Schweiz
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Task-Force-Chef hält Corona-Lockerungsschritte für verfrüht



Wissenschaftler und Kantonsärzte halten die vom Bundesrat am letzten Freitag beschlossenen Lockerungen im Zuge der Corona-Pandemie für verfrüht. Die Öffnung sei zu gewagt, sagte Matthias Egger, Leiter der Covid-19-Task-Force des Bundes.

Die Schweiz sei für die jüngsten Lockerungen noch nicht bereit. Es fehle nach wie vor an einem funktionierenden Überwachungssystem für die ganze Schweiz, sagte Egger in Interviews mit der «NZZ am Sonntag», der «Sonntagszeitung» und dem «SonntagsBlick».

Matthias Egger, Leiter der Covid-19-Taskforce des Bundes, ruft die Bev

Matthias Egger. Bild: KEYSTONE

Zudem sei unklar, wie gut das Contact-Tracing etabliert sei. Aus wissenschaftlicher Sicht berge die Lockerung ein hohes Risiko, dass die Situation entgleise, wenn die Ansteckungen wieder zunähmen.

Der Bundesrat hatte am Freitag beschlossen, dass die Polizeistunde fällt, der Mindestabstand von 2 auf 1,5 Meter verkleinert wird und Veranstaltungen bis tausend Personen wieder erlaubt sind.

Wiederanstieg der Fallzahlen

Der bisherige Verlauf der Epidemie sei sehr erfreulich, sagte Egger. Es sei gelungen, die Anzahl Fälle deutlich zu reduzieren. In den letzten zwei Wochen seien die Fallzahlen aber wieder gestiegen. Die Reproduktionszahl liege wahrscheinlich wieder bei 1 oder darüber.

Es bestehe die Gefahr, dass die Fälle in nächster Zeit wieder deutlich zunähmen. In dieser unsicheren Situation halte die Task Force Wissenschaft die weiteren Lockerungsschritte für verfrüht.

People enjoy the sunny weather after the reopening of the Lido di Lugano seaside resort and open-air swimming pool will reopen on Saturday, 20 June 2020, after the coronavirus crisis, in Lugano, Switzerland. Among the preventive measures in connection with the corona pandemic, an admission quota has been introduced, which will be managed by an online reservation system. (KEYSTONE/Ti-Press/Elia Bianchi)

Badespass in der Schweiz ist wieder uneingeschränkt möglich. Bild: keystone

Der jüngste Anstieg bei den Fallzahlen und der Reproduktionszahl sei wohl auf die Lockerungen vom 11. Mai zurückzuführen. Die Auswirkungen der Lockerungen vom 28. Mai, 6. Juni und 15. Juni seien noch unklar. Die begleitenden Massnahmen zur Bewältigung eines Wiederanstiegs der Fälle seien noch nicht vollständig umgesetzt.

Kantone sind gefordert

Damit spricht Egger das Zusammenspiel von Testen, Tracing und Quarantäne in den Kantonen an sowie die umfangreiche Datenerfassung, die es ermöglicht, die Epidemie praktisch in Echtzeit zu verfolgen. «Wir müssen wissen, wo genau die Fälle auftreten und ob sie mit anderen Fällen verknüpft werden können.»

Die Testkapazitäten seien vorhanden, und in den letzten Tagen sei sehr viel getestet worden. Wichtig sei in Zukunft, bei Risikolagen schnell und breit zu testen, um die Übertragungsketten zu entdecken und zu unterbrechen. Bestehe der Verdacht, dass ein Hotspot vorliegen könnte, sollten nicht nur die engeren Kontakte von Infizierten, sondern das ganze Umfeld getestet werden.

Stellung nahm Egger auch zur Diskussion über die Einführung einer Maskenpflicht. «Mit den neuen Lockerungen sind wir wohl bald am Punkt angekommen, an dem eine breite Maskenpflicht eingeführt werden muss», sagte der Leiter der Task Force weiter. (sda)

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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Defekte Demokratie 21.06.2020 20:45
    Highlight Highlight Die CH war auf einem guten Weg und läuft jetzt grosse Gefahr, diesen Vorteil fahrlässig zu verspielen. Diejenigen Kreise, die auf die schnelle Öffnung drängen, werden die Verantwortung nicht übernehmen. Sie tun so, als ob nun alles überstanden wäre. Israel steht kurz vor einer 2. Welle, der amerikanische Kontinent kommt nicht zur Ruhe, in Nordeuropa ist die Pandemie noch voll im Gange (UK,Schweden). Ich verstehe z.B. Nicht, weshalb Reisende aus diesen Ländern inkl Niederlanden mit laschen Bestimmungen ohne Quarantäne oder Tests in die CH einreisen dürfen... Zieht Euch warm an.
  • Rethinking 21.06.2020 19:29
    Highlight Highlight Eine Maskenpflicht im ÖV ist dringend notwendig...

    Es ist ein Witz, dass wir z.B. beim Coiffeur Masken tragen müssen, in der ÖV wo man die Abstände schlicht nicht einhalten kann (auch nicht 1,5 Meter) jedoch nicht...
  • farbarch1 21.06.2020 14:11
    Highlight Highlight Wenn ein Leiter einer Task-Force des Bundesrates den Entscheidungsfindungprozess des Bundesrates über die Medien in Frage stellen muss, kann man darauf schliessen, dass der Lieter seine Arbeit wohl nicht überzeugend geleistet hat.
  • Trasher2 21.06.2020 11:00
    Highlight Highlight Bei den ganzen Corona Lockerungen der letzten Woche hatte ich den Eindruck, dass es nach dem Motto geht, „wer am lautesten grännet und wer die grösste Lobby hat, dem werden Zugeständnisse gemacht“.

    Es macht den Eindruck, dass das „höchste Gut“ welches regelmässig in Umfragen genannt wird (Die Gesundheit), unseren Volksvertreter weniger wichtig ist, als dass die (ihre) Geschäfte wieder wie gewohnt brummen.
  • Wetterleuchten 21.06.2020 10:32
    Highlight Highlight Der BR hat sich das Heft aus der Hand nehmen lassen, bzw. wurde angesichts der Entwicklung dazu gezwungen. Ich muss aufgrund von einfacher Logik davon ausgehen, dass sich die Covid-Liberalen noch die Augen reiben könnten, nach soviel Ignoranz. Ich frage mich jetzt schon, wem dann die Schuld zugeschoben wird. Wir leben jetzt das Schweden-Modell und die Kantone sind nicht mal alle wirklich für das Contact-Tracing bereit. Aber wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe, scheint da nicht unbegründet.
  • Gipfeligeist 21.06.2020 10:10
    Highlight Highlight Südkorea hat das Tracing seit Monaten unter Kontrolle und bei uns "fehlt es nach wie vor an einem funktionierenden Überwachungssystem für die ganze Schweiz" ...

    Wir müssen akzeptieren und erwarten, dass die Regulierungen schnell wieder inkraft treten werden. Da bleibe ich zuversichtlich, denn einmal haben wir es schon geschafft!
  • Bravo 21.06.2020 09:57
    Highlight Highlight Gestern zum ersten Mal seit langer Zeit Zug gefahren. Mit Maske. Wer begrüsst mich am Bahnhof auf dem Plakat. Dieser Salathé, aber tatsächlich ohne Maske. Ein Witz?
  • Wellenrit 21.06.2020 09:42
    Highlight Highlight Ich habe da mal eine Frage an die task force! Wie sollen die Zahlen tief bleiben weiter sinken wenn nur 9 % der coroner Fälle entdeckt werden und ihre Kontakte unter Quarantäne gestellt werden? die meisten Menschen halten die abstandsregelung im öffentlichen Verkehr nicht ein! Es wird weiter geöffnet und das Masken tragen ist ja nicht durchsetzbar! Für mich ist das gleichzusetzen wie die quadratur des Kreises!
  • Baumi72 21.06.2020 08:53
    Highlight Highlight Ist es überraschend, dass Fallzahlen leicht steigen wenn immer mehr getestet wird und die Falsch-Positiv-Rate der Tests beinahe 2% beträgt?

    Dieser Mann ist nicht mehr tragbar!

    Und im Allgemeinen:
    Die Angabe von "Fällen", "Infizierten" oder "Positiven" ohne gleichzeitige Angaben zur untersuchten Population und zur Gesamtzahl der dabei durchgeführten Tests müsste mit einer hohen Geldstrafe wegen Irreführung der öffentlichen Meinung geahndet werden.

    Quelle zur Testgenauigkeit:
    https://www.aerzteblatt.de/archiv/214370/PCR-Tests-auf-SARS-CoV-2-Ergebnisse-richtig-interpretieren
    • Der Kritiker Bernd 21.06.2020 13:31
      Highlight Highlight Stimme Dir 100 % zu!!
    • Erwin 21.06.2020 16:54
      Highlight Highlight Vielen Dank für den Link, jetzt begreiffe ich, wieso mein Husarzt keine Tests mehr durchgührt.
      Habe aber sowass vermutet, das ganze Wirrwar, wie, wann und wo um das Corona, ist gross und gefährlich, es verunsichert die Leute immer mehr
  • Booker 21.06.2020 07:33
    Highlight Highlight Die Lockerungen sind verständlich und teils nachvollziehbar, aber die Schritte definitiv zu Nahe aufeinander. Die Auswirkungen eines einzelnen Schrittes sieht man in der Tat erst nach mehreren Wochen. Fälle/Übertragungen können sich in dieser Zeit nicht nur verdoppeln sondern vervielfachen. Das kann dann verheerende Folgen haben. Denn sollte ein erneuter wenn auch nur lokaler Shutdown als Folge notwendig werden wird es schwierig sein diesen durchsetzen zu können. Vorallem jetzt auf die Sommermonate hin !
  • Finöggeli 21.06.2020 07:15
    Highlight Highlight Die Task Force würde höchstwahrscheinlich von sich aus nie die Massnahmen lockern. Die Wirtschaft will alle Massnahmen so schnell wie möglich weg haben. Und der Bund ist in der Mitte und wägt ab. Da vertraue ich dem Bund zu 100%

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