Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Jugendliche tanzen am 17. August 2002 in der Disco XXL in Zuerich, Schweiz. (KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Junge Menschen beim Feiern im Club: «Man kann nicht auf die Tanzfläche, ohne dass einem sofort jemand von hinten zwischen die Beine greift.»
Bild: KEYSTONE

«Voll zwischen die Beine» – «Habe ich schon x-mal erlebt» – «Man hat sich daran gewöhnt»: Wie Frauen im Ausgang sexuell belästigt werden

Ein Artikel in der WoZ beschreibt, wie Frauen im Ausgang in Schweizer Städten ständig betatscht und begrapscht werden. Sind das Einzelfälle? Eine Redaktions-Umfrage zeigt: Viele – eigentlich die meisten – Frauen haben «es» schon erlebt.



«Man kann nicht auf die Tanzfläche, ohne dass einem sofort jemand von hinten zwischen die Beine greift.»

So beschreibt WoZ-Autorin Bettina Dyttrich, wie es im Nachtleben von Zürich zu und her geht. Die Autorin befragte eine junge Partygängerin, die von sich sagt, im Zürcher Nachtleben fast ständig im «Selbstverteidigungsmodus» zu sein:

«Kürzlich stupfte mich eine Freundin am Arm, weil sie etwas fragen wollte, und ich hätte ihr fast eine gehauen … Oft höre ich auf zu tanzen, weil ich nur noch damit beschäftigt bin, Männern den Ellbogen in den Solarplexus zu rammen.»

Ronja Kocher (Name geändert) in der WoZ

Für Yvonne Kunz, 43, die «seit mehr als 20 Jahren im Zürcher Nachtleben unterwegs» ist, hat sich in der Ausgangskultur sehr viel verändert:

«Es ist wahrscheinlicher, dass einer von hinten kommt und seinen Penis an meinem Arsch reibt, als dass einer Hallo sagt.»

Partygängerin Yvonne Kunz in der WoZ

Das Frauenbild sei heute stereotyp, eine Schablone, die Stimmung «machoid».

Soweit die Erfahrungen der beiden Nachtschwärmerinnen, die sie der WoZ schilderten. Und was ist mit den vielen anderen jungen Frauen, den Partygängerinnen in Schweizer Städten? Ist das Begrapschen und Betatschen, zwischen die Beine Greifen, eigentlich schon «normal» geworden?

Eine kurze Umfrage in der Redaktion zeigt, dass tatsächlich fast jede von uns schon einmal Erfahrungen mit sexueller Belästigung gemacht hat:

«Ja habe ich leider schon x-mal erlebt. Egal, wie angezogen!!»

«Im Grossen und Ganzen kann ich hier zustimmen. Es kommt nicht immer vor, aber leider oft. Und man muss eher damit rechnen, wenn man in einen Club geht, als wenn man den Abend in Bars verbringt.»

«Was mir jedoch in den letzten Jahren aufgefallen ist, wenn man reagiert und den jeweiligen Mann anspricht oder sich wehrt, ist die Stimmung viel aggressiver. Dies ist ja eine klare Abfuhr gegenüber einem Mann und mir fällt auf, viele können eine Abfuhr nicht mehr gut annehmen und werden dann abschätzig.»

«Ich persönlich gehe überwiegend in anderen Städten als in Zürich in den Ausgang und erlebe solche Situation so gut wie nie. (...) Ich bin meistens in alternativen Buden unterwegs, da steht die Musik im Zentrum, das Tanzen ... Und nicht das ganze Mann-Frau- Abschleppen-Zeugs.»

«Mit 16 bis etwa 25 hab ich das auch sehr oft erlebt. Und das Traurige daran ist, man hat sich daran gewöhnt. Ein Arschkniff und man brüllt nach hinten: ‹Finger ab dä Röschti›! Wenn es schlimmer ist, also ein Typ, der es trotz mehrer Signale nicht begreift, dass man mit ihm auf der Tanzfläche so gar nicht rummachen will, muss man ihm eben eine klatschen. Oder das Bier über den Kopf kippen, das hilft ungemein. (...)

«Am Schlimmsten sind diese erwähnten Angriffe von hinten. Du sieht kein Gesicht, aber spürst einen Körper, der sich an deiner Hinterseite reibt.»

«(...) ich wurde noch nicht an anderen Körperteilen – wie den Brüsten oder zwischen den Beinen – begrapscht.»

«Das habe ich im Ausgang auch oft so erlebt, als ich noch jünger war. Aber richtig krass wurde es nie – ich habe einfach sehr deutlich und klar rumgepöbelt und gesagt, lass das, usw. Und sie waren gereizt und fühlten sich missverstanden, die Jungs, es wurde aber akzeptiert.»

«Ich lief mal die Treppe hoch und ein Typ hinter mir fasste mir wirklich zwischen die Beine unter den Rock. Ich hab ohne gross zu überlegen nach hinten getreten. Ich weiss nicht, ob ich den Richtigen erwischt habe, aber es war mir ehrlich gesagt in dem Moment auch scheissegal.»

Wenn man das so liest, klingt es schon irgendwie krass, aber ja, auch ich habe das (vor allem mit 21, 22) erlebt. Vor allem in grösseren Clubs. Aber nicht unbedingt in Zürich. Das ist genau so auf dem Land an einer Schaumparty passiert, wie in Zürich an einer hippen Undergroundparty.

«In sehr viel abgeschwächter Form ist das ohne männliche Begleitung fast immer so. Aber ganz bestimmt nicht so knallhart wie in diesem Artikel beschrieben.»

«Ich habe es in dieser Form nie erlebt – hier in der Schweiz. Aber ich muss ehrlich sagen: Während meiner Zeit in Spanien gab es oft Situationen, in denen ich fast nicht mehr wusste, wie ich jetzt aus der Situation wieder rauskomme. Wenn ich mich zurückerinnere, ja, das war zum Teil ganz klar sexuelle Belästigung.»

Und jetzt du: Was sagst du dazu, liebe Userin? Gehört sexuelle Belästigung im Ausgang schon fast dazu? Und wie findest du das? Schreib uns deinen Kommentar! Danke.

Du hast watson gern?
Sag das doch deinen Freunden!
Mit Whatsapp empfehlen

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

«Wir hätten Messi im Sommer besser verkauft»

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Analyse

3 Hauptargumente der KVI-Gegner auf dem Prüfstand

Der Kampf um die Konzernverantwortungsinitiative (KVI) tobt unerbittlich. Dabei argumentieren die Gegner auch mit Vorwürfen, die sich bei genauerer Betrachtung als falsch herausstellen. Drei Argumente im Prüfstand.

Im Abstimmungskampf zur KVI gehen die Wogen hoch. Ja-Fahnen zieren jeden zweiten innerstädtischen Balkon, die Initianten machten diese Abstimmung zur teuersten aller Zeiten. Auf der anderen Seite werden die Initianten auf Facebook in einer Verleumdungskampagne als «linke Krawallanten» verunglimpft und Ueli Maurer wird «bei der Arroganz, die hinter dieser Initiative steckt, fast schlecht».

So hart die Bandagen in diesem Kampf sind, so knapp wird wohl auch das Ergebnis werden. Momentan liegen …

Artikel lesen
Link zum Artikel