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Schönheitsoperationen liegen im Trend. Auch im Genitalbereich.  bild: shutterstock

SP-Politiker Wermuth fordert Regeln für Schamlippen-OPs

Die Verkleinerung der Schamlippen ist der am stärksten wachsende OP-Trend der Welt. Das schockiert SP-Politiker Cédric Wermuth. Er fordert mehr Transparenz vom Bund. 

helene obrist



Die Schönheitsindustrie boomt – der Wunsch nach vermeintlicher Perfektion macht auch vor dem Intimbereich nicht Halt. Immer mehr Frauen lassen sich die Schamlippen operativ verkleinern. Der Eingriff ist umstritten. Nun wird er sogar im Bundeshaus diskutiert.

Am Dienstag reichte SP-Nationalrat Cédric Wermuth einen Vorstoss mit dem Titel «Zunahme von kosmetischen Operationen, insbesondere Labioplastik» im Parlament ein. Darin stellt Wermuth dem Bundesrat Fragen wie: «Auf was führt er den Trend der kosmetischen Operationen an Genitalien zurück?» und «Was sind die Begründungen für diese Eingriffe?»

«Ich betrachte diesen Trend schon einige Zeit mit grosser Verwunderung», sagt Wermuth zu watson und fügt hinzu: «Das ist die erschreckendste Form des Patriarchats, wenn bereits junge Frauen das Gefühl haben, dass mit ihrem Körper etwas nicht stimmt.»

Labioplastik

Bei der Schamlippenoperation, auch genannt Labioplastik, werden meist die inneren Schamlippen (Labia Minora) verkleinert. Seltener kommt es zur Verkleinerung der äusseren Schamlippen (Labia Majora). Der Eingriff erfolgt meist ambulant und unter lokaler Betäubung. Dabei wird das als «überschüssig» betrachtete Gewebe mit einem Laser oder einem Hochfrequenz-Radiochirurgiegerät entfernt.

Wermuth geht es nicht in erster Linie um die Schamlippenverkleinerung. «Das ist einfach der absurdeste Ausdruck dieses Körperkults. Hier macht die Schönheitsindustrie einen Haufen Geld auf dem Buckel des Selbstwertgefühls der Frauen.» 

Geht es nach Wermuth, soll der Bundesrat nicht nur Abklärungen zu den körperlichen und psychosozialen Effekten der Labioplastik treffen. Sondern auch Möglichkeiten prüfen, um den Trend einzudämmen.

Der SPler will, dass der Bund ein Werbeverbot für Schönheits-OPs im Genitalbereich prüft. Zudem schlägt er eine «zwingende psychosexuelle Beratung durch eine unabhängige Fachperson» vor jeder Operation und ein Verbot von Schönheits-OPs für unter 18-Jährige vor.

Eine weitere Massnahme wäre laut Wermuth eine ganzheitliche Sexualbildung, «die Normen und Vielfalt von Genitalien sowie die Auswirkungen von operativen Eingriffen thematisiert».

Schamlippen-OPs boomen

In der Tat boomt die Labioplastik. Gemäss der internationalen Gesellschaft für ästhetische und plastische Chirurgie (ISAPS) liessen sich 2016 weltweit mehr als 138’00 Frauen die Schamlippen operieren. Das sind 45 Prozent mehr Operationen als noch 2015. Die ISAPS spricht von dem am schnellsten wachsenden OP-Trend.

Auch in der Schweiz ist das Verkleinern der Schamlippen beliebt. «Wir spüren bereits jetzt einen leichten Anstieg», sagte Dr. Christan Depner, leitender Arzt Plastische Chirurgie der Pallas Kliniken in Zürich, vergangenes Jahr gegenüber watson. Laut Depner werde der OP-Trend durch die sozialen Medien und die Pornoindustrie gepusht. 

Aufklärung ist wichtig

Wermuth ist nicht alleine mit seiner Kritik. Das zeigt das Urteil eines praktizierenden Gynäkologens: «In einer Welt, wo man nicht um sein Essen kämpfen muss, hat man Zeit, sich darüber Sorgen zu machen, ob die eigenen Schamlippen nun drei Zentimeter zu gross oder zu klein sind».

Auch Dr. Ruth Draths, Gynäkologin der Fraunpraxis-Buchenhofen, steht der Labioplastik kritisch gegenüber, wie sie watson vergangenen Sommer verriet. Sie setzt vor allem auf Aufklärung. Viele junge Frauen würden sich bei ihr nach den Erscheinungsformen ihrer Brust und vermehrt auch ihrer Schamlippen erkunden. «Ich muss ihnen dann jeweils erklären, dass nicht alles symmetrisch ist am Körper und dass sie absolut normal aussehen – auch im Intimbereich. Und oft weise ich auch darauf hin, dass Frauen im Gegensatz zu Männern einfach auch einmal einen Spiegel zur Hand nehmen müssen, um sich selbst genauer anzuschauen», so Draths.

SP-Nationalrat Wermuth fordert vom Bund ebenfalls Aufklärung und mehr Transparenz. Denn genaue Angaben zum Umfang, Preis und der Anzahl Operationen die in der Schweiz durchgeführt werden, fehlen. «Zuerst muss man eine Basis schaffen und schauen, in welchen Dimensionen wir uns bewegen», so Wermuth und erinnert sich an einen Besuch in Kolumbien: «Dort ist es Standard, 16-jährigen Mädchen eine Brustoperation auf den Geburtstag zu schenken. Das ist doch absurd.»

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Video: watson/Nico Franzoni, Lya Saxer

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