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Alt Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf ist seit 2017 Präsidentin der Organisation Pro Senectute. (Archivbild)

Fasst die Erhöhung des Rentenalters ins Auge: Pro-Senectute-Chefin und Ex-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf. Bild: KEYSTONE

Alt-Bundesrätin Widmer-Schlumpf will Rentenalter erhöhen



Die Präsidentin der bedeutendsten Schweizer Fachorganisation für Altersfragen hat sich für eine Erhöhung des Rentenalters ausgesprochen. «Ohne Reformen wird es mehr armutsgefährdete Rentner geben», sagte Pro-Senectute-Chefin und Ex-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf.

«Wir müssen die Erhöhung des Rentenalters ins Auge fassen, das Rentenalter darf keine heilige Kuh mehr sein», sagte die 63-jährige BDP-Politikerin in einem am Dienstag in den Tamedia-Zeitungen veröffentlichen Interview. Das heutige System der Altersvorsorge sei bald nicht mehr finanzierbar. «Wir brauchen dringend Lösungen, die einen Zeithorizont von zehn oder mehr Jahren anvisieren.»

«Wir müssen die Erhöhung des Rentenalters ins Auge fassen, das Rentenalter darf keine heilige Kuh mehr sein»

Eveline Widmer-Schlumpf

Die frühere Justiz- und Finanzministerin befürchtet, dass ohne Reformen immer weniger Leute von ihrer Rente leben können und sich Zusatzjobs suchen müssen. «Damit fehlen diese Leute bei der Freiwilligenarbeit, denn diese wird heute zum grössten Teil von Personen zwischen 65 und 74 Jahren geleistet.» Falle aber diese Ressource weg, täten sich neue zusätzliche Probleme auf, etwa bei der Betreuung von Betagten.

Auf ein bestimmtes AHV-Rentenalter wollte sich Widmer-Schlumpf nicht festlegen. «Ob man es bei 66 oder 67 Jahren festsetzt: Wichtig ist, dass mehr Flexibilisierungsmöglichkeiten geschaffen werden. Ein Bauarbeiter beispielsweise kann nicht gleich lange arbeiten wie eine Anwältin.»

«Den Jungen geschieht Unrecht»

Dringenden Reformbedarf ortete Widmer-Schlumpf auch bei der zweiten Säule und fordert eine Diskussion über die Senkung des Umwandlungssatzes beim Rentenkapital. «Heutige Rentnerinnen und Rentner erhalten, gemessen an ihren Beiträgen, zu hohe Leistungen aus den Pensionskassen.» Den Jungen geschehe Unrecht: In der zweiten Säule würden pro Jahr rund acht Milliarden Franken von der jüngeren zur älteren Generation umgelagert, «obwohl das systemwidrig ist».

Widmer-Schlumpf hält grundlegende Reformen bei der Altersvorsorge für möglich. «Aber zunächst muss ein grosser Verdrängungsmechanismus überwunden werden. Man spricht nicht gerne übers Altern oder mögliche Probleme im Alter.» Politiker würden zudem kaum über eine Legislatur «hinausdenken». (sda)

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