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Wird im Belfort nebst vegetarischen Gerichten serviert: Salat mit Bündnerfleisch.

Veganer kritisieren Bündner Hotelier – sie haben wohl nicht mit seiner Antwort gerechnet



Das Hotel Belfort liegt in Alvaneu, einem Dorf in der Gemeinde Albula/Alvra im Kanton Graubünden. Auf seiner Homepage wirbt es wie für Hotels üblich mit «schönen und zeitgemäss ausgestatteten Zimmern und unserem feinen Restaurant, wo wir Sie mit einer grossen Vielfalt an ausgesuchten Kreationen verwöhnen.»

Schaut man bei Google vorbei, sind die Bewertungen meist positiv, aktuell erhält das Belfort bei 53 Bewertungen im Schnitt 4,2 von 5 Sternen. Bis vor einigen Tagen. Da beschwerte sich User Peter G. nach seinem Restaurantbesuch folgendermassen (das Belfort postete den Screenshot auf seinem Facebook-Account):

«Wir wurden vom Gatten der Wirtin bedient. Als 1 von 4 Personen nach einem Gemüseteller gefragt hat, wurde er sehr unhöflich und hat gemeint, dass das «nicht Ihr Stil» sei, ebenso wie: «Unsere Gerichte gibt es ganz oder garnicht». Sehr enttäuschend im Vergleich zum letzten Besuch. Von einem guten und auch genug teuren Restaurant kann man mehr erwarten.»

Peter G., auf Google

Paul Zünd, der Hotelier des Belfort, lässt die Attacke nicht auf sich sitzen und kontert ausführlich:

«Herzlichen Dank für Ihre Beurteilung. Ich möchte allerdings genauer darauf eingehen: Sie haben nicht einfach nur nach einem Gemüseteller gefragt, sondern haben gefragt, ob unsere Zucchettipiccata mit mediterranem Gemüse und Kräuterkartoffeln vegan erhältlich sei: Nein, denn in einer Piccata sind immer Ei und Käse drin und im mediterranen Gemüse eingelegte Artischocken, d.h. Essig. Wenn ich nun alles weglasse, was nicht vegan ist, so erhalte ich ein unvollständiges, unausgewogenes Gericht, welches ich nicht bereit bin, zu servieren. Der Gemüseteller, wie man ihn an manchen Orten erhält, ist weder ausgewogen noch originell und auch nicht übermässig gesund, weshalb ich ihn nicht anbiete.

Die veganen Gerichte, welche ich Ihrer Begleitung angeboten habe, wie die Edame-Nudeln mit Gemüse, den veganen Flammkuchen oder auch den Salatteller mit Melonen haben kein Gehör gefunden. Wenn man dann auf einem Gericht, das ich nicht anbiete, weiter herumreitet, dann werde ich zwar bestimmt, aber nicht unhöflich. Ich bitte Sie, bei Ihren Beurteilungen fair zu bleiben; fair wäre es auch dem Restaurant gegenüber, wenn man reservieren würde, damit sich ein Restaurant oder wie in unserem Fall der Alleinkoch dementsprechend vorbereiten kann. Vegan kochen bedeutet nämlich, neben allen Vorbereitungsarbeiten für das bestehende Angebot nochmals bei null anzufangen, um eine Kontamination zu verhindern. Und wenn man sich als Veganerin ausgibt, dann bitte ganz, auch ohne Bier...

Falls Sie nur aus einer Laune heraus vegan essen wollten, so versuchen Sie doch, zu Hause richtig vegan zu kochen oder besuchen Sie ein veganes Restaurant. Wir sind für unsere kreative Küche bekannt, mit Fleisch, aber nicht nur, und für Forelle aus dem Albulatal. Wenn man dann als Veganer die angebotenen veganen Gerichte verschmäht und deswegen aus einer Laune heraus einen von fünf Sternen verteilt, dann ist das schlicht und einfach nicht fair.

Bezüglich «genug teuer»: Kann es sein, dass Sie von einem Restaurant, das auf dem Land liegt, erwarten, günstiger zu sein als anderswo? Warum? Es bestehen dieselben Lohnverpflichtungen, dieselben Mietbedingungen, dieselben Kosten für Energie, lediglich die Beschaffungskosten für Lebensmittel, Betriebsmaterial und Kosten für Anfahrtswege von Servicetechnikern etc. sind wesentlich höher als in Agglomerationen. Ich wünsche mir, dass Sie Ihre nächste Beurteilung, sei es hier oder in einem anderen Restaurant, überlegter angehen. Ich bitte Sie ganz grundsätzlich, sich mit einer Branche tiefer auseinanderzusetzen, bevor Sie diese kritisieren.

Herzliche Grüsse aus dem Albulatal nach einem 16-Stunden-Arbeitstag bei 34° im Schatten
Paul Zünd
Dipl. Hotelier-Restaurateur/HF SHL, Gatte der Wirtin»

Der Wirt spricht in seiner Antwort direkt die Wünsche der «Begleitung» G. an, was diese dann auch zu einem Kommentar auf Google verleitet:

«Herzlichen Dank für Ihre Antwort ich als Begleitung habe Sie ebenfalls als unflexibel und arrogant erlebt. Ich kann als Gast sehr gut selbst entscheiden, was ich für gesund halte, ob ich überhaupt gesund essen möchte und weiss selbst am Besten, was ich esse (n kann) und was nicht. Das hat nichts mit einer Laune zu tun, manchmal ist es nunmal einfacher, sich als vegan zu bezeichnen, ohne dabei genau erklären zu müssen, was man verträgt und was nicht. Ich wäre äusserst zufrieden gewesen mit dem mediterranen Gemüse (welches mein Freund dann bestellt hat), entgegen Ihrer Aussage enthielt dieses nämlich nicht nur Zucchini und Peperoni sondern weitere Gemüsesorten, und wenn sie schon so genau über eventuell unveganen Essig Bescheid wissen, sollten Sie auch wissen, dass normales, nicht aromatisiertes Bier immer vegan ist, so auch Calanda und Quöllfrisch.

Fair ist es nicht, Gemüse als ungesund und unausgewogen zu bezeichnen, während nebenan Fleisch auf Speck mit Pommes serviert wird, meiner Meinung nach einfach eine Ausrede. Ob sie mir nun Pommes und Salat oder Pommes und Gemüse servieren, ist für Sie egal. Dies alles ist jedoch völlig irrelevant, wir haben uns nicht wohlgefühlt und waren enttäuscht, was sehr schade ist da wir seit Generationen seit 40 Jahren regelmässig hier gegessen haben und der Gast immer König war. Das ist sehr überlegt und einstimmig ein Stern. So gewinnt man nun mal keine jungen Leute; auch meine Cousine isst keine tierischen Produkte, wenn jedoch von beiden Seiten Flexibilität und Verständnis da ist, hat es bisher immer funktioniert, auch auf dem Land.

Herzliche Grüsse aus Alvaneu, die Begleitung, Medizinstudentin cand. Med.»

Auch davon lässt sich Hotelier Zünd nicht beeindrucken und setzt sich erneut vor den Computer:

«Liebe Vio Lina
Sie bezeichnen mich als unflexibel und geben an, vegan zu essen, weil es für Sie einfacher sein soll? Wenn das nicht unflexibel ist! Und feige noch dazu: Ich habe Ihnen drei komplett unterschiedliche vegane Gerichte angeboten, welche alle nicht auf der Karte stehen, ich glaube, das darf man als flexibel bezeichnen. Sie könnten mir schlicht und einfach mitteilen, was Sie essen dürfen und was nicht und ich bin überzeugt, dass sich weitere Gerichte finden.

Übrigens weiss ich, dass in diesem Hause 40 Jahre lang niemand gewusst hat, was vegan überhaupt ist. Im übrigen ist es ganz allein meine Entscheidung als Gastronom, was ich anbieten will, ein Gemüseteller wird niemals dazu gehören. Wir bieten genügend vegetarische Gerichte an und wie schon erwähnt sogar vegane Alternativen. Ich finde es absolut in Ordnung, wenn man sich zwischendurch vegetarisch oder auch mal vegan ernährt. Wenn man aber diese Tageslaune einem Restaurant aufdrückt, das nicht auf vegane Küche spezialisiert ist und noch erwartet, dass einem sämtliche Extrawünsche zum Normalpreis erfüllt werden, so finde ich das absolut nicht in Ordnung.

Es gibt bereits Restaurants, die nur noch gegen Arztzeugnis auf Allergien und spezielle Kostformen eingehen, weil die Rechnung mit all den Tagesveganern und Tagesallergikern nicht mehr aufgeht. Es sind Leute wie Sie, welche Gastronomen dazu bewegen (werden), dem ganzen Vegan-Zirkus aus dem Weg zu gehen, weil es gar nicht um die vegane Ernährung geht – was ohnehin ein absoluter Irrsinn ist und nicht der Natur des Menschen entspricht – sondern nur das Lechzen nach Aufmerksamkeit.

Sie werden in Ihrer Medizin-Karriere schon bald auf Menschen stossen, welche geschundene Körper vorweisen mit Muskelschwund und massiven Mangelerscheinungen und welche im Ernst glauben, dass Sie sich vegan gesund ernähren. In Ihrem Studium werden Sie sich bestimmt schon bald mit Ernährungslehre befassen; ich hoffe, dass Sie dadurch eine objektivere Meinung erlangen. Die erste Prüfung haben Sie ja nun hinter sich als cand. med., dazu gratuliere ich herzlich und wünsche Ihnen fürs zweite Studienjahr viel Erfolg.

Paul Zünd, Dipl. Hotelier-Restaurateur HF/SHL»

Auf der Facebook-Seite des Hotels Belfort gehen zahlreiche Kommentare ein. Eine Auswahl:

«Endlich ein Hotelier der ehrlich ist!!! Ich kenne leider euer Restaurant nicht.......aber die Antwort auf diese lächerliche und armselige Beurteilung, welche spitzenmässig ist(die Antwort nicht die Beurteilung)find ich Mega ..... jetzt will ich das Restaurant kennenlernen. Bravo 👏diese Bewertung gehört gelöscht und gemeldet.»

Facebook-Userin Michele J.

«Ich würde mal sagen, bleibt zu Hause und kocht euer Essen selbst. Und arrogant ist im Belfort niemand, ausser ab und zu gewiesse Gäste. Moni & Paul, ihr macht einen super Job, weiter so. 👍»

Facebook-Userin Irene B.

«ufff auf solche gäste kann man getrost und gerne verzichten und die plätze an gäste anbieten die eure küche und eure gastfreundschaft zu schätzen wissen ! sehr gut reagiert ! weiter so !»

Facebook-User Roger J.

«Bier ist vegan, zumindest in der Schweiz und in Deutschland, solange es dem Reinheitsgebot entspricht.»

Facebook-User Lovis C.

So, jetzt ist eure Meinung gefragt: Was haltet ihr von der ganzen Aktion? Schreibt es in die Kommentare (aber bitte lieb sein zueinander).

(rst)

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