Schweiz
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Wie lange es noch dauert, bis E-Mountainbikes häufiger verkauft werden als «normale» Mountainbikes? Nicht mehr lange. bild: shutterstock

Wie die E-Bikes drauf und dran sind, die «richtigen» Velos zu überflügeln

Die Schweiz steckt im E-Bike-Fieber. Nicht nur dank der Coronakrise werden die Velos mit Elektromotor wie warme Weggli verkauft. Wir zeigen in fünf Punkten, wie sehr die Velos mit Unterstützung gerade den Schweizer Markt aufmischen.



Eigentlich ist das E-Bike schon rund 120 Jahre alt. Aber damals gab es noch keinen geeigneten Akku, um die Energie zu speichern. So geriet das Velo mit Unterstützung für fast 100 Jahre in Vergessenheit. In den 1990er Jahren zeigte sich dann auch die Schweiz unter den E-Bike-Pionieren.

Es dauerte allerdings noch bis 2008, als sich das E-Bike durch die Finanzkrise und den weltweiten Einbruch von Autoverkäufen langsam und seither immer schneller verbreitet. Entscheidend war dabei auch die technische Entwicklung, welche immer mehr Energie in immer kleineren Akkus speichern lässt, sowie der technische Fortschritt in der Elektronik. Diese bringt, beflügelt durch das Smartphone, immer mehr Funktionen und Sensoren kostengünstig und auf kleinstem Raum unter.

Patent John Schnepf, E-Bike 1899

Die Zeichnung zu John Schnepfs «E-Bike-Patent» 1899. bild: electricbike.com

«Heute erleben wir mit den E-Bikes einen ähnlichen Boom, wie in den 1990er Jahren mit den Mountainbikes. Damals begünstigte auch die Helmpflicht für Töffli den Schub», sagt Martin Platter, Geschäftsführer von Velosuisse.

Heute spielt neben dem technischen Fortschritt auch die Coronakrise den E-Bikes in die Pedalen. Wir blicken in fünf Punkten auf die Entwicklung der letzten Jahre:

Bald mehr als die Hälfte sind E-Bikes

Noch im Jahr 2006 machten die pro Jahr verkauften E-Bikes in der Schweiz gerade einmal 1,1 Prozent des gesamten Velomarktes aus. Lediglich 3181 neue Velos mit Elektromotor wurden verkauft.

Seither nehmen die Verkäufe jährlich zu. Den grössten prozentualen Wachstum gab es in den letzten zehn Jahren 2018 mit rund 27 Prozent mehr verkauften E-Bikes in einem Jahr.

Anzahl verkaufte E-Bikes seit 2006

Verkaufte E-Bikes in der Schweiz: 2006 bis 2019

Die Verkäufe spiegeln sich natürlich auch im gesamten Velomarkt wider. Machten E-Bikes 2010 erstmals mehr als 10 Prozent aus, war 2015 schon jedes fünfte Velo eines mit Unterstützung, 2019 mehr als jedes dritte. Was die Entwicklung stoppen könnte, ist aktuell kaum absehbar.

Anteil verkaufter Velo-Modelle seit 2006

Veloverkäufe seit 2006 Schweiz

Der Verband Velosuisse rechnet in einer Mitteilung im Juli 2020 mit einer Zunahme der E-Bikes in diesem Jahr von rund 25 Prozent. Trifft dies – bei mehr oder weniger gleichen Verkaufszahlen der Sport- und Freizeit/Alltagsvelos – zu, würden die E-Bikes schon rund 42 Prozent aller verkauften Velos ausmachen.

In der obigen Statistik sind bei den Sport- und Freizeit-Velos auch jeweils noch Junior-Velos (20-24 Zoll) berücksichtigt. E-Bikes gibt es derweil nur in der Erwachsenen-Version. Zählt man die Juniorvelos ab, liegt der E-Bike-Anteil an den schweizweit verkauften Velos im Jahr 2019 bereits bei 44 Prozent.

Das E-Mountainbike wird immer beliebter

Doch auch innerhalb der E-Bikes gibt es einen Trend: Hin zum E-Mountainbike. 2014 erfasste Velosuisse die E-MTB erstmals als eigene Kategorie. Damals betrug der Anteil knapp 24 Prozent. Seither steigt dieser an und erreichte 2018 mit knapp 39 Prozent einen vorläufigen Höhepunkt. Auch 2019 liegt der Anteil bei knapp 39 Prozent. Mit anderen Worten: Rund zwei von fünf verkauften E-Bikes ist ein «geländetaugliches».

Anteil E-MTB in der Schweiz seit 2014

Deutlich mehr 25er als 45er

Mit Blick auf den gesamten Anteil an schnellen Modellen (Unterstützung bis 45 km/h) zeigt sich: Dieser sank von rund jedem vierten Elektro-Velo 2014 auf 13,5 Prozent 2019. Ungefähr jedes siebte verkaufte E-Bike ist aktuell also ein «schnelles». Trotzdem nehmen auch die 45er mengenmässig jedes Jahr zu.

Anteil 25er und 45er E-Bikes seit 2014

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Schauen wir noch etwas genauer hin, stellen wir fest: Während E-Mountainbikes die Landschaft erobern, wird die 45er-Version des E-MTB immer unbeliebter. Gönnten sich 2014 noch fast doppelt so viele E-Mountainbiker gar ein Modell mit Unterstützung bis 45 km/h, machen diese 2019 nur noch rund drei Prozent der verkauften E-Bikes aus. Der Grund ist schnell gefunden: Mit dem 45er-E-Bike ist es verboten, auf Trails zu fahren.

Anteil 25er und 45er E-Mountainbikes seit 2014

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Auch bei den Freizeit- und Alltagsvelos mit Unterstützung liegen die 25er klar vorne. Nur jedes fünfte ist hier ein 45er. Allerdings stieg dieser Anteil seit 2014 von 14,5 Prozent auf die aktuell knapp 20 Prozent etwas an.

Anteil 25er und 45er E-Freizeit & Alltagsvelos seit 2014

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Die Ablösung ist im Gang

Vergleichen wir nochmals E-Bikes mit normalen Velos. Wir beschränken uns dabei auf die vier Varianten, welche 2019 über 50'000-mal verkauft wurden und damit klar die vier grössten Gruppen repräsentieren:

Auffallend ist, dass im Bereich der Freizeit-/Alltagsvelos die E-Bikes die Nase seit 2018 bereits vorne haben und den Vorsprung in den nächsten Jahren noch ausbauen dürften.

Entwicklung der vier meistverkauften Velo-Varianten

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Die Abnahme der E-Bikes 2014 kommt daher, weil Velosuisse zuvor die Aufteilung nach E-MTBs nicht machte.

Bei den Mountainbikes geht der Trend in die gleiche Richtung, noch liegen aber die herkömmlichen Varianten deutlich vorne mit fast doppelt so vielen verkauften Modellen pro Jahr. Allerdings gilt auch hier: Während von den normalen Velos in den letzten Jahren tendenziell immer weniger verkauft wurden, legen die E-Bike-Versionen kräftig zu.

Mo wird (wohl) nie ein E-Bike kaufen, Reto würde seines nie mehr hergeben:

Video: watson/Nico Franzoni

Und was läuft 2020?

Wie schon angedeutet: Der Trend zu noch mehr E-Bikes geht auch 2020 weiter. Eine Hochrechnung der Schweizer Fachstelle für Velo und E-Bikes kam im Juli zum Resultat, dass der Zuwachs im laufenden Jahr bis zu 25 Prozent betragen werde.

Zum Teil geht dieses Wachstum auf Kosten der normalen Fahrräder, allerdings «stückzahlmässig nicht im vollen Umfang, was auf einen leicht wachsenden Fahrradgesamtmarkt (+2,2 Prozent) hindeutet». Martin Platter, Geschäftsführer von Velosuisse will denn auch nicht von einem Boom sprechen. Er sieht eine langfristige Entwicklung: «Die Coronakrise hat diese als Brandbeschleuniger nochmals verstärkt. Allerdings wäre es jetzt wichtig, auch die Infrastruktur für die steigende Velozahl anzupassen.»

Daten und Quellen

Die Angaben zu den verkauften Velos stammen vom Verband Velosuisse, der die wichtigsten Hersteller, Importeure, Grossisten und Agenturen der Fahrradbranche in der Schweiz repräsentiert. Dieser erhebt bei seinen Mitgliedern die einzige relevante Fahrradstatistik der Schweiz. Ausgenommen von den hier verwendeten Zahlen sind Kleinhersteller und Verkäufe über das Internet.

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