Schweiz
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Regierungsraetin Silvia Steiner, Bildungsdirektorin, spricht waehrend der Medienkonferenz des Kantons Zuerich zur aktuellen Lage Coronavirus am Freitag, 13. Maerz 2020, in Zuerich. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Regierungsrätin Silvia Steiner während der Medienkonferenz des Kanton Zürichs am Freitag, 13. März. Bild: KEYSTONE

Interview

«Viele Menschen haben nun gemerkt, was unsere Lehrpersonen und Ausbildner täglich leisten»

Der Bund hat entschieden. Lehrabschlussprüfungen finden statt. Zürichs Bildungsdirektorin Silvia Steiner hat klare Vorstellungen, wie die Kantone nun vorgehen müssen. Und sie lobt das Engagement der Lehrerinnen und Lehrer: «Viele Menschen haben nun gemerkt, was unsere Lehrpersonen und Ausbildner täglich leisten.»



Frau Steiner, Bundesrat Alain Berset hatte seinen letzten arbeitsfreien Tag im Februar. Wie sieht es bei Ihnen aus? Werden Sie über Ostern ein paar freie Tage geniessen können?
Es gibt viel zu tun. Ich bin aber digital gut vernetzt, so dass ich auch einmal von zuhause aus arbeiten kann. Da wird es sicher die eine oder andere ruhige Stunde über Ostern geben.

Am 16. März schlossen alle Schulen. Damals sagten Sie, dass kein Weg an einer Chaosphase vorbeiführe. Ist diese nun überwunden?
Die ist definitiv vorbei. Die ersten Wochen waren anstrengend und haben alle Beteiligten gefordert. Aber ich bin der Meinung, dass es sehr gut geklappt hat.

Es ist weiterhin unklar, ob die Schulen nach dem 19. April wieder öffnen. Aktuell sieht es nicht danach aus. Was heisst das für Ihre Arbeit und die aller anderen Bildungsverantwortlichen?
Wir haben nun drei Phasen durchlaufen. Die erste Aufgabe war es, zu schauen, dass jedes Kind in der Volksschule betreut wird. Dann ging es um den Aufbau des Fernunterrichts. Anschliessend erfolgte dann die individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler.

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Wenn die Schulen auch nach den Frühlingsferien geschlossen bleiben, folgt dann die Phase vier?
Es gibt immer Optimierungsmöglichkeiten. Die Schulen arbeiten konstant daran, den Fernunterricht noch weiter zu verbessern und Unterstützungsmöglichkeiten auszuarbeiten. Dauern die Schulschliessungen länger, müssen auch im Fernunterricht Mankos erkannt und beseitigt werden.

«Ich gehe davon aus, dass die schriftlichen Prüfungen ausgesetzt werden.»

Was sind aktuell die grössten Schwierigkeiten?
Schwierig ist es dort, wo wir noch keine konkreten Lösungen haben.

Bei den Lehrabschluss- und Maturaprüfungen...
Genau. Dort muss der Bund darüber entscheiden, ob und in welcher Form Prüfungen durchgeführt werden oder nicht.

Wann wissen betroffene Schülerinnen und Schüler mehr? Wann werden endlich Entscheide gefällt?
Am Donnerstag* findet ein Spitzentreffen statt, an dem über die Lehrabschlussprüfungen diskutiert wird. Ich gehe davon aus, dass die schulischen Prüfungen ausgesetzt werden. Es geht um eine Güterabwägung. Die Gesundheit der Bevölkerung ist ein Gut, das wir aktuell schützen müssen. Da ist die Gefahr zu gross, dass bei einer Prüfung vor Ort mit Hunderten Lernenden und Lehrpersonen Personen infiziert werden könnten.

Und wie sieht es bei den praktischen Prüfungen aus?
Da entscheiden die Branchenverbände im Dialog mit Bund und Kantonen. Auch das wird heute Donnerstag diskutiert. Aber ich wünschte mir hier eine möglichst einheitliche Lösung. Das gestaltet sich schwierig. Die Verhältnisse in den Kantonen sind aktuell sehr unterschiedlich. Man entscheidet anders in einem Kanton wie Tessin oder Waadt, wo die Belastung und der Leidensdruck aufgrund der höheren Covid-Fallzahlen viel höher sind als beispielsweise in der Deutschschweiz.

Sie sind auch Präsidentin der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK). Wenn Sie wählen könnten, welche Lösung schwebt Ihnen in den Kantonen vor? Sollen alle Lehrabschlussprüfungen ausfallen?
Ich möchte für alle Berufe in allen Kantonen die gleiche Lösung. In Kantonen mit hohen Infektionsraten, also beispielsweise im Tessin, der Waadt oder Basel-Stadt ist davon auszugehen, dass keinerlei Prüfungen durchgeführt werden können. Daran sollten sich auch die anderen Kantone orientieren. Alle Berufe sollten gleich behandelt werden.

Was ist mit den Maturaprüfungen?
Hier haben wir noch etwas mehr Zeit mit der Entscheidung, weil diese erst im Juni stattfinden. Die Diskussionen laufen derzeit auf Hochtouren. Bis spätestens Anfang Mai möchten wir Klarheit.

Der Kanton Zürich hat bereits früh agiert. Am 26. März wurden die mündlichen Aufnahmeprüfungen für Kurzgymnasien, Handels- und Fachmittelschulen abgesagt. Wie wichtig war dieser Entscheid?
Bei allem, was der Kanton eigenständig entscheiden kann, wollten wir so schnell wie möglich eine Lösung. Der Entscheid war eine grosse Entlastung für die Schülerinnen und Schüler und für das Schulfeld. Viele Kinder standen unter Stress, weil sie nicht wussten, wie es weitergeht.

Rutschen damit nicht auch Schülerinnen und Schüler in eine Fachmittelschule, die es mit Prüfung wohl nicht geschafft hätten?
Jene, die es ganz knapp nicht geschafft hätten, werden dieses Jahr auch aufgenommen. Aber es gibt ja immer noch eine Probezeit. Es wird bei einigen darum in der Schule sicher einen grösseren Effort brauchen. Aber dem schaue ich gelassen entgegen. Mir ist es primär ein Anliegen, dass möglichst viele junge Menschen einen Ausbildungsplatz erhalten oder eine Schule absolvieren können. Auch im Hinblick darauf, dass die Lage auf dem Lehrstellenmarkt sich aufgrund der Coronakrise verschlechtern wird.

Welches sind aktuell ihre Sorgenkinder?
Junge Menschen, die nur eine grundlegende Ausbildung haben oder solche mit Sprachschwierigkeiten oder körperlichen Einschränkungen. Ich gehe davon aus, dass vor allem Kleingewerbler und Arbeitnehmer aus handwerklichen Berufen unter der Coronakrise leiden werden. Ob diese noch Lehrstellen anbieten können, ist zurzeit eine offene Frage. Ich bin jedoch überzeugt, dass die meisten alles daran setzen, wieder Lehrstellen anbieten zu können.

«Viele Menschen haben nun gemerkt, was unsere Lehrpersonen und Ausbildner täglich leisten.»

Wir blicken in die Zukunft. Es ist April 2021. Wie werden sie an diese Zeit zurückdenken?
Das ist schwierig zu sagen. Ich glaube, wir werden sagen können, dass es eine sehr herausfordernde Zeit war – in der wir – neben all den Schwierigkeiten – auch viel Neues und Positives entwickelt haben. Unser System wird einem enormen Stress- und Bestandestest unterzogen. Prioritäten werden sich verschieben, viele Dinge werden nicht mehr so wichtig sein wie vorher. Viele Menschen haben nun gemerkt, was unsere Lehrpersonen und Ausbildner täglich leisten. Aber wir haben hier in der Krise immer noch sehr gute Bedingungen. Uns geht es grundsätzlich gut, wir haben genügend zu Essen und soziale Absicherungen. Wir werden einen Ausweg aus der Krise finden.

*Die Berufsbildner haben sich um 13.30 Uhr auf eine schweizweit einheitliche Lösungen geeinigt. LAP können in diesem Jahr trotz der Coronapandemie stattfinden. Bei praktischen Prüfungen müssen die Empfehlungen des Bundes eingehalten werden. Auf schulische Prüfungen wird verzichtet. Darauf haben sich die Akteure in der Berufsbildung geeinigt.

Die praktischen Arbeitsprüfungen werden demnach pro berufliche Grundbildung vorbereitet – teils unterschiedlich nach Branche, Fachrichtung oder Schwerpunkt. Es soll eine in allen Kantonen und an allen Prüfungsorten durchführbare Variante gewählt werden. Der Bund entscheidet abschliessend. (sda)

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