DE | FR
Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Umstrittener Churer Bischof Huonder bietet Papst den Rücktritt an

Der konservative Churer Bischof Vitus Huonder hat dem Papst den Rücktritt angeboten. Dieser Schritt wurde erwartet, da der Diözesanbischof am (heutigen) Freitag seinen 75. Geburtstag feiert.



Gemäss kirchlichem Recht sei ein Diözesanbischof, der das 75. Lebensjahr vollendet habe, gebeten, seinen Amtsverzicht dem Papst anzubieten, teilte das Bistum Chur am Freitag mit. Der Papst werde über das Demissionsangebot nach Abwägung aller Umstände entscheiden.

Vitus Huonder, Bishop of the Diocese of Chur, pictured on January 10, 2013, in Chur, Switzerland. (KEYSTONE/Gaetan Bally) 

Vitus Huonder, Bischof des Bistums Chur, aufgenommen am 10. Januar 2013 in Chur. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Bischof Huonder will abtreten. Bild: KEYSTONE

Solange das katholische Oberhaupt in Rom nicht über den angebotenen Rücktritt entschieden hat, will sich das Bistum Chur nicht äussern «oder Spekulationen kommentieren», wie die Churer Diözese weiter mitteilte.

Huonders Vorgänger im Amt, Amédée Grab, hatte zwei Jahre warten müssen, ehe der damalige Papst Benedikt XVI. die Demission annahm. Grab war achteinhalb Jahre Churer Bischof.

Zehn Jahre auf dem Bischofsstuhl

Der Bündner Oberländer Vitus Huonder ist seit knapp zehn Jahren Churer Diözesanbischof. Er wurde im Juli 2007 vom Churer Domkapitel aus einem Dreiervorschlag Roms gewählt und im September des gleichen Jahres im Kloster Einsiedeln zum Bischof geweiht.

Huonder hatte unter dem früheren Churer Bischof Wolfgang Haas, dem heutigen Erzbischof von Vaduz, Karriere am bischöflichen Hof in Chur gemacht. In seiner zehnjährigen Amtszeit als Bischof war es Huonder nicht gelungen, die Katholikinnen und Katholiken im Bistum auf eine Linie zu bringen.

Im Gegenteil: Mit seinen Ansichten vor allem über Familie und Sexualität holte er sich zwar Applaus von konservativen Glaubensbrüdern und -schwestern. Auf der anderen Seite erntete er scharfe Kritik von liberalen Katholiken und in einem Fall nach einem Vortrag im Juli 2015 im deutschen Fulda drei Strafanzeigen, die allerdings folgenlos blieben.

Wahlverfahren – nicht unumstritten

Der Zeitpunkt des Rücktrittangebots an den Papst bildet gleichzeitig der Auftakt zu vermehrten Spekulationen über die Nachfolge von Huonder. Bereits wurden verschiedene Namen genannt.

Kirchenrechtlich basiert die Nachfolgeregelung auf dem päpstlichen Dekret «Etsi salva» aus dem Jahre 1948. Im Bistum Chur kann das 24-köpfige Domkapitel den neuen Bischof aus einem Dreiervorschlag Roms wählen.

Der päpstliche Nuntius in der Schweiz, Thomas Gullickson, hatte unlängst deutlich gemacht, dass diese Regelung auch nach dem Rücktritt Huonders zur Anwendung kommt. Er reagierte damit abschlägig auf Forderungen nach der Einsetzung eines Administrators, der das aufgewühlte Bistum hätte beruhigen sollen.

Das Wahlverfahren war bei der Wahl von Vitus Huonder kritisiert worden. Das Domkapitel könne keine richtige Wahl treffen, da es keinen Einfluss auf die Zusammenstellung der Dreierliste habe, hiess es.

Bei der Bischofswahl 2007 soll der Nuntius dem Wahlgremium eine Dreierliste unterbreitet haben, auf der neben dem Namen Huonders jene von zwei Personen standen, die mit dem Bistum nichts zu tun hatten. Die beiden anderen Kandidaten seien nicht wählbar gewesen, wurde damals kritisiert. (sda)

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Dieser Februar war trotz Eistagen zu warm

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Bistum Chur lehnte Einmischung in Tagespolitik ab – jetzt wirbt es gegen die Ehe für alle

Kirchliche Einmischung in die Tagespolitik lehnte das Bistum Chur bislang ab, zum Beispiel im Fall der Konzernverantwortungsinitiative. Bei der «Ehe für alle» ist dies nun anders. Das Sakrament der Ehe gehöre zum Kerngehalt des Glaubens, sagt Bistumssprecher Giuseppe Gracia.

Die Ermahnung zur politischen Enthaltsamkeit der offiziellen Kirche kam aus Chur. Anders als die Bischofskonferenz und zahlreiche Pfarreien lehnte es das Bistum Chur dezidiert ab, für ein Ja zur Konzernverantwortungsinitiative zu weibeln. Das Anliegen scheiterte im November am Ständemehr.

Beim Thema «Ehe für alle» nimmt das Bistum Chur jetzt eine andere Haltung ein. In einem E-Mail empfiehlt es allen Priestern, Diakonen und kirchlichen Mitarbeitern, sich für das Referendum gegen die Vorlage …

Artikel lesen
Link zum Artikel