Schweiz
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epa08579066 A woman wears a face mask reading 'pandemic lie' on her forehead during a protest against coronavirus pandemic regulations in Berlin, Germany, 01 August 2020. An alliance of right wing groups have called to a democratic resistance demonstration for the first weekend in August. The nationwide rally 'Day of Freedom' will take place 01 August as a protest against the measures imposed by the Government in relation to the coronavirus pandemic. The events are organized by groups of various motives, right wing activists, conspiracy theory believers and more.  EPA/FELIPE TRUEBA

Eine Frau demonstriert gegen die Corona-Massnahmen. Aufgenommen am 1. August in Berlin. Bild: keystone

Corona-Verharmloser, das ist für euch: 13 eurer Behauptungen im Faktencheck

Am Samstag marschieren in Zürich die Corona-Rebellen auf. In der Hoffnung, einige von ihnen lesen watson, haben wir 13 falsche Aussagen rund um Covid-19 im Faktencheck demontiert.



«Corona ist nicht schlimmer als eine Grippe»

Es ist eines der beliebtesten Argumente von Covid-19-Verharmlosern: Sie sagen, das Coronavirus sei nicht gefährlicher als eine Grippe und die Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie deswegen übertrieben. Doch diese Aussage ist falsch. Gemeinsam haben Sars-CoV-2 und die saisonalen Grippeviren, dass sie beide Atemwegserkrankungen auslösen und schnell von Person zu Person übertragbar sind. Abgesehen davon sind sie sehr verschieden.

Ein wichtiger Unterschied ist die Inkubationszeit. Sie liegt bei der Grippe bei 1 bis 2 Tagen und beim neuen Coronavirus meist bei 5 Tagen, sie kann aber bis zu 14 Tage dauern. Das heisst also, wer sich mit Sars-CoV-2 angesteckt hat, ist für eine lange Zeit ansteckend. Zudem ist die Ansteckungsrate höher. Nach aktuellen Erkenntnissen steckt eine mit dem neuen Coronavirus infizierte Person im Durchschnitt zwei bis zweieinhalb weitere Personen an. Das sind mehr als bei der Influenza. Schätzungen für Covid-19 und Influenzaviren sind jedoch sehr umgebungsabhängig und auch zeitspezifisch. Das erschwert direkte Vergleiche.

Bei Covid-19 gibt es mehr schwere Infektionsverläufe als bei einer Influenza-Infektion. Etwa 15 Prozent der Krankheitsverläufe sind laut Wissenschaft schwer, 5 Prozent der Fälle verlaufen kritisch und benötigen eine künstliche Beatmung. Für die Grippe sind laut WHO niedrigere Zahlen beobachtet worden. Ein weiterer wichtiger Unterschied zwischen den zwei Virentypen ist, dass es gegen Sars-CoV-2 keine Medikamente oder Impfungen gibt. Gegen die Influenza gibt es hingegen Schutzimpfungen und antivirale Medikamente.

Fazit: Falsch

>>> Zum Coronavirus-Liveticker hier entlang.

«An der Grippe sterben mehr Menschen als an Corona»

Das Problem mit diesen Todeszahlen ist, dass sie unterschiedlich erhoben werden und deshalb nicht miteinander verglichen werden können. Nehmen wir das Jahr 2017. Damals war die Grippewelle eine der tödlichsten der vergangenen 30 Jahre. Ganz eindeutig von Ärzten als Grippetote klassifiziert wurden 284 Personen. Doch viele Menschen starben zu Hause oder in einem Heim und wurden gar nie auf Grippeviren getestet. Die Statistiker mussten für die Zählung der Grippetoten also eine Schätzung vornehmen, bei der sie sich an der Übersterblichkeit orientieren. Sie sahen, dass im langjährigen Durchschnitt in den Wintermonaten mehr Menschen als üblich gestorben sind. Diese Übersterblichkeit ordneten sie der Grippe zu und gingen von geschätzt 1000 Toten aus.

Bei der Zählung der Corona-Toten bemängeln Kritiker, dass nun Todesfälle von schwerkranken Patienten erfasst werden, die auch ohne Covid-19 an ihrem ursprünglichen Leiden gestorben wären. Das ist zum Teil tatsächlich so. In der Tat obliegt es der behandelnden Ärztin, die Todesursache zu deklarieren. Darum ist auch hier weniger die absolute Zahl der Toten aussagekräftig, sondern die Übersterblichkeit im Monats- und Jahresdurchschnitt. Diese bewegte sich ab März 2020 ausserhalb des normalen Rahmens und war gar noch höher als im Grippejahr 2017. Dass die Kurve danach wieder abflaute, ist den ergriffenen Corona-Massnahmen zu verdanken. Ansonsten kann man davon ausgehen, dass sie weiter gestiegen wäre.

Todesfälle Schweiz 2014 bis 2020 Coronavirus Covid-19 Grippewelle Grippe

Fazit: Falsch.

«Das Coronavirus wurde im Labor gezüchtet»

Ist das Coronavirus ein menschengemachtes Produkt aus dem Labor und absichtlich gezüchtet worden? Wissenschaftler halten das für nicht plausibel. Im März veröffentlichten Forscher um den schwedischen Mikrobiologie-Professor Kristian Andersen eine Analyse, in der sie der Frage nachgingen, ob das Virus künstlich hergestellt worden sein könnte. Ihre Antwort ist eindeutig: «Wir schliessen eine genetische Manipulation in einem Labor als möglichen Ursprung für Sars-CoV-2 aus», so das Fazit von Andersen.

Sein Team analysierte das Spike-Protein auf der Oberseite der Coronaviren, das für die Bindung an die Wirtszelle verantwortlich ist. Dabei sah man, dass die Aminosäuren von Sars-CoV-2 einen abweichenden Aufbau und eine andere Zusammensetzung haben als verwandte Coronaviren. Die Forscher sagten, dank dieser Merkmale könne das neue Virus besonders leicht menschliche Zellen befallen. Allerdings sei das Ganze nicht so optimal gestaltet, wie wenn man es künstlich in einem Labor präparieren würde. Ausserdem wäre bei der Labor-Theorie nicht nachvollziehbar, warum man Sars-CoV-2 aus einem bisher für Menschen harmlosen Virus hätte entwickeln sollen, anstatt aus einem gefährlicheren Corona-Verwandten wie Mers oder Sars.

Fazit: Falsch

«Nicht alle Corona-Toten sind wirklich am Virus gestorben»

Tatsächlich ist es so, dass auch Personen als Covid-Tote gezählt werden, die nicht unbedingt an den Folgen von Covid-19 gestorben sind. So könnte beispielsweise jemand, der positiv auf das Coronavirus getestet wurde und bei einem Autounfall stirbt, ebenfalls in die Statistik einfliessen. Aber: Die Anzahl jener, die eben nicht an den direkten Folgen der Lungenkrankheit sterben, ist kleiner als jene, die an Covid-19 sterben, aber nie getestet wurden. Dies zeigte kürzlich auch eine Studie aus Italien.

Fazit: Richtig.

«Die Fallzahlen steigen nur, weil jetzt mehr getestet wird»

Seit Juli steigt die Zahl der bekannten Neuinfektionen mit dem Coronavirus in der Schweiz wieder an. Kritiker behaupten, die täglichen Fallzahlen seien nur deshalb wieder höher, weil sich jetzt mehr Menschen testen liessen. Was stimmt, ist: Es wird tatsächlich mehr getestet. Die Kapazitäten werden stetig ausgebaut. Doch die Zahlen der durchgeführten Tests korrelieren nicht mit den Fallzahlen. So kommt es vor, dass an einem Tag die Testrate hoch ist, aber die Fallzahlen tief sind und an anderen Tagen die Testrate wieder gesunken ist, während die Fälle wieder hochgehen.

Eine deutsche Untersuchung, die sich ebenfalls mit dieser Frage beschäftigt hat, schreibt, die Zahl der Tests und jene der positiven Fälle könne kaum miteinander verglichen werden. Festgestellte Corona-Infektionen müssen verpflichtend übermittelt werden, während die Zahl der durchgeführten Tests eine freiwillige Angabe der Labore sei. Diese Zahl schwanke und es gebe Nachmeldungen. Es sei zwar nicht auszuschliessen, dass in einzelnen Wochen ein Anstieg der Fallzahlen auf die zusätzlich durchgeführten Tests zurückzuführen sei. Doch die Behauptung, die steigenden Fallzahlen seien von der erhöhten Testrate abhängig, sei falsch, so die Untersuchung.

Fazit: Teilweise falsch.

«Corona-Infizierte ohne Symptome übertragen das Virus nicht»

Es stimmt, dass Personen mit asymptomatischem Verlauf das Virus viel weniger stark verbreiten als solche, die Symptome aufweisen. Der Grund dafür ist relativ einfach erklärt: Das Coronavirus verbreitet sich über Tröpfchen. Wer nicht hustet, ist damit eine kleinere Gefahr für die Mitmenschen. Trotzdem sind bereits Übertragungen des Virus von asymptomatischen Personen nachgewiesen worden. Hier gilt grundsätzlich, dass der Kontakt der beiden Personen viel enger sein muss. Da sich asymptomatische Patienten allerdings gesund fühlen und oft nicht wissen, dass sie ansteckend sind, kommt es auch häufiger zu engeren Kontakten als bei Patienten mit Symptomen.

Fazit: Falsch.

«Das Tragen von Masken ist gefährlich, weil viel mehr CO2 eingeatmet wird»

Immer wieder befürchten Leute, dass sie durch das Tragen einer Maske zu viel ihres eigenen CO2 einatmen und so zu wenig Sauerstoff aufnehmen. Gesundheitliche Schäden konnten bislang aber in keiner Studie nachgewiesen werden. Untersucht wurden dabei Gesundheitsangestellte, die solche Masken teilweise stundenlang während Operationen trugen – und das über Jahre. Der CO2-Gehalt müsste innerhalb der Maske von 0,04 auf über 10 Prozent steigen, damit die Person etwas davon merkt. Die ausgeatmete Luft kann bei Masken jedoch ohne Probleme an den Rändern entweichen.

Coronavirus: So trägst du die Schutzmaske richtig

Video: watson/Emily Engkent

Fazit: Unbelegt.

«Das Coronavirus wurde erfunden, um Massenimpfungen zu legitimieren»

Im Moment wird auf Hochtouren nach einer Corona-Impfung geforscht. Impfgegner auf der ganzen Welt haben nun Angst, dass eine Zwangsimpfung folgt. Dies ist unwahrscheinlich. Im Gegenteil, die Länder streiten sich im Moment eher darum, wer als erstes den Impfstoff erhält. Ausserdem gibt es in der Schweiz keine rechtliche Grundlage für eine Zwangsimpfung.

Würde der Bundesrat tatsächlich ein Impfobligatorium erlassen, müssten Impfgegner also lediglich eine Busse bezahlen und würden nicht unter Zwang unter die Nadel kommen.

Fazit: Falsch.

«Die Suizidrate hat sich seit dem Lockdown mehr als verdoppelt»

Für die Schweiz kann bisher kein Anstieg der Suizidrate festgestellt werden. Verdoppelt hat sie sich garantiert nicht. Auch in den Nachbarländern Deutschland und Österreich wurde kein signifikanter Anstieg gemessen.

Fazit: Falsch.

«Die Corona-Massnahmen wurden erlassen, um die Demokratie in der Schweiz zu untergraben»

Die Corona-Massnahmen des Bundesrates waren bislang immer rechtlich abgestützt. Keine der Notverordnungen verstiess also gegen geltendes Recht. Weiter wurden die Massnahmen nach einer Abflachung der Kurve sogleich wieder heruntergefahren. Hätte der Bundesrat die Corona-Krise nutzen wollen, um seine eigene Macht zu mehren, müsste man diesen Plan als gescheitert ansehen.

Fazit: Falsch.

«Das 5G-Netz verbreitet das Coronavirus»

Das Coronavirus wird über eine Tröpfcheninfektion verbreitet. Das bedeutet, dass die Viren beim Niesen, Husten und Sprechen über winzige Speicheltropfen von einer Person zur anderen gelangen. Dies ist ausreichend belegt. Eine Verbreitung über das 5G-Netz ist deshalb nicht nachgewiesen.

Fazit: Falsch.

«Das Klima hat einen Einfluss auf die Coronavirus-Ansteckungen»

Dieser Punkt ist ungewiss. Es gab bislang verschiedene Untersuchungen dazu, die Ergebnisse deuteten aber immer wieder mal in die eine und dann wieder in die andere Richtung. Das Problem ist dabei, dass die Corona-Fallzahlen auf der ganzen Welt unzuverlässig sind. Es ist je nach Land unterschiedlich, wie viele Ansteckungen gemeldet und wer überhaupt getestet wird. Das macht eine Auswertung ungemein schwierig, wie Wissenschaftler von der Universität Oxford erklären.

Fazit: Unbelegt.

«Haustiere können das Coronavirus übertragen»

Tatsächlich wurden bereits mehrere Katzen und Hunde positiv auf das Coronavirus getestet. Weiter wurde festgestellt, dass es durchaus vorkam, dass Katzen das Virus auf Artgenossen übertragen haben. Eine Ansteckung von einem Haustier auf einen Menschen wurde bislang noch keine nachgewiesen.

Fazit: Unbelegt.

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