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A man walks behind a poster to support the purchase of Gripen fighter jets at the central railway station in Zurich May 2, 2014. Switzerland will vote May 18 in a referendum on the purchase of 22 Gripen fighter jets from Swedish defence firm Saab. The text on the poster reads

Bild: Reuters

Campaigning-Profi Perron zur Gripen-Kampagne 

«Das war die schlechteste Abstimmungskampagne aller Zeiten»

Der Campaigning-Profi Louis Perron sieht keine Chance mehr, die Gripen-Kampagne zu retten. Und erklärt, welche Fehler am schlimmsten waren.



Louis Perron, aufgenommen am Freitag 25. Februar 2011.

© art4press/Michele Limina

Politologe und Politberater Louis Perron am Zürcher Bahnhof Stadelhofen. Bild: ZVG

Herr Perron, in rund zwei Wochen stimmen wir über den Gripen ab. Wie wird die Abstimmung ausgehen? 
Das weiss ich nicht. Aber ich glaube, es gibt eher ein Nein. 

Wie viel würden Sie darauf wetten?
Nicht grad 1000 Franken, aber ein paar gute Flaschen Wein. 

Wie kommen Sie zu Ihrer Prognose?
Die Pro-Kampagne war von Anfang bis jetzt einfach lausig. Wenn man sich die Ereignisse vor Augen führt, von den Wirrungen um den Kampagnenlead, der Involvierung von Saab, dem «Rundschau»-Interview, dem Frauenwitz bis hin zu den Lobbying-Enthüllungen kann man sagen: es war die schlechteste Abstimmungskampagne aller Zeiten. Falls es ein Ja geben sollte, dann wäre das trotz der Kampagne und nicht wegen der Kampagne. 

Louis Perron 

Der promovierte 37-jährige Politologe dirigiert mit Perron Campaigns Wahl- und Abstimmungskämpfe in der Schweiz und im Ausland. Vor seiner Selbständigkeit arbeitete Perron bei der Politberatungsfirma The Mellman Group in Washington. Perron ist in den Abstimmungskampf um den Finanzierungsfonds für den Kauf der Gripen-Kampfflugzeuge vom 18. Mai nicht involviert. 

Aber bei den Reduit-Nostalgikern findet alles Anklang, wo Ueli Maurer dabei ist, nicht? Er war ein fescher Radfahrer.
Ja, aber die Zielgruppe der Unentschiedenen, bei denen die Meinung im Verlauf einer Abstimmungskampagne gewonnen werden kann, liegt bei der Frage der Flugzeugbeschaffung in der bürgerlichen Mitte. Und diese haben die Befürworter nicht abgeholt. Ueli Maurers Gebrauchsgegenstand-Witz und auch die «Rundschau»-Schelte mag zwar im eigenen Lager noch gut ankommen. Aber bei der moderaten bürgerlichen Mitte eher nicht. Und um die geht es. Die eigene Klientel hat die SVP bei dieser Abstimmung sowieso im Sack. Die Linke ist ohne nennenswerte Ausnahmen dagegen. Ueli Maurer hat sich ja auch persönlich sehr engagiert. Ich bin mir nicht sicher, ob das eine clevere Strategie ist. Er ist ein Politiker, der sehr polarisiert, also Mühe hat, Leute über das eigene Lager hinaus zu überzeugen. 

Aber ein paar konservative CVPler aus dem Wallis kann er doch mit träfen Sprüchen gewinnen, nicht? 
Nicht nötig. Die sind sowieso auf der Pro-Seite. Aber die SVP kann zusammen mit Rechtsabweichlern aus der CVP und der FDP vielleicht ein bisschen mehr erreichen als 30 Prozent. Aber für eine Mehrheit reicht es nicht, und die ist bei einer Abstimmung nötig. Es ist eine häufige Falle, dass man in Kampagnen vor allem die eigenen Leute glücklich macht. Es geht um die liberale bürgerliche Mitte und die spricht auf Altherrenwitze nicht an. Eine saubere und sachliche Argumentation wäre da wirkungsvoller. 

Die ist aber schwieriger zu transportieren.
Nicht unbedingt. Herr und Frau Schweizer sind für Argumente sehr offen und stimmen auch mal gegen das eigene Portemonnaie, wenn man sie argumentativ überzeugen kann. Man muss aufzeigen, dass man alle Alternativen in Betracht gezogen hat und nun diejenige zur Auswahl steht, die am sinnvollsten ist oder das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis bietet. Und das hat die Befürworterseite in diesem Abstimmungskampf meiner Meinung nach bis jetzt verpasst. Stattdessen hat man etwa mit dem Notvorrats-Interview des Armeechefs auf die Angst-Karte gesetzt und die Abstimmung für oder gegen den Gripen zur Grundsatzfrage «Für oder wider die Armee?» hochstilisiert.  

Sind Sie für den Kauf des Gripen?

A Saab Jas Gripen F Demonstrator jet performs during a flight show of the Swiss air force in Axalp near Meiringen, Switzerland, Thursday, October 11, 2012. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Bild: KEYSTONE

Aber der Angst-Trumpf ist stark, da stimmen Sie zu, oder?
Ja, das stimmt schon. In den USA sagt man, dass Angst, Wut und Hoffnung Leute in Kampagnen mobilisiert. Vor vielen Jahren, als es um die Beschaffung des FA-18 ging, hat diese Schiene auch ganz gut funktioniert. Doch heute ist die Gesellschaft an einem anderen Ort. Über die gesamte Kampagne gesehen muss bei den Leuten das Gefühl zurückbleiben, dass sich hier mit ihrem Geld ein paar Piloten und Luftwaffenoffiziere ein neues Spielzeug kaufen wollen. 

Nebst Ueli Maurers Altherrenwitz haben auch die geleakten schwedischen Botschafter- Depeschen dem Gripen schlechte PR besorgt. Welchen Einfluss kann das zu diesem Zeitpunkt im Abstimmungskampf haben? 
Es gibt in einer Abstimmungskampagne fünf bis zehn wichtige Momente. Dies ist einer von ihnen und sicher kein guter. 

Wenn Sie nun zum jetzigen Zeitpunkt in die Abstimmungskampagne der Befürworter einbezogen würden, als Feuerwehrmann quasi, um das Steuer noch herumzureissen, wozu würden Sie raten?
Ich würde ein solches Mandat ablehnen. Von mir aus gesehen ist der Patient tot, da brauche ich nicht zu operieren beginnen.

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