Schweiz
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Die Cabrio Bahn des Stanserhorn im Kanton Nidwalden am Samstag 30. Juli 2016. (KEYSTONE/Urs Flueeler).

Ab 8. Juni dürften Bergbahnen wie die Cabrio-Gondel aufs Stanserhorn wieder fahren. Bild: KEYSTONE

Die grosse Öffnung am 8. Juni: Was der Bundesrat heute regeln muss

Der Bundesrat entscheidet über den nächsten Lockerungsschritt in der Coronakrise. Die tiefen Fallzahlen machen es ihm nicht leicht: Die Erwartungen sind hoch, dass er möglichst viel zulässt.



Vor genau einem Monat hat der Bundesrat die ersten Lockerungen des Corona-Lockdowns in Kraft gesetzt. Bau- und Gartencenter, Coiffeursalons und Tattoo-Studios durften nach sechs Wochen Zwangspause den Betrieb wieder aufnehmen. Die nächste Etappe folgte am 11. Mai. Sie betraf unter anderem Restaurants, Läden, Museen und die obligatorischen Schulen.

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Ein Fazit ist schnell gezogen: Das Wagnis hat sich bislang ausbezahlt. Obwohl die Aufforderung «Bleiben Sie zu Hause!» definitiv Makulatur geworden ist, nehmen die Fallzahlen weiter ab. Über die Gründe rätselt selbst der Corona-Delegierte Daniel Koch. Einmal mehr zeigt sich: Das neuartige Coronavirus verhält sich unberechenbar und bringt die Wissenschaft an ihre Grenzen.

Eine Frau faehrt auf ihrem Rad neben einem Plakat

Diese Aufforderung gilt definitiv nicht mehr. Bild: KEYSTONE

Das macht es für den Bundesrat nicht einfacher, wenn er heute die nächste grosse Öffnung am 8. Juni beschliesst. Er muss weiter zur Vorsicht mahnen. Gleichzeitig steht er unter enormem Druck. Die betroffenen Branchen drängen auf eine möglichst weitgehende Lockerung. Und die Kantone fordern laut den Tamedia-Zeitungen eine rasche Aufhebung der «ausserordentlichen Lage».

Dem Bundesrat fällt es auch immer schwerer, die Bevölkerung auf Kurs zu halten. Die über das lange Osterwochenende noch vorbildliche Disziplin erodiert. An Auffahrt wurden einzelne Ausflugsgebiete regelrecht gestürmt. In den Zügen und Postautos waren Hygiene- und Abstandsregeln ein Fremdwort. Illegale Fussballspiele und Partys sind ein Problem, das sich im Sommer verschärfen wird.

Es ist ein schmaler Grat, auf dem die Landesregierung balanciert, denn auch in angrenzenden Ländern wird ein zunehmend forsches Öffnungstempo vorgelegt. Besonders weit geht Bodo Ramelow, der linke Ministerpräsident von Thüringen. Er will alle Corona-Massnahmen aufheben. Was aber ist am 8. Juni in der Schweiz zu erwarten?

Tourismus

Gorillas im Zoo Zuerich am Mittwoch, 18. Maerz 2020. Wegen des Coronavirus wurde der Zoo Zuerich fuer die Besucher geschlossen. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Die Gorillas im Zoo Zürich warten auf Besucher. Bald werden sie erlöst. Bild: KEYSTONE

Am Sonntag fand in Bern der zweite «Tourismusgipfel» mit Vertretern des Bundesrats und den betroffenen Verbänden statt. Die Stimmung war danach wesentlich gelöster als nach dem ersten Treffen am 26. April. Gastrosuisse-Präsident Casimir Platzer sagte, vom Bundesrat sei das klare Signal gekommen, dass er den Tourismus am nächsten Mittwoch nicht enttäuschen werde.

Bergbahnen, Campingplätze und Schifffahrt werden wieder in Betrieb gehen, unter Beachtung von Schutzkonzepten. Ohne sie ist ein vernünftiger Sommertourismus in der Schweiz nicht denkbar. Gleiches gilt für Schwimmbäder und Wellnessanlagen, die bislang nur für sportliche Aktivitäten offen sind. Auch Zoos, Tierparks und botanische Gärten können Besucher empfangen.

Die Restaurants dürfen darauf hoffen, mehr als vier Personen pro Tisch zu bedienen. Der geforderte Abstand von zwei Metern zwischen den Tischen könnte reduziert werden (in Österreich genügt ein Meter). Im Gegenzug könnte der Bundesrat die Gastrobranche eindringlich ermahnen, von den Gästen die Hinterlegung der Kontaktdaten einzufordern, was bislang zu wenig geschieht.

Kultur/Entertainment

ZUM 100-JAHR-JUBILAEUM DES CIRCUS KNIE STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG --- Circus Knie pictured at the Allmend in Thun, Canton of Berne, Switzerland, on October 25, 2018. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Der Circus Knie will im Juli auf Tournee gehen. Bild: KEYSTONE

Auf der Liste des Bundes ist für den 8. Juni auch die Öffnung von Kinos, Theatern, Konzerthäusern und Casinos vorgesehen. Mehrere Verbände haben letzte Woche ein Schutzkonzept vorgelegt. Auf der Bühne soll Körperkontakt möglichst vermieden werden. Die Zuschauer müssen ihre Kontaktdaten hinterlegen. Es soll separate Ein- und Ausgänge sowie Wartezonen geben.

Im Zuschauerraum könnte je nach Distanzvorgabe eine Auslastung bis 70 Prozent erreicht werden, allenfalls verbunden mit einer Maskenpflicht. Dies nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass Theater und Opernhäuser häufig von Angehörigen der Risikogruppe über 65 besucht werden. Auch Zirkusse könnten so wohl auf Tournee gehen. Der Circus Knie plant den Saisonstart im Juli.

Sport

Basels Silvan Widmer, links, und YBs Nicolas Moumi Ngamaleu in Aktion, im Super League Spiel zwischen dem FC Basel und dem BSC Young Boys Bern am Sonntag, 1. Dezember 2019 im Stadion St. Jakob-Park in Basel. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Kann die Super League ab Juli wieder vor Publikum spielen? Bild: KEYSTONE

Sportarten ohne direkten Körperkontakt und Trainings sind seit dem 11. Mai erlaubt. Nun dürfte auch der Profisport grünes Licht erhalten. Die Fussballklubs wollen am Freitag über den Neustart am 19. Juni beraten. Vorgesehen waren bislang Geisterspiele, doch unerwartet hat Daniel Koch am Sonntag im «Sportpanorama» angedeutet, dass ab Juli vor Publikum gekickt werden könnte.

Einzige Voraussetzung ist demnach die Erhebung der Kontaktdaten. Das dürfte nicht einfach werden. Und wie kann man verhindern, dass sich in den Stadien Fanblöcke ohne Beachtung der Distanzregeln bilden? Gleichzeitig hat Koch mit seinem Vorpreschen Begehrlichkeiten geweckt, denn andere Sportarten und Events werden auf eine Gleichbehandlung pochen.

Versammlungen

Anlässe mit Zuschauern bedeuten eine Aufhebung des Verbots von Versammlungen mit mehr als fünf Personen. Events mit mehr als 1000 Personen wird es vor Ende August kaum geben. Der Bundesrat könnte alles zulassen, was darunter liegt. Oder er entscheidet sich für eine schrittweise Lockerung. Demonstrationen wären damit wieder erlaubt. Hotellerie und Restaurants setzten ebenfalls darauf, sie wollen wieder Bankette und Seminare durchführen.

Schulen

Nach den obligatorischen Schulen sind nun die weiterführenden Institutionen an der Reihe. Die Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts an den Mittel-, Berufs- und Hochschulen ist Formsache. Sommerlager mit maximal 300 Schülerinnen und Schülern wären laut «Blick» ebenfalls erlaubt.

Diverses

Grenzgaenger passieren den Zoll Stabio-Gaggiolo von Italien in die Schweiz, am Montag, 9. Maerz 2020, in Stabio. Inmitten der Coronavirus-Krise bleibt die Grenze zwischen Italien und der Schweiz fuer Grenzgaenger vorerst offen. Die italienische Regierung hatte ein grundsaetzliches Ein- und Ausreiseverbot fuer die mehr als 15 Millionen Einwohner der Regionen im Norden des Landes erlassen. (KEYSTONE/Ti-Press/Davide Agosta)

Italien will die Grenze bald öffnen. Zieht die Schweiz nach? Bild: KEYSTONE/Ti-Press

Die vollständige Öffnung der Grenzen zu Deutschland, Österreich und Frankreich am 15. Juni ist bereits vereinbart. Eine analoge Lösung mit Italien, das die Grenze am 3. Juni einseitig öffnen will, ist anscheinend im Gespräch. Ausserdem hat das Erotikgewerbe letzte Woche ein eigenes Schutzkonzept erstellt. Es will am 8. Juni wieder arbeiten, doch das ist wenig wahrscheinlich.

An Herausforderungen mangelt es nicht. So steht mit Pfingsten das nächste verlängerte und wohl schöne Wochenende vor der Tür. Einzelne Branchen möchten bereits dann den Betrieb aufnehmen. Sie dürften enttäuscht werden. Ganz ausgeschlossen aber sind solche «Überraschungen» nicht, und sei es, damit sich der Ausflugsverkehr besser verteilt als an Auffahrt.

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