Schweiz
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Bundesrat Didier Burkhalter und seine Frau Friedrun Sabine essen zu Mittag, am Freitag, 30. Oktober 2015, an der Expo in Mailand. Bevor sich die Pforten der Expo Milano am 31. Oktober zum letzten Mal schliessen, hat Burkhalter der Weltausstellung einen Besuch abgestattet. Dabei zog er eine positive Bilanz des Schweizer Auftritts. Alle Ziele seien erreicht worden, sagte Burkhalter am Freitag vor Medienvertretern im Schweizer Pavillon. Ueber 2,1 Millionen Menschen haetten den Pavillon der Schweiz besucht. (KEYSTONE/Ti-Press/Gabriele Putzu)

Der ehemalige Bundesrat Didier Burkhalter und seine Frau an der Expo in Mailand 2015. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Mit vollem Mund auf Stimmenjagd – so punkten Politiker mit ihren Essgewohnheiten

Wenn Politiker Bierkrüge stemmen und in allerlei Fast Food beissen, dann ist wieder Wahlkampf – das kann auf den Magen schlagen.

Simon Maurer / ch media



«Oh mein Gott. Das ist wirklich so gut. Ich meine es ernst!», ruft die demokratische Senatorin Kamala Harris, beisst in ein riesiges Stück Schweinefleisch und zwingt sich zu einem Lächeln. Ein zehn Sekunden langes Video mit dieser Sequenz macht gerade auf Twitter die Runde, hochgeladen hat es Harris selbst.

Die Botschaft dahinter ist klar: «Seht her, ich esse, was ihr esst, ich bin eine von euch.» Wann immer sich US-Politiker, kauend und trinkend abbilden lassen, ist dies ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Wahlkampf um die Präsidentschaft begonnen hat.

Chlorhünchen und verkochte Schweinskoteletts finden dann plötzlich ihren Weg in Politikermägen. Geschmack egal, Hauptsache das Bild lässt sich zielgruppengerecht vermarkten. Denn die ersten US-Vorwahlen finden im ländlichen Bundesstaat Iowa statt, in dem ein Kandidat erst als wählbar gilt, nachdem er vor laufender Kamera einen Haufen Corndogs und einen Korb voll Chicken Wings geschluckt hat.

Präsident Trump: König des volksnahen Essens

Einer, der das weiss, ist Präsident Donald Trump. Er hat 2016 vorgemacht, wie man mit den richtigen Essgewohnheiten Stimmen fängt. So inszenierte er seine Vorliebe für Fast Food schon im Privatjet. Und kürzlich liess er sogar bei einem offiziellen Empfang im Weissen Haus Berge von Burgern und Pommes von Mac Donalds servieren – selbstverständlich auf edlem Silbergeschirr. Man(n) ist schliesslich kein Barbar.

Republican presidential candidate Donald Trump eats a pork chop on a stick at the Iowa State Fair Saturday, Aug. 15, 2015, in Des Moines. (AP Photo/Charlie Riedel)

Der mächtigste Mann der Welt liebt Fastfood. Bild: AP/AP

Auch Ex-Präsident Barack Obama wusste mit seinen Essgewohnheiten zu brillieren. Bilder von ihm, auf denen er im Wahlkampf Hotdogs isst, gingen um die Welt. Doch die ungeschriebenen Regeln des amerikanischen Food-Knigge sind nicht für alle Politiker leicht zu meistern. Was tun, wenn man etwa Vegetarierin oder gar Veganer ist, wie zum Beispiel die Präsidentschaftskandidaten Tulsi Gabbard und Cory Booker?

Bild

bild: twitter/donaldtrump

Auf die Frage, was sie denn gerne esse, antwortete die Abgeordnete Gabbard: «Ich versuche, mich davon fernzuhalten, aber vegane Cupcakes sind für mich immer eine Gefahr.» Ein doch eher plumper Versuch sich bei urban-hipen Wählerschichten einzuschmeicheln. Und Senator Booker berichtete der New York Times, wie gerne er unterwegs in knackiges Gemüse beisse.

In den konservativen Staaten, wo Auftritte an Volksfesten Pflicht sind, wird die Sache mit dem Gemüseknabbern auch schwierig. Vitamine werden dort traditionell wegfrittiert. Und welcher Kandidat kann es sich schon leisten, die fettig-feinen Truthahnbeine vom Standverkäufer abzulehnen, wenn man diesen noch für das nächste Kampagnenfoto braucht?

Glacesorten und ein Sandwich zur falschen Zeit

Für angehende Präsidenten und Präsidentinnen lauert die Gefahr nicht nur beim Volksfest. Rechtsprofessorin Elizabeth Warren musste das diesen Frühling schmerzlich erfahren, als sie in den sozialen Medien ein etwas seltsames Video postete: Zuerst spricht sie über ihren Wahlkampf, um plötzlich zu unterbrechen und bei ihrem Mann forsch ein Bier zu bestellen. Die unnatürliche Aktion wurde Warren noch monatelang nachgetragen.

Manchmal haben Politiker auch einfach Pech. Der Glacehersteller Ben & Jerries, der den linken Senatoren Bernie Sanders unterstützt, lancierte letzte Woche eine neue Geschmacksrichtung mit dem Namen «Bernie`s back». Was übersetzt so viel bedeutet wie «Bernie ist zurück». Doch ohne Apostroph wird daraus schnell «Bernies Rücken». Und obwohl der Demokrat in seiner Partei ziemlich beliebt ist, dürfte bezweifelt werden, ob eine Glace Erfolg hat, die nach der Rückseite des 78-Jährigen benannt ist.

Die amerikanischen Wähler verziehen die kulinarischen Fauxpas ihrer Politiker bisher stehts grosszügig. Ganz anders im vornehmen England, wo allein das Bild eines essenden Politikers Schlagzeilen machen kann.

So schaffte es Labour-Chef Ed Miliband vor fünf Jahren mit einem unfreiwilligen Foto auf die Titelseite mehrerer nationaler Zeitungen. Ein Fotograf hatte Miliband beim etwas unzivilisierten Verspeisen eines Schinkensandwichs erwischt. In der Folge beschäftigte sich die britische Öffentlichkeit tagelang mit dem Foto, Freund und Feind mussten Kommentare abgegeben und Miliband verlor die Wahl. Besser hat es sein Konkurrent David Cameron gemacht: Er wurde fotografiert wie er einen Hotdog mit einer Gabel verspeiste – in Britannien scheinbar die einzig richtige Methode.

In der Schweiz und Deutschland sind essende Politiker ein seltenes Bildsujet. Volksvertreter müssen stattdessen ihre Trinkfestigkeit unter Beweis stellen. Selbst die die sonst nicht gerade als Festnudel bekannte Angela Merkel liess sich in bayrischen Bierzelten bereits mehrmals mit einem Mass ablichten.

Bundesrat Ueli Maurer, rechts, laesst sich von einem Asylsuchenden Essen schoepfen bei der zweitaegigen Bundesratsreise, am Donnerstag, 2. Juli 2015, in der Asylunterkunft in Riggisberg. (KEYSTONE/POOL/Peter Schneider)

Bundesrat Ueli Maurer lässt sich von einem Asylsuchenden bei einer zweitätigen Bundesratsreise Essen schöpfen. Bild: POOL KEYSTONE

Der Alkoholwahlkampf ist aber nicht ohne Risiko. Wie bereits die Römer wussten, gilt: in vino veritas. Und einen Politiker, der die Wahrheit sagt, das will nun wirklich niemand. (aargauerzeitung.ch)

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