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Wie der Schweizer Nachrichtendienst in der Crypto-Affäre mit CIA und BND kungelte

Laut Insidern wiesen Techniker den Geheimdienst und andere Bundesstellen immer wieder auf manipulierte Chiffriergeräte der Zuger Crypto AG hin - erfolglos.

Henry Habegger / ch media



Das Büro des Nationalrats will keine Parlamentarische Untersuchungskommission zur Crypto-Affäre einsetzen. (Archivbild)

Die Crypto-Affäre erschüttert die Schweiz Bild: KEYSTONE

Die Geschäftsprüfungsdelegation (GPDel) des Bundesparlaments beschloss im Februar, die Crypto-Affäre zu untersuchen. Die «Zusammenarbeit» der Zuger Crypto AG, Herstellerin von Chiffriergeräten, mit ausländischen Nachrichtendiensten. Die Crypto, die zeitweise 130 Regierungen belieferte, gehörte laut Medienberichten jahrzehntelang den Geheimdiensten CIA (USA) und BND (Deutschland). Diese sollen manipulierte Crypto-Geräte dazu benutzt haben, die Kommunikation von Crypto-Kundenländern anzuzapfen. Die GPDel dürfte in den nächsten Wochen über ihre Erkenntnisse informieren.

Inzwischen verdichten sich die Hinweise, dass namentlich der Schweizer Nachrichtendienst viel tiefer in Affäre steckt als bisher angenommen.

So zeigen Recherchen, dass Spezialisten des Bundesamts für Übermittlungstruppen, der heutigen Führungsunterstützungsbasis (FUB) der Armee, seit spätestens den neunziger Jahren immer wieder beim Bund Alarm schlugen. Kryptologen und Techniker des Bundes, sagt ein Beobachter, «wussten, dass die Geräte der Crypto manipuliert waren. Sie wurden deshalb immer wieder beim Nachrichtendienst vorstellig.» Und offenbar unter anderem auch beim Generalsekretariat im Verteidigungsdepartement (EMD, ab 1998 VBS).

Techniker frustriert über Haltung des Geheimdienstes

Die Schweizer Kryptologen konnten es laut dem Insider nicht fassen, und es widersprach ihrem Berufsethos, dass in ihrem Land Verschlüsselungsgeräte hergestellt wurden, die manipuliert waren und die fremden Geheimdiensten dazu dienten, andere Staaten auszuhorchen. Aber die Techniker waren frustriert, dass ihre Warnungen nichts nützten. «Man kungelte lieber weiter mit der CIA und dem BND», sagt ein Beobachter. Die Schweiz selbst hatte angeblich sichere Crypto-Geräte.

Dieser Spur, den Warnungen der Techniker, geht laut Insidern auch die GPDel nach: Befragungen wurden durchgeführt. Es sei erhärtet, «dass ein grosser Kreis von Personen und beim Bund im Bild war, was bei Crypto passierte», sagt ein Analyst.

Crypto hatte angeblich noch 2018 «Generalschlüssel»

Laut Medien-Enthüllungen, die sich auf Geheimdienst-Papiere stützten, gehörte die Crypto bis 1993 der CIA und dem BND. 1993 soll der BND ausgestiegen sein, die CIA erst 2018. Da wurde die Crypto verkauft und in zwei Firmen aufgeteilt. In dieser Zeit soll der Schweizer Nachrichtendienst neue Warnungen erhalten haben. Auch hier habe er abgeblockt, sagen Kritiker.

Konkret ging es laut Eingeweihten darum, dass Spezialisten des Bundes auch in der neuen Generation der Crypto-Geräte Löcher feststellten. Etwa 2018 lagen angeblich Informationen vor, dass Crypto die vorgeblich sichere Kommunikation ihrer Kunden abhören konnte. Über einen «Generalschlüssel» habe sie Zugang zu sämtlichen Verbindungen. «Das Verschlüsselungsprodukt der Crypto war offen», so ein Spezialist. Das Problem bestehe heute noch, sagt er. Auch beim Bund, bei dem zahllose Crypto-Geräte im Einsatz seien: «Das Schweizer Militär steht offen da». Die Armee wisse das, habe aber «im Moment noch keine Lösung».

Demgegenüber sagte ein VBS-Sprecher kürzlich gegenüber CH Media zur Situation um Crypto: «Gemäss heutigem Kenntnisstand können Schwächen in den an Schweizer Behörden gelieferten Verschlüsselungssystemen ausgeschlossen werden.» Beispielsweise sind die geheimen Bundesrats-Handys mit Crypto-Technologie verschlüsselt.

Bundesrat traut Crypto nicht über den Weg

In der Bundesverwaltung gibt es Gerüchte, dass Markus Seiler, Chef des Nachrichtendienstes von 2010 bis 2017, im GPDel-Bericht belastet werde. Seiler ist heute Generalsekretär im Aussendepartement.

Die Crypto AG und ihre Nachfolgefirmen wiesen Vorwürfe, sie lieferten manipulierte Geräte, immer zurück. Dass der Bundesrat zumindest Zweifel hat, lässt sich aber auch aus der Tatsache schliessen, dass er den Nachfolgefirmen die Exportbewilligungen verweigert und im Juni grünes Licht für ein Strafverfahren der Bundesanwaltschaft gab.

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