Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
mohrenkopf dubler

Bei Valora gibt es neu die Dubler-«Mohrenköpfe»

benjamin weinmann / schweiz am wochenende



Ein Artikel von

Der Kiosk-Konzern Valora hat seit kurzem ein umstrittenes Süssgebäck in sein Sortiment aufgenommen: Den «Mohrenkopf» der Aargauer Firma Dubler mit Sitz in Waltenschwil. Valora-Sprecher Lukas Mettler bestätigt, dass die Produkte neuerdings in ausgewählten Kiosk-Geschäften in der Deutschschweiz verkauft werden.

Dies überrascht, war doch in den letzten Monaten eine hitzige Diskussion um den Namen von Dublers Dessert entbrannt. Der Name «Mohrenkopf» sei rassistisch, fast so schlimm wie der früher in Deutschland verkaufte «Negerkuss», urteilten Kritiker. Der Name, der an Kolonialzeiten erinnere und Menschen dunkler Hautfarbe diskriminiere, gehöre abgeschafft. Sogar eine Online-Petition wurde gestartet.

Andere Produzenten haben den Namenswechsel schon länger vollzogen und werben mit politisch korrekten Choco-Köpfli und Schaumküssen. Robert Dubler Junior (70), der die Fabrik mit ihren 15 Mitarbeitenden seit 1971 in zweiter Generation führt, hält dennoch standhaft an der Bezeichnung fest. Die mit süssem Schaum gefüllten Schokoladengebäcke sind vor allem in Cafes, Bäckereien und Restaurants erhältlich, sowie in einigen Volg- und Spar-Geschäften – ansonsten aber nicht im grossen Detailhandel.

Bei Valora «Schokokuss» genannt

Und nun haben sie es in die Valora-Filialen geschafft. Der Kiosk-Konzern mit einem Jahresumsatz von 2,6 Milliarden Franken zeigt sich aber geniert, als er von dieser Zeitung auf die umstrittene Namensbezeichnung angesprochen wird. Nach mehrmaligem Nachfragen, wie man die Rassismusvorwürfe beurteile, sagt Firmensprecher Mettler, man verzichte diesbezüglich auf eine Stellungnahme. Man richte sich nach den Bedürfnissen der Kunden und das Produkt sei sehr beliebt. Reklamationen habe man bisher keine Erhalten.

Dennoch nimmt Valora den Begriff Mohrenkopf nicht in den Mund. Im Gegenteil: Valora habe sich bei der Einführung dazu entschlossen, die Patisserie von Dubler auf Werbemitteln als «Schokokuss» zu bezeichnen, sagt Mettler. Dies sei die gängige deutsche Bezeichnung für dieses Produkt und für alle verständlich. Die Handelskette Spar Schweiz hingegen bezeichnet die Süssigkeit auch am Regal als Mohrenkopf. Eine Antwort von Volg zum Umgang mit dem umstrittenen Namen blieb bis Redaktionsschluss aus.

Warum der Mohrenkopf Sadomaso-Müntschi heissen müsste

Video: watson/Renato Kaiser

Hersteller Robert Dubler sagt, er sei via eines Zwischenhändlers zum Handkuss bei Valora gekommen, ohne sich darum bemüht zu haben. In früheren Jahren habe Valora schon einmal seine Produkte verkauft. Die Bestellmenge sei überschaubar, und eigentlich wolle er gar keinen Grossauftrag. Der Umsatz sei in den letzten 15 Jahren praktisch immer gleich gross geblieben. „Und das ist mir ganz recht.“ Dass Valora seinen „Mohrenkopf“ als «Schokokuss» bezeichnet, sei ihm egal. Aber: „Man kann natürlich alles verkomplizieren.“

Etymologisch finden sich verschiedene Erläuterungen zum Wort «Mohr“. Das althochdeutsche «mor »ist die Bezeichnung für eine Person dunkler Hautfarbe. Das griechische „moros“ bedeutet töricht oder dumm. Das latenische «Maurus» steht für schwarz, dunkel und afrikanisch. In der Vergangenheit wurden die Bewohner des nordafrikanischen Mauretaniens als Mohr bezeichnet. Ab dem 16. Jahrhundert wurde der Begriff in erster Linie als Synonym für «Schwarzafrikaner» verwendet.

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Erdbeben im Glarnerland und Baselbiet registriert

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

162 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
Neruda
25.05.2018 22:32registriert September 2016
Hauptsache mimimi... "umstrittenes Süssgebäck" ich hab noch nie jemanden getroffen, den diese Bezeichnung störte. Diese 1500 Nasen, welche die Petition unterzeichnet haben, sind wieviel Promille der Gesamtbevölkerung?! Wegen ein paar Übereifrigen, die sich lieber mit Nichtigkeiten anstatt richtigem Rassismus beschäftigen, so ein Geschiss zu machen, lässt nur die Schlüsse zu entweder haben wir schon wieder das Sommerloch oder der Schreiberling ist unqualifiziert.
PS: Seit 15 Jahren den gleichen Umsatz, aha es geht also doch mit Verstand zu wirtschaften, berichtet besser mal über das!
68246
Melden
Zum Kommentar
Rabbi Jussuf
25.05.2018 23:22registriert January 2016
Sollte das nicht Mohr*innenkopf heissen?
So gendergerecht?
31622
Melden
Zum Kommentar
Thurgauo
25.05.2018 23:09registriert November 2017
Ist und bleibt für mich ein Mohrenkopf. Das hat nichts mit Rassismus zu tun, zumindest nicht in meinen Kopf. Es wird erst zu Rassismus, wenn man immer danach suchen muss.
22313
Melden
Zum Kommentar
162

SRG-Umfrage zeigt: Im Moment würde die Kovi sehr deutlich angenommen

Mitte Oktober hätten die Schweizer Stimmberechtigten die Konzernverantwortungsinitiative deutlich, die Kriegsgeschäfteinitiative knapp angenommen. Damit deckt sich die erste Welle der SRG-Trendumfrage weitgehend mit jener der Tamedia-Medien von Mitte Oktober.

63 Prozent der Befragten hätten die Konzernverantwortungsinitiative sieben Wochen vor dem Abstimmungstermin vom 29. November bestimmt oder eher angenommen. 33 Prozent hätten sicher oder eher ein Nein in die Urne gelegt, wie die am Freitag …

Artikel lesen
Link zum Artikel