kinder und Lehrer zu Hause bleiben müssen. Der Schutz der Risikogruppen reiche aus, um die Spitäler vor einer Überbelastung zu bewahren. Das habe der bisherige Verlauf der Ansteckungen gezeigt. Die Wiederöffnung der Schulen erachtet Stadler als wichtigen Schritt zum Erreichen der Herdenimmunität. Wenn die Ansteckungskurve so flach verlaufe wie bisher mit den strengen Massnahmen, daure es dafür sonst drei Jahre. So lange könne man die Risikopersonen und die Senioren aber nicht einsperren.

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