Schweiz
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Bye-bye, Uncle Sam! Noch nie haben so viele Amerikaner ihren Pass abgegeben – wegen Trump?

Eine neue Analyse zeigt, wie viele US-Bürger im ersten Halbjahr ihre Staatsbürgerschaft aufgegeben haben. Auch Amerikaner in der Schweiz gehören zu den Fahnenflüchtigen - aus mehreren Gründen.

Benjamin Weinmann / ch media



This undated file photo shows the classic World War I recruiting poster created by illustrator James Montgomery Flagg. Thursday, April 6, 2017, marks the 100th anniversary of the U.S. entry into World War I, and some of the innovations that were developed or came into wide use during the conflict are still with us today, including this iconic image of Uncle Sam pointing, with the message

Uncle Sam laufen seine Mitbürgerinnen und Mitbürger davon. Bild: AP/AP

Goodbye Uncle Sam! Im ersten Halbjahr haben so viele Amerikaner wie noch nie ihre US-Staatsbürgerschaft aufgegeben. Zu diesem Schluss kommt eine Auswertung der New Yorker Kanzlei Bambridge Accountants, die auf Steuererklärungen von US-Expats spezialisiert ist.

Demnach haben in den ersten sechs Monaten dieses Jahres über 5800 Amerikaner ihren blauen Pass abgegeben. So viele wie noch nie. Im gesamten Vorjahr waren es erst 2100. Die Kanzlei beruft sich bei ihrer Analyse auf Daten der US-Regierung, welche die Namen aller Fahnenflüchtigen im Drei-Monats-Rhythmus publiziert.

Alistair Bambridge, Geschäftsführer der Kanzlei sagt auf Anfrage von CH Media, dass man auch mit US-Bürgern in der Schweiz arbeite und auch hierzulande einen grossen Anstieg beobachten würde. Doch weshalb? Laut Bambridge gibt es dafür drei Hauptgründe. «Viele Bürger, die ihren Pass abgeben, haben die USA schon seit längerem verlassen und haben genug vom giftigen Politklima in ihrer Heimat und vor allem davon, wie die aktuelle Regierung die letzten sechs Monate handhabte.» Gemeint ist, wie Donald Trump auf die Black-Lives-Matter-Proteste und auf die Covid-Pandemie reagierte. «Sollte Trump im November wiedergewählt werden, dürfte die Zahl der Pass-Abgaben weiter steigen.»

Auch Tina Turner und Corinne Mauch haben's getan

epa07411992 Singer Tina Turner appears on the stage after the premiere of the new musical 'TINA' in Hamburg, northern Germany, 03 March 2019. The musical will deal with the life of the singer Tina Turner. The 79-year old has sold over 200 millions of records and won 12 Grammy's.  EPA/DAVID HECKER

Schweizerin: Tina Turner Bild: EPA/EPA

Laut Bambridge kommt hinzu, dass ein US-Pass in Bezug auf Reisen an Bedeutung verloren habe, da US-Bürger in vielen Ländern keinen Zutritt erhalten oder strenge Quarantäne-Regeln befolgen müssen. Und zuletzt spiele die Steuererklärung eine Rolle. Die USA sind mit Ausnahme von Eritrea das einzige Land, das Steuern allein aufgrund der Staatsangehörigkeit geltend macht. Das heutige Steuersystem für Auslandamerikaner werde von vielen Bürgern als unfair angesehen, sagt Bambridge. Zwar profitiere man als US-Expat ebenfalls von den 1200 Dollar, welche die Regierung als Corona-Stimulus an ihr Volk verteilte. «Doch der Aufwand für die doppelte Steuererklärung ist für viele zu gross.»

Das heutige System für die Steuererhebung bei Ausland-Amerikanern hat einen Namen: Fatca - kurz für Foreign Account Tax Compliance Act. Mit dem 2010 erarbeiteten US-Gesetz wollte Präsident Barack Obama verhindern, dass steuerpflichtige Amerikaner im Ausland ihr Geld verstecken. Auch die Schweiz genehmigte es. Seither müssen Schweizer Banken automatisch Informationen über ihre amerikanischen Kunden der US-Steuerbehörde IRS übermitteln. Danach stieg die Zahl der Fahnenflüchtigen stark an, und die Gebühr für die Passabgabe wurde von 450 auf 2350 Dollar erhöht. In der Schweiz gaben beispielsweise die Sängerin Tina Turner oder die Zürcher Stadtpräsidentin Corinne Mauch ihren US-Pass auf.

«Sie haben keine emotionale Bindung zum Land»

Doch was ist nun der Hauptgrund, Trump oder die Steuern? Für James Foley, Sprecher der «Republicans Overseas Switzerland» ist klar, dass es das unfaire Steuersystem ist. «Für viele Leute ist das eine grosse Bürde», sagt Foley. Er kenne mehrere Expats in der Schweiz, die ihren Pass abgegeben hätten. Er vermutet, dass es vor allem Ausland-Amerikaner der ersten oder zweiten Generation sind, die noch nie in den USA gelebt haben und dies auch nicht planen würden. «Sie haben keine emotionale Bindung zum Land und müssen trotzdem doppelt Steuern zahlen.» Mit anderen Ausland-Republikaner-Organisationen werde man der Regierung einen Brief schreiben, mit der Bitte, Trump solle per Dekret die heutige Doppelbesteuerung abschaffen. Eine schlüssige Erklärung für den starken Anstieg im ersten Halbjahr hat Foley allerdings nicht. Das sei in der Tat «komisch».

Auch bei den «Democrats Abroad Switzerland» wird in erster Linie das Steuersystem als Ursache vermutet, wie deren Präsident Vance White sagt. «Das ist nach wie vor ein grosses Thema bei Ausland-Amerikanern, auch weil das Ausfüllen der US-Steuererklärung äusserst kompliziert ist.» Dass wegen Trump Amerikaner ihren Pass aufgeben würden, glaube er nicht. Im Gegenteil: «Viele Bürger sind motiviert, ihren Pass zu behalten, um am 3. November einen neuen Präsidenten zu wählen, der den Glauben an die Führung des Landes wiederherstellt.»

Insgesamt leben rund 9 Millionen Amerikaner im Ausland, rund 20'000 davon in der Schweiz.

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15Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Kreasty 14.08.2020 07:43
    Highlight Highlight Also ich hab meinen NOCH. Habe bisher noch keine Steuern dort deklariert und halte mich daher inkognito, hatte es die ersten Jahre versäumt und wollte dann nicht alles nachreichen müssen.

    Wobei ich jetzt gelernt habe, ich muss 2300 Fr. zahlen um ein Dokument abzugeben? Lächerlich dieses Land. Der einstige Stolz vom Ami, war jetzt nie deren Niveau, ist schon fast ins schämen übergegangen....

    Werde weder Steuern zahlen, noch den Pass gegen Geld abgeben. Land of the Free my Ass

  • Donald 14.08.2020 00:24
    Highlight Highlight Leute die ihren Pass abgeben sind wohl keine "Expats".
    • Dörfu 14.08.2020 00:51
      Highlight Highlight Dann werden sie galt zu ex-pats 🤣
  • just sayin' (haters will be ignored) 13.08.2020 21:49
    Highlight Highlight bei 320’000’000 einwohnern entsprechen 5800 einem prozentsatz von 0,0001.

    diese extreme „fahnenflucht“ ist schon einen artikel wert. moll🙄
  • Tiburon 13.08.2020 21:04
    Highlight Highlight Mit dem Land geht es wirtschaftlich bergab seit sie die schwarze Bevölkerung nicht mehr als Sklaven einsetzen können oder später zu Hungerlöhnen einstellen konnten. Zur Zeit hat die USA 20 Billionen Dollar Schulden. Und sie nehmen immer wieder Kredite von der Weltbank auf damit es zu keinem Shutdown kommt. In naher Zukunft wird das Land so ruiniert sein, dass es zu einem neuen Bürgerkrieg kommt. Das wird zu einer grossen Flüchtlingswelle Richtung Europa führen. Die American Natives werden die Situation ausnützen und mit Waffengewalt ihr Land zurück erbobern.
  • bebby 13.08.2020 19:26
    Highlight Highlight Die doppelte Steuerpflicht ist für etliche Amerikaner eine grosse finanzielle Belastung, insbesondere in Ländern wie der Schweiz, wo die Steuern viel tiefer sind.
    In der Schweiz kommt noch hinzu, dass es US Persons äusserst schwer haben eine Hypothek zu bekommen, geschweige denn ein Konto zu eröffnen.
    Und mit einem Schweizer Pass kommt man bereits überall hin.
    Gefährlich finde ich die Tendenz, diese globale Steuerpflicht nach Staatsangehörigkeit auch in Europa einzuführen (Frankreich und Spanien reden bereits davon).
    • Gawayn 13.08.2020 21:00
      Highlight Highlight Hast du mal gesehen, was paßiert wenn ein Ami ein Handy Abo in der Schweiz abschließen will?

      Das Bonitätssystem stuft ihn auf einer Stufe wie einer aus Burkina Faso oder Bangladesh ein.

      Entweder wird er abgelehnt, oder er muss ein hohes Depot hinterlegen und meist werden Roaming gar nicht mal aufgeschaltet...
    • α Virginis 13.08.2020 21:03
      Highlight Highlight Dein Steuerproblem in allen Ehren, aber ich denke, es hat mehr damit zu tun, dass die Leute echt den Rand voll haben vom "Amerika first".
    • α Virginis 13.08.2020 21:10
      Highlight Highlight ...Ich meine, 5800 gegenüber 2100 im Vorjahr sollte Dich ja auch zum denken bringen. Das Steuerregime hat da wohl nur eine untergeordnete Bedeutung. Die haben einfach die Schnauze voll vom stabilstem Genie...
    Weitere Antworten anzeigen
  • 97ProzentVonCH68000 13.08.2020 18:20
    Highlight Highlight 5‘800 sind 0.0018% der US-Bürger...
    ...doch das ist sehr relevant 🤪
  • Karl33 13.08.2020 17:27
    Highlight Highlight Also eher Obama als Trump.
  • Inflatio 13.08.2020 17:22
    Highlight Highlight An Vance White: Ich kann den amerikanischen Patriotismus nicht verstehen. Die USA gehören zu den grössten Kriegstreibern; überwachen ihr Volk schlimmer als die ex. DDR und Nord Korea zusammen; stecken die Bürger beim kleinsten Vergehen in den Knast und grillieren sie noch auf dem elektrischen Stuhl; gehören zu den grössten Umweltverschmutzern; Sozialstaat=0; Infrastuktur am Boden und die Präsidenten von Nixon bis Trump lügen wie gedruckt. Als US-Bürger/in würde ich auch auswandern und den Pass abgeben.
  • PastafariLU 13.08.2020 17:05
    Highlight Highlight Wohl eher wegen der horrenden Steuern für Auslands-Amerikaner.
  • nadasagenwirjetzteinfachmal 13.08.2020 16:59
    Highlight Highlight Der Grund ist wohl die Steuerverschärfung durch Obama.

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Anne Applebaum ist einer renommierte Geschichtsprofessorin. Sie ist amerikanisch-polnische Doppelbürgerin und galt lange als solide Konservative. Ihr Ehemann war Aussenminister in der liberalen Regierung Polens. Sie selbst hat sich mit Büchern über die Grausamkeiten in der UdSSR unter Stalin einen Namen geschaffen.

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