Schweiz
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Corona-Impfstoff: 10 Fragen und Antworten zum Stand der Forschung

Zehn Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Stand der Forschung in Sachen Medikamente und Impfstoffe gegen Corona.

Andreas möckli / Schweiz am wochenende



Weltweit wird fieberhaft an Impfstoffen und Medikamenten gegen das Coronavirus geforscht. Wer hat die Nase vorn? Und welche Rolle spielen Schweizer Firmen? Das ist der aktuelle Stand der Dinge.

Wo stehen wir bei den Medikamenten?

Leider gibt es bis heute kein zuverlässig wirkendes Mittel, das von den Gesundheitsbehörden offiziell gegen das Coronavirus zugelassen wurde. Gleichzeitig werden in Spitälern mehrere Medikamente eingesetzt, die bereits vielversprechende Resultate zeigten und weiter getestet werden. Rund 160 bestehende und neue Medikamente werden derzeit in klinischen Versuchen zur Bekämpfung des Virus untersucht

Welches sind die Hoffnungsträger?

Weit oben auf dieser Liste befindet sich das Präparat Remdesivir der US-Firma Gilead. Das Mittel hat bei Coronapatienten die Zeit bis zur Genesung im Schnitt von 15 auf 11 Tage verkürzt, wie eine klinische Studie mit über 1000 Teilnehmern gezeigt hat. Die Sterblichkeit ging jedoch kaum zurück und war auch nicht statistisch signifikant. In den USA hat das Medikament Anfang Mai eine Notfallzulassung für den Einsatz in Spitälern erhalten, dies ist etwa auch in Indien und Südkorea der Fall.

Wie sieht es mit anderen Mitteln aus?

Seit dieser Woche macht das Medikament Dexamethason Schlagzeilen. Es handelt sich dabei um ein altes Arzneimittel, das gegen Entzündungskrankheiten wie etwa Arthritis eingesetzt wird. Dexamethason sei bisher das einzige Mittel, dass die Sterblichkeit reduziere, sagen britische Forscher, die eine Studie mit 2100 Teilnehmern durchgeführt haben.

17.06.2020, Nordrhein-Westfalen, Köln: Eine Packung Dexamethason wird in der Hand gehalten. Der Entzündungshemmer Dexamethason könnte die Sterberate bei schweren Covid-19-Verläufen senken. Darauf weisen vorläufige Ergebnisse einer klinischen Studie hin, die noch nicht veröffentlicht sind und bisher nicht von anderen Experten begutachtet wurden. Foto: Oliver Berg/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Bild: keystone

Bei schwer kranken Coronapatienten, die künstlich beatmet werden mussten, habe sich die Todesrate um rund ein Drittel verringert. Die Forscher sprechen von einem Durchbruch. Gleichzeitig zeigen sich zahlreiche Ärzte skeptisch und warnen vor zu viel Euphorie. Die britischen Forscher haben bislang nur eine Zusammenfassung der Resultate veröffentlicht, nicht aber die ganze Studie.

Was haben die Schweizer Pharmafirmen im Köcher?

Novartis setzt seine Hoffnungen unter anderem auf das Mittel Hydroxychloroquin. Im April hat der Pharmakonzern eine Studie mit 440 Patienten in den USA gestartet. Bekanntheit erlangte das Medikament durch US-Präsident Donald Trump. Er hat das Mittel hochgejubelt und später gesagt, er habe es vorbeugend eingenommen. Von einer prophylaktischen Wirkung war jedoch nie die Rede.

Inzwischen hat die US-Gesundheitsbehörde die Notfallzulassung für das Mittel zurückgezogen. Es gebe Hinweise, dass Hydroxychloroquin gegen Covid-19 nicht wirksam sei und schwere Nebenwirkungen verursache. Die Erfolgschancen für Novartis erscheinen gering. Zudem untersucht das Unternehmen zwei weitere Mittel zur Bekämpfung des Coronavirus.

Und was unternimmt Konkurrent Roche?

Der Pharmakonzern testet sein bestehendes Arthritismittel Actemra. Doch soeben erhielt der Pharmakonzern einen Dämpfer: Eine Studie aus Italien zeigte keine Verbesserung der Symptome bei Patienten, die an einer Lungenentzündung im Anfangsstadium leiden. Eine weitere Studie testet die Kombination von Actemra und Remdesivir.

Wie steht es um einen Impfstoff gegen das Virus?

Fast täglich erreichen uns Neuigkeiten zum Thema. Laut der Weltgesundheitsorganisation arbeiten Forscher an 135 Impfstoffen. Zu den Spitzenreitern gehört die britische Universität Oxford, die zusammen mit dem Pharmakonzern Astrazeneca einen Impfstoff entwickelt. Mitte Mai gab die Uni bekannt, die Tests für die Impfung auf über 10000 Erwachsene und Kinder auszudehnen. Bis Oktober könnten erste Daten vorliegen.

Wo steht der Impfstoff, an dem der Pharmazulieferer Lonza beteiligt ist?

Entwickelt wird dieser von der US-Biotechfirma Moderna. Vergangene Woche gab das Unternehmen bekannt, im Juli mit einer Studie an 30000 Freiwilligen zu beginnen. Im Erfolgsfall wird Lonza die Wirksubstanz des Impfstoffes in der Schweiz und in den USA herstellen. Neben Astrazeneca und Moderna sind die US-Pharmakonzerne Pfizer und Johnson & Johnson weit fortgeschritten.

Wann ist mit einer Massenimpfung zu rechnen?

Sollte sich einer der Impfstoffkandidaten als erfolgreich erweisen, muss er zuerst von den Behörden zugelassen werden. Um die breite Bevölkerung zu impfen, braucht es mehrere Milliarden an Impfdosen. Dazu fahren die Hersteller die Produktion hoch. Wie rasch das gelingt, ist ungewiss.

Zudem ist unklar, wie lange der Impfschutz anhält. Allenfalls braucht es mehrere Dosen pro Person. Experten warnen deshalb vor zu viel Euphorie. Giuseppe Pantaleo, Leiter des Schweizerischen Impfstoffinstituts, rechnet erst im Herbst 2021 mit einem breit verfügbaren Impfstoff, wie er dieser Zeitung sagte.

Wird es einen Verteilkampf um Impfstoffe geben?

Einiges deutet darauf hin. Viele Länder investieren massive Summen, um sich einen Impfstoff zu sichern. Allen voran die USA: Unter den Namen «Operation Warp Speed» hat das Land bereits über 2 Milliarden Dollar gesprochen, um die Firmen Astrazeneca, Moderna und Johnson & Johnson zu unterstützen. Insgesamt hat der US-Kongress zehn Milliarden Dollar mit dem Ziel bereitgestellt, um bis nächsten Januar 300 Millionen Impfdosen zur Verfügung zu haben.

Was macht die Schweiz in Sachen Impfstoff?

Der Bundesrat rechnet mit Kosten von 300 Millionen Franken, um sich die nötigen Impfdosen zu sichern. Zuerst müsse man evaluieren, welche der vielen Kandidaten die Hoffnungsträger sind, sagte Gesundheitsminister Alain Berset im Mai. Zu den Ängsten, dass die Schweiz angesichts des Moderna-Deals mit Lonza leer ausgehen könnte, sagte Berset: «Uns interessiert das Endprodukt. Wir brauchen einen fertigen Impfstoff, der die Menschen schützt. Ein blosser Bestandteil des Impfstoffs nützt uns nichts.»

Zudem führt der Bund Gespräche mit potenziellen Kandidaten für die Impfstoffentwicklung in der Schweiz. Dabei gehe es darum, die jeweiligen Bedürfnisse zu ermitteln und eine gezielte Unterstützung zu koordinieren, sagt eine Sprecherin des Bundesamts für Gesundheit. Ein Entscheid über einen möglichen finanziellen Beitrag des Bundes werde in den kommenden Wochen gefällt.

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