Schweiz
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Teacher Lisa Egan is vaccinated with the Moderna coronavirus vaccine at a clinic organized by New York City's Department of Health, Monday, Jan. 11, 2021.

Hoffnung in Spritzenform: Die Moderna-Zulassung dürfte den Mangel an Dosen etwas schmälern. Bild: keystone

Analyse

Die Moderna-Zulassung ist erst der Anfang – diese Impfstoffe stehen in den Startlöchern

Swissmedic hat den Moderna-Impfstoff zugelassen. Damit stehen der Schweiz nun zwei Vakzine zur Verfügung. Doch es gibt noch viel mehr Kandidaten – nicht nur von westlichen Herstellern.



Und dann gab Swissmedic grünes Licht: Der Impfstoff des US-Herstellers Moderna wurde für die breite Nutzung in der Schweiz freigegeben. Wenige Tage nachdem die EU selbiges tat.

Die Zulassung dürfte vielerorts für Erleichterung sorgen. Die Schweiz, aber auch so ziemlich jedes andere Land in Europa, wurde in den letzten Wochen scharf dafür kritisiert, den Impfstart angeblich verschlafen zu haben.

Ein Grund für die Kritik war das schlichte Nichtvorhandensein von Impfstoffen. Quer durch den Kontinent mangelte es an genügend Dosen. Mit der Zulassung des Moderna-Vakzins soll zumindest in diesem Punkt Abhilfe geschaffen werden. Die Schweiz hat bei ihrer Planung primär auf Moderna gesetzt: Mit 7,5 Millionen bestellten Dosen ist er das Rückgrat der Schweizer Impfkampagne.

So viele Dosen hat die Schweiz bestellt:

Impfstoff Herkunft

Die 15,8 Millionen bestellten Dosen reichen für 7,9 Millionen Menschen. Oder rund 92 Prozent der Bevölkerung. Bild: watson

Nun soll es schnell gehen: Da das Moderna-Präparat in der Schweiz hergestellt wird (von Lonza in Visp), kann eine erste Charge mit 200'000 Dosen innerhalb eines Tages ausgeliefert werden. Und der Impfstoff hat noch einen weiteren Vorteil: Er muss nicht bei minus 80 Grad gelagert werden, wie dies bei dem Vakzin von Pfizer/Biontech nötig ist. Sondern lediglich bei minus 20 Grad. Auch kann man ihn bis zu einen Monat lang im Kühlschrank aufbewahren. Das erlaubt es, auch in Hausarztpraxen mit dem Impfen zu beginnen. Auf vorhandene Infrastruktur zurückzugreifen, ist prinzipiell effizienter, als neue Strukturen aus dem Boden zu stampfen.

Moderna und Pfizer sind Luxus-Impfstoffe

Die beiden Impfstoffe von Pfizer/Biontech und Moderna werden zurzeit vor allem in westlichen, wohlhabenden Ländern gespritzt. Das hat auch einen guten Grund: Sie sind teuer und setzen eine gute Infrastruktur für die Lagerung voraus. Nicht alle können sich das leisten. Erschwerend kommt hinzu, dass sich reiche Industrienationen in einem Rennen, in dem es scheinbar auch um Prestige und geopolitischen Einfluss geht, praktisch alle verfügbaren Dosen bereits gesichert haben.

Es gibt jedoch auch Alternativen. Einige davon wurden bereits in wenigen Ländern zugelassen, andere stehen kurz davor. Die meisten davon basieren nicht auf der mRNA-Technologie, das heisst, sie sind nicht auf komplexe Kühlketten angewiesen.

AstraZeneca

Der Impfstoff von AstraZeneca ist wohl der bekannteste, der hier vorgestellt wird. Die Schweiz hat sich 5,3 Millionen Dosen davon gesichert. Er wurde in Zusammenarbeit mit der renommierten Oxford-Universität in England hergestellt und ist vielleicht der aussichtsreichste Kandidat, um nicht nur die Impfprobleme der Schweiz zu lösen, sondern weltweit für mehr Immunisierung zu sorgen.

Die Gründe dafür sind simpel: Der Vektorvirenimpfstoff ist günstig, stellt geringere technische Herausforderungen an die Produktion und kann zu Kühlschranktemperaturen transportiert und gelagert werden.

Laut eigenen Schätzungen von AstraZeneca bewegt sich der Preis pro Dosis zwischen zwei und vier Franken. Zum Vergleich: Eine Dosis des Pfizer-Impfstoffes kostet rund 20 Franken, eine Dosis von Moderna gar etwa 35. Das hat ein Team von «The Economist» ausgerechnet. Die Kosten für die komplexe Lagerung und Transportation sind dabei nicht mit einberechnet.

Geschätzter Preis pro Dosis in CHF

Nur der chinesische Impfstoff Sinopharm ist noch teurer als Moderna und Pfizer. daten: economist / grafik: infogram/dfr

Über die Wirksamkeit des Impfstoffes liegen bis jetzt nur wenige Daten vor. Die Prognosen reichen von einem 60- bis zu einem 90-prozentigen Schutz. Nichtsdestotrotz haben ihn bereits einige Länder zugelassen. Zum Beispiel Grossbritannien oder Indien. Die EU kündigte jüngst an, die Zulassung würde diese Woche noch erfolgen. Auch in der Schweiz wurde über eine Zulassung im Januar geschrieben.

Johnson & Johnson

Der US-Gesundheitskonglomerat Johnson & Johnson ist ein weiterer Hoffnungsträger für ein baldiges Ende der Impfstoff-Knappheit. Das Vakzin basiert auf demselben Prinzip wie jenes von AstraZeneca, hat aber den entscheidenden Vorteil, dass nur eine Dosis davon verabreicht werden muss. Mit einem Preis von circa 10 Franken pro Dosis bewegt es sich auch noch auf der erschwinglichen Seite.

Zudem hat Johnson & Johnson angekündigt, im Jahr 2021 eine Milliarde Dosen des Vakzins herstellen zu können. Kombiniert mit der Tatsache, dass nur eine Dosis pro Person benötigt wird, könnte es zu einem echten «Gamechanger» werden.

Versprochene Dosen für 2021, in Millionen

Die Angaben für Sputnik V sind mit Vorsicht zu geniessen, Schätzungen gehen von 300 Millionen bis zu einer Milliarde Dosen für das Jahr 2021 aus. quelle: economist/IFpma / grafik: infogram/dfr

Janssen Schweiz, das zum pharmazeutischen Sektor von Johnson & Johnson gehört, haben Anfang Dezember ein Zulassungsgesuch für ihren Impfstoff bei Swissmedic eingereicht. Arbeitet Swissmedic ähnlich schnell wie bei Moderna und Pfizer, so dürfte es mit der Zulassung dieses Impfstoffes auch nicht mehr weit her sein.

Sputnik V

Ein bisher im Westen eher belächelter Kandidat ist der russische Impfstoff «Sputnik V» vom staatlichen Gamaleja-Institut für Epidemiologie in Moskau. Die Bezeichnung ist vom Sputnik-Satelliten abgeleitet, welcher im Jahr 1957 von der Sowjetunion als erster Satellit in der Umlaufbahn der Erde platziert wurde.

Nur zwei Tage nach dem Mainzer Pharmaunternehmen Biontech und seinem US-Partner Pfizer hat am 11. November der russische Impfstoffentwickler verkündet, dass sein Vakzin zu mehr als 90 Prozent sicher sei. Die Wirksamkeit von «Sputnik V» liege bei 92 Prozent, teilten das Gamaleja-Forschungsinstitut und der russische Staatsfonds RDIF, der den Impfstoff finanziert, in einer gemeinsamen Erklärung mit.

Russland hatte «Sputnik V» bereits im August zugelassen, ohne die letzte Testphase mit den zehntausenden Probanden abzuwarten. Bisher hielt sich das Land allerdings mit der wissenschaftlichen Dokumentation der Forschung zurück.

Trotz aller wissenschaftlichen Bedenken der internationalen Gemeinschaft könnte Sputnik V dabei helfen, die globale Impfstoffnachfrage zu befriedigen. Neben russlandnahen Ländern wie Belarus, Serbien oder Ungarn wurde der Impfstoff auch bereits in Argentinien zugelassen. Dort wird seit Ende 2020 damit geimpft.

Auch das russische Vakzin ist ein Vektorvirenimpfstoff und damit einfach zu lagern und zu transportieren. Zudem ist er günstig. Auch westliche Länder beginnen nun langsam, sich mit der Idee des Satelliten-Vakzins anzufreunden: Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel verhandelte laut Berichten des «Tagesspiegels» direkt mit Putin über «mögliche Perspektiven der gemeinsamen Impfstoffproduktion». AstraZeneca will sogar zukünftig mit dem Gamaleja-Forschungsinstitut zusammenarbeiten, um beide Impfstoffe zu verbessern.

Chinesische Impfstoffe

China ist mit ähnlichen Vorbehalten der westlichen Gemeinschaft konfrontiert wie Russland. Die beiden chinesischen Impfstoffe von Sinopharm und Sinovac Biotech sind bis jetzt erst in China und einigen Ländern aus dem arabischen Raum zugelassen. Die Datenlage zu Sicherheit und Wirksamkeit sind nach wie vor dünn. In Sao Paolo in Brasilien finden zurzeit Phase-3-Studien mit dem Sinovac-Vakzin statt. Die Stadt hat sich sechs Millionen Dosen gesichert, mit der Option auf 40 Millionen weitere Dosen.

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro reagierte mit Spott und Hohn auf den Deal des rivalisierenden Bürgermeisters aus Sao Paolo. Die öffentliche Denunzierung des chinesischen Impfstoffes führte dazu, dass 50 Prozent der brasilianischen Bevölkerung sich laut Umfragen nicht damit impfen lassen wollen. Zum Vergleich: Nur 22 Prozent sagten aus, sich gar nicht impfen lassen zu wollen.

Während sich westliche Länder mit Impfstoffen aus den eigenen Reihen eindecken, dürften die Vakzine aus Russland oder China in den nächsten Monaten und Jahren vor allem in Ländern zum Einsatz kommen, die nicht mit der politischen und finanziellen Power der Industrienationen mithalten können. Dahinter dürfte auch politisches Kalkül stecken: «China und Russland erschaffen damit ein Narrativ, wonach sie sich um Länder kümmern, die vom Westen zurückgelassen werden», sagte Oliver Stuenkel von der Fundação-Getulio-Vargas-Universität in Sao Paolo gegenüber «The Economist».

Weitere Kandidaten

Neben den oben präsentierten Impfstoffen gibt es noch eine lange Liste an weiteren Kandidaten. Einige sind bereits weiter fortgeschritten als andere, erwähnenswert sind derzeit noch folgende:

In der Schweiz sind bis jetzt keine weiteren Kaufverträge mit anderen Herstellern bekannt. Gemäss dem BAG ist man aber im Gespräch mit anderen Firmen. Hierzulande geht man davon aus, dass man bis Mitte dieses Jahres alle Personen impfen kann, die das auch wollen.

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