DE | FR
Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Das Logo eines Produkts des CBD-Produzenten Pure Production im Bundesratszimmer.  bild: Pure Production Ag/Keystone; Bearbeitet: watson

Wenn der Bundesrat über farbige Einhörner spricht, dann geht es um CBD-Gras

Werden Jugendliche durch das knallbunte Verpackungsmaterial zum Konsum von CBD-Gras ermuntert? Der Bundesrat erwägt eine Gesetzesanpassung.



Ein überdrehtes Einhorn sorgt im Bundeshaus für Gesprächsstoff. Natürlich nicht ein lebendiges, sondern jenes Geschöpf, das auf den knallbunten Verpackungen der Firma Pure Production AG abgebildet ist. Wenn das Aargauer Unternehmen Lollipops oder Schokolade produzieren würde, dann wäre das Interesse am Einhorn gering. Doch in den kleinen Schachteln hat es keine Süssigkeiten, sondern CBD-Gras und daher fragen sich einige Politiker besorgt: Lockt das bunte, fröhliche Einhorn unsere Kinder und Jugendliche auf den falschen Weg?

Zu bunt? Zu attraktiv? Über diese Produkte wird debattiert

Bild

Bild: Pure Production ag

Davon überzeugt ist SVP-Nationalrätin Verena Herzog. Nachdem der «Blick» über die knallbunten Schachteln berichtet hatte, lancierte sie einen Vorstoss und wollte vom Bundesrat wissen: Ob er von der Verpackung Kenntnis hat und was er dagegen unternehmen will. Denn durch die attraktive Werbung mit Fabelfiguren und farbigen Verpackungen würden bereits Kinder und Jugendliche für Suchtmittel angeworben, schreibt Herzog in ihrem Vorstoss.

CBD-Cannabis

Cannabisprodukte mit einem THC-Gehalt von unter einem Prozent fallen in der Schweiz nicht unter das Betäubungsmittelgesetz und dürfen produziert, wie verkauft werden. Darunter fallen auch Cannabidiole, bekannter als CBD-Gras. Dieses hat keine berauschende, sondern es wird ihm eine beruhigende Wirkung nachgesagt. Verkauft werden darf das legale Gras, aber nur an Personen, die älter als 18 Jahre sind.

Man wisse von den Packungen mit Fabelfiguren, antwortet der Bundesrat in seiner Stellungnahme vom Mittwoch. «Da diese jedoch nicht gegen geltendes Recht verstossen, werden diese toleriert.» Strafbar wären solche Verpackungen erst, wenn diese ausschliesslich Kinder und Jugendliche ansprechen würden. 

Das letzte Wort ist aber noch nicht gesprochen, wie der Bundesrat in der Stellungnahme andeutet. Im Rahmen der laufenden Vernehmlassung zum Tabakproduktegesetz werde sich zeigen, «inwiefern für Tabakprodukte oder für Tabakersatzprodukte die kritisierten Fabelwesen auf der Packung strenger zu regeln sind.»

Für Thomas Beutler, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention, liegt die Lösung auf der Hand. Er fordert einheitliche Verpackungen für Tabak- und Tabakersatzprodukte. Als Farbe schlägt er ein schlammiges Braun vor. «So dass auf den ersten Blick erkennbar ist, dass die Produkte in der Schachtel für die Gesundheit schädlich sind.» Australien kennt solche standardisierte Verpackungen seit Ende 2012 und ist damit als erstes Land der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO gefolgt. Weitere schlossen sich an (siehe Box).

Acht Länder haben die Einheitsverpackung bereits beschlossen

- Australien (seit 2012)
- Frankreich (seit 1. Januar 2017)
- Vereinigtes Königreich (seit 21. Mai 2017)
- Neuseeland (seit 6. Juni 2018)
- Norwegen (seit 1. Juli 2018)
- Irland (ab 30. September 2018)
- Ungarn (ab 20. Mai 2019)
- Slowenien (ab 2020)

Beutler glaubt aber nicht daran, dass der Name der Schweiz auch bald auf dieser Liste stehen wird. «Das Schweizer Parlament hat sich in der Vergangenheit, nicht als sehr präventionsfreundlich erwiesen.»

Würde es die Einheitsverpackung dennoch ins neue Gesetz schaffen, wäre dies das Ende des Einhorn auf der farbigen Verpackung. Als CBD-Produzent sei man sich bewusst, dass man sich inmitten einer heiklen Debatte befinde, sagt Stevens Senn, CEO von Pure Production. Dass nun aber selbst der Bundesrat über seine Verpackung diskutiert, überrasche ihn schon. «Wir halten uns mit unseren Produkten genau an die Richtlinien und die geltenden Jugendschutzbestimmungen.» Und er betont: «Wir wollen mit unseren Verpackungen nicht gezielt bei Jugendlichen für unsere Produkte werben.»

Doch man nehme sich die Kritik zu Herzen. Senn: «Wir werden die Produktgestaltung überarbeiten, dies war im Rahmen der Produktevaluation auch schon so vorgesehen.»

Millionär, Schauspieler, Unternehmer und Olympiasieger

Video: watson/Nico Franzoni, Lya Saxer

Weil nicht nur Schoggi glücklich macht: 16 Desserts mit Vanille

Das könnte dich auch interessieren:

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Dieser Februar war trotz Eistagen zu warm

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Analyse

Keine Reisen und vielleicht sogar eine Kündigung? Was Impfverweigerern drohen könnte

In der Schweiz werden Stimmen lauter, welche Privilegien für Geimpfte fordern. Ist dies mit dem Grundrecht vereinbar? Eine Analyse.

In der Schweiz wird es keine Impfpflicht geben. Das hat der Bundesrat bereits einige Male klargemacht. Wer sich nicht gegen das Coronavirus impfen will, dem ist dies also freigestellt. Die Zeichen verdichten sich jedoch, wonach Impfverweigerern schon bald das Leben schwer gemacht werden könnte.

So berichtete der «Blick» zum Beispiel, dass der Bundesrat beschlossen hat, geimpften Personen gewisse Freiheiten wiederzugeben. Sie sollen wieder in Clubs, Beizen, zu Konzerten und ins Fitnessstudio …

Artikel lesen
Link zum Artikel