DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Michael Meiers Bilder legen laut ZDF nahe, dass die Stresa-Seilbahn seit Jahren mit Klammern die Notbremsen blockierte. screenshot zdf

«Habe bloss meine Pflicht getan»: Das sagt der Schweizer Hobbyfilmer zur Stresa-Enthüllung

Über 300'000 Seilbahn-Fotos hat Hobbyfilmer Michael Meier schon geschossen. Seine Aufnahmen belegen womöglich, dass die Bremsen der Unglücksbahn von Stresa seit Jahren manipuliert worden sind. Im Gespräch mit watson sagt er, wie es dazu kam.



Seit über 20 Jahren knipst der Schweizer Seilbahn-Fan Michael Meier Gondelbahnen. «Mein Archiv umfasst 300'000 Fotos und 50'000 Videos», sagt er zu watson. Seine Aufnahmen könnten nun einen wichtigen Beitrag leisten, die Hintergründe des Seilbahn-Unglücks am Lago Maggiore zu klären. 2014, 2016 und 2018 hat er die Unglücksbahn «Funivia Monte Mottarone» in Stresa IT gefilmt.

Bild

Hobbyfilmer Michael Meier bei seinem Auftitt im ZDF. screenshot zdf

Seine Videoaufnahmen legen nahe, dass die Fangbremsen des Bähnlis seit Jahren manipuliert worden sind. Dies enthüllte am Dienstag die ZDF-Sendung «Frontal 21», welche Meiers Aufnahmen zudem ETH-Seilbahnexperte Professor Gabor Oplatka vorlegte. Dieser bestätigte die Eindrücke. Der Verdacht der Ermittler: An der Gondel wurde mit Hilfe einer Klammer das Greifen der Fangbremse verhindert, weil es vorher immer wieder zu Störungen im Betrieb der Seilbahn gekommen war.

So kam es zur Enthüllung

Nach den ersten Medienberichten zu den Klammern sichtete Meier seine Stresa-Videos nochmals. «Mir ist erst dann aufgefallen, dass auf diesen Fotos diese Forchettone schon zu sehen sind. Schon im Jahr 2014 wurden diese Klammern mit Personen in der Kabine eingesetzt», sagte Meier.

Meier lud darauf auf YouTube mit dem Titel «Fangbremse unterstellt! Seit 2014» einen Zusammenschnitt der entsprechenden Stellen hoch – das Recherchemagazin des ZDF nahm daraufhin Kontakt mit ihm auf. «Das war ein Glückstreffer. Ich wollte nicht zur Boulevardpresse». Es sei ihm wichtig, dass das Video länderübergreifend analysiert wird und keine unnötigen Ressentiments entstünden, sagt Meier zu watson.

Der YouTube-Zusammenschnitt von Meier

abspielen

Video: YouTube/Stahlseil

Auch der Staatsanwaltschaft in Verbania liegen die Aufnahmen inzwischen vor. Dennoch verspüre er keinen Stolz: «Ich habe nur meine Pflicht getan. Ich hätte mir ein Gewissen gemacht, wenn ich die Aufnahmen nicht abgeliefert hätte.»

Das Unglück

Die mit 15 Menschen besetzte Gondel in Stresa am Lago Maggiore stürzte am 23. Mai kurz vor der Bergstation in die Tiefe, weil das Zugseil der «Gondel» aus bislang ungeklärter Ursache riss und ein deaktiviertes Notbremssystem am Tragseil nicht griff. Die Kabine raste talwärts, krachte gegen eine Stütze, sprang aus der Verankerung und zerschellte schliesslich an dem steilen, bewaldeten Hang. 14 Menschen starben, ein fünfjähriger Bub überlebte schwer verletzt.

Bei seinen Stippvisiten in Stresa war er mehrmals mit der Unglücksseilbahn unterwegs. Zum ersten Mal am 6. Januar 2014: Er erinnert sich: «Das war eine ganz normale Seilbahnfahrt. Ich hatte nie ein komisches Gefühl.»

«Ich will niemanden anschwärzen, denn ich bin weder Staatsanwalt noch Untersuchungsrichter.»

Michael Meier

Nun ist Meier gespannt, was die weiteren Untersuchungen ergeben werden. Weiter dazu äussern möchte er sich nicht. «Ich will niemanden anschwärzen, denn ich bin weder Staatsanwalt noch Untersuchungsrichter.»

1 / 13
Seilbahnunglück bei Stresa
quelle: keystone
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Video sorgt auf YouTube für Furore

Das Video auf seinem YouTube-Kanal «Stahlseil» haben inzwischen fast 100'000 Personen angeklickt. Eine Userin schreibt stellvertretend: «Danke für die Veröffentlichung deiner Aufnahmen und die Unterstützung bei der schnellen Aufklärung.»

Eine Frage darf natürlich nicht unbeantwortet bleiben: Warum haben es die Seilbahnen Meier derart angetan, dass er schon 300'000 Fotos davon geknipst hat? «Mich fasziniert die Verbindung von Naturlandschaften und Technik», sagt der frühere Mitarbeiter einer Schweizer Gondelbahn. Seilbahnen seien ein sehr sicheres, potentes und energieeffizientes Transportmittel. So entspreche zum Beispiel die Antriebsleistung der Mottarone-Bahn jener von zwei besseren Mittelklasse-PKWs.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Seilbahnunglück bei Stresa

1 / 13
Seilbahnunglück bei Stresa
quelle: keystone
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Das sind die 5 Rekord-Seilbahnen unseres Landes

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Als die italienische Polizei den 23-jährigen Carlo Giuliani erschoss

300'000 Menschen protestierten im Juli 2001 gegen den G8-Gipfel in Genua. Danach kam es zu einer beispiellosen Gewalteskalation. Ein 23-Jähriger wurde erschossen, hunderte Aktivisten gefoltert.

Ein Toter, hunderte Verletzte und von der Polizeigewalt schwer traumatisierte Menschen war die traurige Bilanz der Proteste gegen den G8-Gipfel in der italienischen Hafenstadt im Jahr 2001. Dass sich in Italien, einem demokratischen Land, ein solch beispielloser Gewaltexzess entladen kann, entsetzte ganz Europa und darüber hinaus. Später entschied der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte: Das, was in Genua passierte, war Folter und die Verantwortung dafür trägt der italienische Staat.

Italien …

Artikel lesen
Link zum Artikel